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Die Kar- und Ostertage warfen in Wessobrunn ihre Schatten voraus: In der Pfarrkirche St. Johannes bauten am Vormittag zehn Helfer das Heilige Grab auf.

Brauchtum in Wessobrunn

„Eierkläppern“ und Grab-Aufbau

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Wessobrunn -  In Wessobrunn wird das Brauchtum gepflegt. Ministranten zogen von Haust zu Haus, zur gleichen Zeit wurde  das Heilige Grab aufgestellt.

Man hört die Gruppe schon von weitem. Es klappert und klopft, als Tamara, Elisabeth, Peter, Maria und Ruth durch Wessobrunn ziehen. An jedem Eingang bleiben sie stehen. Naja, an fast jedem. „Die sind beim Skifahren“, sagt eines der Mädchen vor einem Haus, die anderen nicken und gehen gleich weiter. Die Ministranten kennen sich eben aus in ihrem Ort. Jedes Jahr strömen sie in der Woche vor Ostern zum „Eierkläppern“ aus. 20 Kinder und Jugendliche waren in diesem Jahr dabei – in vier Gruppen hatten sie sich am Montagmorgen auf den Weg gemacht. Eine davon bilden die fünf.

Zu einer anderen gehört Christian Krammer, einer der Organisatoren des Kläpperns: „Wir sammeln Geld für wohltätige Zwecke und auch für die Ministranten“, sagt er. Mit seiner Gruppe ist er unter anderem in Paterzell und Schellschwang unterwegs. Dabei schütteln die Ministranten Bretter, auf denen mit Lederriemen Holzeier befestigt sind.

Mit dem „Eierkläppern“ führen die jungen Wessobrunner eine alte Tradition fort. Ursprünglich war es für arme Kinder gedacht, die dafür Ostereier bekamen. Heute ist es Geld, das in rote Boxen gesteckt wird. Und einige halten für die jungen Christen Leckereien bereit – Chips, Schokolade und Gummibärchen gibt’s geschenkt. Die Ministranten sind immerhin einige Stunden unterwegs.

Aber die Kinder und Jugendlichen sind nicht die einzigen, die sich am Montagmorgen christlicher Tradition widmen. Als die jungen Wessobrunner vom Klosterhof ausströmen, wird bereits in der Pfarrkirche gewerkelt. Gemeinsam mit neun Helfern und unterstützt von ein paar Kindern baut Kirchenpfleger Franz Langer das Heilige Grab auf. Seit 2014 – seit es restauriert wurde – ist es wieder jedes Jahr zu sehen. Das Grab hatte der letzte Klostermaler des Orts, Sebastian Jaud, im Jahr 1819 bemalt. „Wer die Schreinerarbeiten gemacht hat, das weiß leider kein Mensch“, sagt Langer. „Wirklich schade.“ Immerhin sei der Auf- und Abbau gut durchdacht. „Das dauert nur einen halben Tag.“

So lang waren auch die Ministranten unterwegs. Manches Mal schmunzeln sie, als sie von Haus zu Haus ziehen. „Da haben die Leute das letzte Mal noch geschlafen, als wir kamen“, sagt ein Mädchen und grinst. Ein anderes winkt bei der nächsten Tür ab – „die haben letztes Jahr schon nicht aufgemacht“. Viele Wessobrunner aber öffnen den klappernden Gruppen die Tür, bereits mit Geld und Süßigkeiten in der Hand. Insgesamt kommen an diesem Tag rund 1400 Euro zusammen. Und jeder Geber bekommt als Dank einen Spruch aufgesagt – dessen Ende erinnert wieder an die Anfänge des „Eierkläpperns“: „Wir laden euch zur Heiligen Feier, und danken für die Ostereier“, sagen die Ministranten im Chor.

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