1. Startseite
  2. Lokales
  3. Weilheim
  4. Wessobrunn

Brutaler Überfall auf Wessobrunnerin (87): Urteil gegen Täter gefallen

Erstellt:

Von: Nina Gut

Kommentare

Das Landgericht München II verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung (Symbolbild).
Das Landgericht München II verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung (Symbolbild). © Imago

Die Tat sorgte für Schlagzeilen, der Prozess ebenfalls. Jetzt wurde ein Dießener, der im Drogenrausch eine Seniorin angegriffen und mit dem Tode bedroht hatte, verurteilt.

Wessobrunn – Der Dießener (34), der eine Wessobrunnerin (87) auf ihrer Terrasse schwer attackiert hat (wir berichteten), hat wegen vorsätzlichen Vollrausches eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung erhalten. Das Landgericht München II hat ihn außerdem in die Entzugsanstalt eingewiesen – ebenfalls auf Bewährung.

Laut Auflagen darf er keine Drogen mehr konsumieren und muss mindestens einmal im Monat zur forensischen Ambulanz nach Haar gehen und sich auch zu Hause besuchen lassen. Nur dann darf er auf freiem Fuß bleiben.

Verteidiger plädierten auf Freispruch

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten gefordert sowie die Unterbringung in der Entzugsklinik. Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert – der Vollrausch sei weder vorsätzlich noch fahrlässig gewesen, weil der Dießener in 14 Jahren des Cannabis-Rauchens keine schlechten, sondern nur „chillige“ Erfahrungen gemacht habe. Auch die Entzugsanstalt lehnten sie ab, da er heute keinen Hang mehr zum Drogenkonsum habe.

Das allerdings sah das Gericht ganz anders. Das Ganze funktioniere nämlich „nur mit Abstinenzkontrolle durch die forensische Ambulanz so gut“, betonte der Vorsitzende Richter Thomas Bott. Daher verhängte er auch die Bewährung nur unter entsprechenden Auflagen. Diese seien unerlässlich.

Seniorin brutal attackiert und verletzt

Zwar war der Dießener während des Drogenrausches nicht mehr Herr seiner Sinne und somit nicht schuldfähig. Ein versuchtes Tötungsdelikt schied damit aus. Dennoch war eine Verurteilung möglich, weil er sich mit Vorsatz berauscht und dann im schuldunfähigen Zustand eine Straftat begangen hat.

Der Angestellte aus Dießen hatte am Abend des 8. Mai 2020 im Schrebergarten eines Freundes in seinem Heimatort einen Joint geraucht. Am Abend darauf konsumierte er einen zweiten. Noch einen Tag später, an einem schönen Sonntag, fuhr er mit dem Rad in und um Wessobrunn umher und rauchte noch einmal Cannabis. Dadurch geriet er in einen psychotischen Zustand.

Als er gegen 19 Uhr am Haus einer ehemaligen Lehrerin vorbei radelte, fantasierte er, dass sie eine Hexe sei. Er lief durchs Gartentor zu der 87-jährigen Dame, die auf der Terrasse saß, und schlug unvermittelt auf sie ein. Während der Attacken rief er unentwegt: „Du alte Hexe. Ich mach dich jetzt hin.“

Im Zeugenstand berichtete die Seniorin, dass der 34-Jährige sie an der Jacke gepackt, von der Terrasse gezogen und auf sie „ununterbrochen mit beiden Fäusten eingeboxt und getreten“ habe. Sie habe zurückgeboxt und dem Mann ein Bein gestellt. Die Zeit, während sich der Angreifer wieder aufrappelte, nutzte sie, um sich zur Haustür zu schleppen.

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Schongau-Newsletter.)

Als sie im Hauseingang liegend in die Augen des Dießeners geschaut habe, sei ihr klar gewesen: „Der bringt mich um.“ Wie ein „wildes Tier“ habe er gewirkt, das sie „genüsslich abschlachten“, werde. Es gelang der rüstigen Dame allerdings, nach dem Angreifer zu treten, die Tür zuzuschlagen und zu versperren. Wie im Film ging es weiter: Der Angeklagte trat gegen die Haustüre und schlug mit den Krücken der Frau das Türglas ein.

Die 87-Jährige versteckte sich in einer Kammer. Derweil eilten aufgeschreckte Nachbarn zu Hilfe. Gegen seine Festnahme durch die Polizei wehrte sich der Angreifer heftig, verletzte einen Polizisten leicht und bespuckte einen anderen. Die Beamten fanden bei ihm außerdem noch drei Tütchen mit einer Tabak-Marihuana-Mischung.

Die Seniorin erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma und einen Nasenbeinbruch, die wieder ausgeheilt sind. Allerdings leidet sie noch unter psychischen Folgen, etwa Schlafstörungen. Zu Prozessauftakt ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger ausrichten, dass er die „Verantwortung übernimmt“. In seinem letzten Wort sagte er, dass ihm das alles sehr leid tue. Zur Wiedergutmachung hat er 2000 Euro angezahlt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, das heißt, dass beide Seiten – Staatsanwaltschaft und Verteidigung – noch Rechtsmittel einlegen können.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus der Region rund um Schongau finden Sie auf Merkur.de/Schongau.

Auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,
wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.
Die Redaktion