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Forst

Radler bringt Milchlaster-Fahrer vor Gericht

Wegen Nötigung saß ein Kraftfahrer aus Schongau auf der Anklagebank des Weilheimer Amtsgerichtes. Ein Radfahrer hatte ihn angezeigt, weil er angeblich bewusst nah und aggressiv an ihn vorbeigefahren sein soll. Der Kraftfahrer kämpfte gegen ein drohendes Fahrverbot – mit Erfolg

Schongau/Forst – Der Vorfall passierte im März in St. Leonhard in Forst. Der 42-jährige Radler war auf einem Sonntagsausflug mit seinen Eltern unterwegs. Schließlich traf das Trio auf den Angeklagten, der mit seinem Milchlaster aus einer Hofeinfahrt fahren wollte und zuerst die Radfahrergruppe vorbeifahren lassen musste. „Er sah schon grimmig aus“, sagte die Mutter des Radfahrers und vermutete, dass der Angeklagte sauer war, dass er arbeiten musste, während sie einen Sonntagsausflug machten. Sie wollte damit das angeblich aggressive Fahrverhalten des Kraftfahrers erklären. Für den Verteidiger waren das irrelevante Mutmaßungen.

Die Mutter und der Vater konnten sich zwar an ein enges Überholmanöver seitens des Milchlasters erinnern, nachdem er aus der Hofeinfahrt herausgefahren war. Auch daran, dass ihr Sohn und der Kraftfahrer angehalten und sich einen heftigen verbalen Schlagabtausch geliefert hatten. Aber dass beim erneuten Losfahren der Angeklagte absichtlich in die Richtung des anfahrenden Radfahrers lenkte, konnten weder der Vater noch die Mutter bestätigen. „Aber wenn das mein Sohn ausgesagt hat, stimmt das“, meinte die Mutter. „Sie sollen nur aussagen, an was Sie sich erinnern können“, entgegnete die Vorsitzende Richterin Karin Beuting.

Der ungarische Kraftfahrer erklärte in gutem Deutsch, aber auch mit Unterstützung des Dolmetschers, warum es den Anschein haben könnte, dass er beim Anfahren nach links geschwenkt sei: „Die Milch schwappt in dem Behälter hin und her, und das Heck schwenkt dann anders aus, als man eingelenkt hat“, sagte er. So ein Milchlaster sei schwieriger zu fahren als andere Lastwagen.

Das Gericht schlug eine Einstellung des Verfahrens vor und verzichtete auch auf die Verhängung eines Entzugs des Führerscheins für drei Monate. Ein Fahrverbot hätte fatale Folgen für den Berufskraftfahrer bedeutet.

Zähneknirschend willigte er schließlich in die Einstellung des Verfahrens ein. Wenn das in Zustimmung mit der Staatsanwaltschaft passiert, ist das immer mit einer Geldauflage verbunden. Der Beschuldigte gilt zwar nicht als vorbestraft, muss aber teilweise empfindliche Summen zahlen – beim Kraftfahrer waren es 1500 Euro, die er an die Kreisverkehrswacht Weilheim zahlen muss.

Eine Schulklasse mit angehenden Landwirten, die das Verfahren verfolgt hatte, schüttelte kollektiv den Kopf: „Es ist doch gar nichts passiert, und da muss einer so viel Geld zahlen“, sagte einer.

Regina Wahl-Geiger

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