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Helmut Dinter ist ein steter Kritiker des Tourismusverbands.

Jahresbericht 2018

Dinter schießt wieder gegen Tourismuverband

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Urlaub im Pfaffenwinkel boomt. Der Tourismusverband ist zufrieden. Nicht so Wessobrunns Bürgermeister: Helmut Dinter sieht die Entwicklung kritisch. Es ist nicht das erste Mal.

Wessobrunn– Die Gemeinde Wessobrunn und der Tourismusverband Pfaffenwinkel: Es ist keine einfache Beziehung. Seit Jahren schon versucht Rathauschef Helmut Dinter, seine Kommune aus der Zwangsmitgliedschaft des Zweckverbands herauszulösen. Vergeblich. Ein erstes Gerichtsverfahren zog die Gemeinde mangels Erfolgsaussicht zurück, den zweiten Versuch beendeten die Wessobrunner Anfang 2019. Der Gemeinderat habe daraufhin einstimmig beschlossen, das Thema ruhen zu lassen, erklärt Dinter. „Weil wir rechtlich keine Chance haben.“ Was den Rathauschef jedoch nicht davon abhält, die Arbeit des Tourismusverbands weiter kritisch zu begleiten.

Jahresbilanz im Visier

Aktuell ist es die von Geschäftsführerin Susanne Lengger unlängst in der Verbandsversammlung vorgelegte Jahresbilanz 2018, die Dinter ärgert. Wie berichtet, hatten die Übernachtungszahlen mit 825 877 erstmals seit zehn Jahren wieder die 800 000-Marke geknackt. Für Wessobrunns Gemeindeoberhaupt Anlass, die Statistik anzuzweifeln. Gemäß Jahresbericht verzeichnete 2018 sein Klosterort 14 856 Übernachtungen und 6637 Gästeankünfte. Was Dinter verwundert: Immerhin würde die Kommune „seit Jahren“ keine offiziellen Zahlen ihrer Beherbergungsbetriebe mehr an den Verband liefern, betont er gegenüber der Heimatzeitung.  Er bezweifelt, dass es sich größtenteils um Urlauber handelt, schließlich würden auch viele Pilger auf Durchreise und Handwerker im Ort nächtigen. 

„Ehrliche Zahlen“ verlangt

Dinter verlangt „ehrliche Zahlen“ vom Verband. Dass Gästekrösus Bernried dank Kurkliniken und Schulungsheimen auf stolze 290 913 Übernachtungen und 48 820 Gästeankünfte kommt, hält Dinter für eine Verzerrung der tatsächlichen Verhältnisse: „Was hat die Klinik Höhenried mit Tourismus zu tun?“ Für den Bürgermeister ein Unding. „Wenn Kurpatienten plötzlich zu Touristen avancieren, warum werden dann die Krankenhauspatienten der „Lauterbacher Mühle“ oder gar der Krankenhäuser Penzberg, Schongau und Weilheim nicht auch noch mit Anzahl und Aufenthaltsdauer mitgezählt?“

Grundsätzliche Kritik

Dinters Kritik ist grundsätzlich. Er bemängelt „fehlende Transparenz“ und „die qualitative Ausrichtung“ des Tourismusverbands. Es gebe eine „reine Konzentration auf Zahlen“, die Besonderheiten in den 27 Mitgliedskommunen würden bei der touristischen Positionierung außer Acht gelassen. Dinter bekräftigt: Für Wessobrunn brauche es den Verband überhaupt nicht. „Was bei uns an Tourismus passiert, läuft eh parallel bei uns“, nennt er als Beispiel die Führungen vom Museumsverein und von privaten Anbietern.

Bei Versammlung nicht dabei

Bei der Verbandsversammlung fehlte der streitbare Wessobrunner Bürgermeister. Dinter nennt terminliche Gründe, sei aber darüber „überhaupt nicht beleidigt gewesen“. Die vorgelegte Jahresbilanz will er trotzdem so nicht stehen lassen. Wenn so „tolle Arbeit“ gemacht würde, fragt er sich, „warum sind dann nicht alle Gemeinden Mitglied?“ Der Rathauschef, der sich mehr Solidarität unter seinen Amtskollegen gewünscht hätte, setzt auf eine neue Tourismuspolitik im Kreistag nach der Kommunalwahl – auch was die Verbandsmitgliedschaft betrifft.

Lesen Sie auch: Zukunftsforum: Nachhaltiger Tourismus war Thema.

Ebenfalls interessant: Wessobrunn muss im Tourismusverband bleiben.

Auch zum Thema: Zukunftssorgen im Urlaubsparadies: 200 Gästebetten verschwinden.

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