+
Juliane Warkus (li.) und ihre Tochter Sandra Wein betreiben den Pflegeservice Wessobrunn. Hundedame „Blue Melody“ muss wegen der Corona-Krise daheim bleiben.

Pflege ohne Lächeln und Händeschütteln

Anstrengend war die Arbeit in der Pflege auch schon vor der Corona-Pandemie. Jetzt aber kommen besondere Erschwernisse hinzu.

Wessobrunn – Juliane Warkus hat im Jahr 1992 den Pflegeservice Wessobrunn gegründet und ist heute mit ihrer Tochter Sandra Wein und weiteren Fachkräften bis 25 Kilometer Umkreis unterwegs, um hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen. „Ein schöner, aber auch herausfordernder Beruf“, sagen die beiden und versuchen, ihren Kunden maßgeschneiderte Lösungen anzubieten. „Deshalb ist für unser Team kein Tag wie der andere.“

Die Corona-Krise hat die Versorgung alter und kranker Menschen daheim enorm erschwert: Ambulanten Pflegediensten in Bayern geht die Schutzkleidung aus, zudem fehlen Pflegekräfte aus Osteuropa. „Die Mitarbeiter von Pflegediensten gehören oft zu den letzten regelmäßigen sozialen Kontakten, die Senioren überhaupt noch haben“, sagt Warkus.

Gerade in Zeiten des „Social Distancing“ und des Abstandhaltens sei das eine schwierige Gratwanderung: Die Pflegekräfte wollen für ihre Klienten da sein, ohne dabei ihre eigene Gesundheit oder die ihrer Schützlinge zu gefährden, wenn sie Medikamente verabreichen oder Verbände wechseln. „Dass man bei der Arbeit einander sehr nah kommt, lässt sich auch in Corona-Zeiten nicht vermeiden“, stellt Sandra Wein fest.

Doch Händeschütteln, in den Arm nehmen, durch Körperkontakt Trost und Zuspruch vermitteln, das alles sei im Moment nicht möglich. Natürlich müssen die strengen Hygienevorschriften eingehalten werden, „aber haben Sie schon mal versucht, als Brillenträger mit Mundschutz jemanden zu duschen?“

Trotz der erschwerten Bedingungen wirken die Mitarbeiterinnen des Wessobrunner Pflegedienstes entspannt und optimistisch. Die Leiterin hofft, dass alle im Team gesund bleiben und weiter für ihre Klienten da sein können. Sie zeigt auf einen dicken Ordner mit Notfallplänen, „die wir zum Glück bisher nicht gebraucht haben“. Allein die aufwendige Dokumentation nehme sehr viel Zeit in Anspruch.

Zur aktuellen Situation sagt Sebastian Froese, stellvertretender Geschäftsführer beim Bundesverband Ambulante Dienste und Stationäre Einrichtungen: „Wir halten es dringend für geboten, gesetzliche und leistungsrechtliche Vorgaben auf Ihre Wirksamkeit hin zu prüfen und dort, wo es angezeigt ist, frühzeitig und temporär bis zur Besserung der Gesamtsituation bestehende Regelungen teilweise auszusetzen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.“

Warkus bedauert, dass der notwendige Mundschutz kein Lächeln und keine Mimik erkennen lässt. „Außerdem versteht man einander schlechter, obwohl das Gespräch für unsere Schützlinge sehr wichtig ist.“

Individuelle Pflege sei eben keine Fließbandarbeit, sondern auch für die Angehörigen eine wertvolle Hilfe und Entlastung. Die Pflegedienstleiterin ist gerontopsychiatrische Fachkraft und staatlich geprüfte Kinderpflegerin; ebenso wie ihre Tochter vertieft sie ihr Wissen laufend durch Fortbildungen. „Denn die Gesetze und Regeln im Gesundheitswesen ändern sich ja ständig.“ Neben medizinischer Versorgung bietet der Wessobrunner Dienst viele weitere Hilfen an. Das reicht vom Einkaufen über Spaziergänge bis zum spielerischen Gedächtnistraining. Als „Mitarbeiterin“ fungiert auf besonderen Wunsch Hundedame „Blue Melody“, auf die sich viele Senioren freuen.

Peter Stöbich

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Weilheim bekommt eine weitere Fahrradstraße
Weilheim bekommt eine weitere Fahrradstraße
Straße bei Sindelsdorf stundenlang gesperrt: Polnischer Laster rammt Traktor
Die B472 war am Donnerstagabend stundenlang gesperrt. Grund war ein schwerer Unfall.
Straße bei Sindelsdorf stundenlang gesperrt: Polnischer Laster rammt Traktor
Fußballer aus Peißenberg müssen Vorwiesn absagen
Es sollte ein kleines Jubiläum für die Mitglieder der Fußballabteilung des TSV Peißenberg werden: Heuer hätte die Abteilung im Herbst zum zehnten Mal zur Vorwiesn in die …
Fußballer aus Peißenberg müssen Vorwiesn absagen
Kehrtwende in Huglfing: Doch Planung fürs Bahnhofsumfeld
Kehrtwende in Huglfing: Die Planung für das neue Bahnhofsumfeld soll jetzt doch auf den Weg gebracht werden. Grund ist ein hoher Zuschuss der Städtebauförderung.
Kehrtwende in Huglfing: Doch Planung fürs Bahnhofsumfeld

Kommentare