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Todesdrohung im Drogenrausch - 87-jähriges Opfer leidet bis heute

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Das Landgericht München II verhängte eine hohe Haftstrafe (Symbolbild).
Obwohl der Täter aufgrund seines Drogenkonsums nicht schuldfähig ist, muss er sich gegen Vollrausches vor Gericht verantworten . © Imago

Seit Mittwoch muss sich ein 34-Jähriger aus Dießen vor dem Münchner Landgericht verantworten. Er soll im Drogenrausch mit Tötungsvorsatz auf eine 87-jährige Frau auf deren Terrasse in Wessobrunn eingeschlagen haben.

Wessobrunn/München – Obwohl die Staatsanwaltschaft von Schuldunfähigkeit des Mannes ausgeht, hat sie Anklage erhoben: Allerdings nicht wegen versuchten Totschlags, sondern wegen Vollrausches.

Sie sei sehr nervös, sagt die rüstige 87-Jährige, als sie sich auf den Zeugenstuhl setzt. Es sei ein schöner Sonntag gewesen, der 10. Mai des vorletzten Jahres. Den Nachmittag habe sie auf der Terrasse ihres Hauses am Ortsrand von Wessobrunn verbracht, erinnerte sich die frühere Lehrerin. Als sie gegen 19 Uhr auf dem Sprung ins Haus gewesen sei, sei der Angeklagte durch das Gartentor auf ihr Grundstück gekommen. „Hier ist kein Durchgang“, habe sie ihn zurechtgewiesen. Der 34-Jährige sei jedoch „wie ein Roboter stur weitergegangen“.

Unvermittelt habe der Angeklagte sie an ihrer Jacke gepackt, „von der Terrasse runtergezogen“ und auf sie „ununterbrochen mit beiden Fäusten eingeboxt und getreten“. Um sich zu wehren, habe sie „zurückgeboxt“ und dem Angeklagten ein Bein gestellt. Die Zeit, die der Mann gebraucht habe, um wieder auf die Beine zu kommen, habe sie – trotz ihrer damaligen Gehbehinderung – nutzen können, um sich zur Haustür zu schleppen.

Fremder außer Rand und Band - Rettung in allerletzter Sekunde

Der Angeklagte habe unentwegt gerufen: „Du alte Hexe. Ich mach’ Dich jetzt hin“. Als sie ihm im Hauseingang liegend in die Augen geschaut habe, sei ihr klar gewesen: „Der bringt mich um“. Nach einem Tritt gegen den Angeklagten habe sie dann jedoch die „Haustüre zuklatschen und den Schlüssel umdrehen können“.

Damit aber nicht genug: Der Angeklagte habe von außen gegen die Haustüre getreten und mit ihren Krücken das Türglas eingeschlagen. In ihrer Angst sei sie in eine versteckte Kammer ihres Hauses geflüchtet. Von dort die Polizei zu verständigen, sei ihr aber nicht gelungen: „Kein Empfang“, beschwerte sich die alte Dame.

Etwa eine halbe Stunde habe es gedauert, bis sie befreit wurde, gab die 87-Jährige an. Bereits auf der Terrasse habe sie um Hilfe gerufen. Laut Anklage haben dies Nachbarn gehört. Wenige Minuten später konnte der 34-Jährige von der Polizei festgenommen werden. Gegen seine Festnahme soll er sich heftig gewehrt, einen Polizisten leicht verletzt und einen anderen bespuckt haben.

Die Schmerzen vergehen, die Angst bleibt

Die alte Dame hatte Glück im Unglück: Laut Anklage hat sie zwar ein Schädel-Hirn-Trauma und einen Nasenbeinbruch erlitten – jedoch ohne Spätfolgen. Lediglich ihr Auge mache noch Probleme, beklagte sich die 87-Jährige. Offenbar konnte der Sachverständige dafür aber keine Anhaltspunkte feststellen. Außerdem habe sie Schlafstörungen, könne „nicht mehr alleine zum Gartentor gehen“ und halte nun ständig einen Schürhaken griffbereit, um sich gegen ungebetene Eindringlinge verteidigen zu können.

Angeklagter sagt nichts, sondern lässt seinen Anwalt reden

Der Angeklagte wollte sich zu den Vorwürfen am Mittwoch nicht äußern. Über seinen Verteidiger ließ er erklären, dass er die „Verantwortung übernimmt“. Es tue ihm „unendlich leid“. Zur Wiedergutmachung hat er 2000 Euro angezahlt.

Im Vorfeld des Prozesses hatte der 34-Jährige einer Psychiaterin gegenüber angegeben, am Tattag und den beiden Tagen zuvor Cannabis geraucht zu haben. Erstaunlich ist, dass das Cannabis trotz relativ geringer Menge offenbar Halluzinationen hervorgerufen hat. Auch wenn der Angeklagten drogenbedingt wohl schuldunfähig war, kommt eine Verurteilung in Betracht. Gemäß Paragraf 323a des Strafgesetzbuches macht sich nämlich strafbar, wer sich vorsätzlich oder fahrlässig berauscht und im schuldunfähigen Zustand eine Straftat begeht. Die Verhandlung wird fortgesetzt. Von Andreas Müller

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