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Trügerische Idylle: Das Wasser an der weltberühmten Copacabana ist laut Dirk Lademann (hier mit seiner Frau Lisa) derart verschmutzt, dass Schwimmen dort mittlerweile verboten sein müsste.

Dirk Lademann berichtet aus Brasilien 

„Das Volk leidet unter Olympia“

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Forst - Der ehemalige Forster Dirk Lademann lebt zeitweise in Brasilien. Er berichtet von schlimmen Zuständen in Rio. 

 Die Bilder, die über die Mattscheibe flimmern, machen nicht gerade Appetit auf die Olympischen Sommerspiele in Rio, die am kommenden Freitag eröffnet werden: Korruption bei der Vergabe für die Olympiastätten, Umweltskandale, Pannen im olympischen Dorf, eine nicht funktionierende U-Bahn. „Das, was im Fernsehen zu sehen ist, ist eher noch untertrieben“, sagt Dirk Lademann. Die Lage sei noch viel schlimmer: „Es ist grausam.“ Lademann muss es wissen: Der 69-Jährige ehemalige Berufsschullehrer, der früher in Huglfing und Forst gelebt hat, verbringt seit seiner Pensionierung vor sieben Jahren etwa die Hälfte des Jahres in Brasilien. Zusammen mit seiner Frau Lisa besitzt er ein Haus im atlantischen Regenwald, etwa 140 Kilometer nordöstlich von Rio de Janeiro gelegen.

Regelmäßig besuchen die Lademanns die Olympiastadt, zuletzt waren sie dort im vergangenen Mai. Von Vorfreude auf die Spiele sei „überhaupt nichts“ zu spüren gewesen, so der 69-Jährige. Als besonders schlimm bezeichnet er die Situation in der Bucht von Rio, wo die Segel-Wettbewerbe über die Bühne gehen werden. „Wenn Ebbe herrscht, sieht man den ganzen Schlamm und Dreck. Das ist ganz fürchterlich, was da alles rumschwimmt.“ Das Ganze sei ein Skandal, „warum gehen die nicht aufs offene Meer?“, fragt sich Lademann. Verschmutzt sei das Wasser aber auch an anderen Stellen in Rio: „An der Copacabana dürfte man eigentlich auch nicht mehr schwimmen.“ Und hätte der brasilianische Staat nicht mit einer Finanzspritze von umgerechnet etwa 750 Millionen Euro ausgeholfen, wären laut Lademann die Olympiastätten gar nicht fertig geworden. Im Grunde sei Rio de Janeiro pleite, „Olympia ist kein Segen für die Stadt“, so der 69-Jährige.

Der Widerstand in der Bevölkerung sei nicht zu übersehen. Zu einem Debakel entwickelt sich Lademann der Fackellauf. In vielen Orten laufen die Träger der olympischen Flamme durch menschenleere Straßen. Einmal habe eine Gruppe sogar versucht, das Feuer zu löschen. Die Verbitterung der Menschen kann Lademann verstehen, denn „das Gesundheits- und das Bildungssystem sind völlig am Boden“.

Das hat der 69-Jährige auch am eigenen Leibe erfahren müssen. Wegen einer Ohrenentzündung wollte er sich in Rio behandeln lassen. In den beiden Krankenhäusern, die er aufsuchte, streikte jedoch das Personal, weil es seit zwei Monaten kein Gehalt mehr bekommen hatte. Schlussendlich ließ sich Lademann privat und auf eigene Rechnung behandeln. „Das Volk leidet richtig unter Olympia“, sagt Lademann. Alles sei teurer geworden, die Geldentwertung schreite rapide voran. Während der Spiele erwartet er eine „schöne Stimmung“, allein schon deswegen, weil sich die Brasilianer ihre Lebensfreude nicht nehmen ließen, wie er berichtet. Doch irgendwann herrscht wieder Alltag: „Nach Olympia ist wieder Totentanz“, so Lademann.

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