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Eine Insel hat der Bagger aufgeschüttet. Rechts und links von ihm sind Pfützen, in denen Frösche gelaicht haben. Im Hintergrund ist der Mönch zu sehen, der zur Regulierung des Wasserablaufs eingebaut wurde. 

Weiher in der Laichzeit abgelassen

„Hier geht’s ums Überleben“

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Ein Weiher in Haid wurde mitten in der Laichzeit von Kröten und Fröschen saniert. Darüber ist die Familie Papenfuß verärgert.

Da war noch Wasser drin: der Weiher vor der Sanierung.

Wessobrunn – Mit Gummistiefeln an den Füßen und einem Eimer in der Hand läuft Renate Papenfuß ein paar Meter in den Schlamm. Ab und an versinkt sie einige Zentimeter. Immer wieder schüttelt sie den Kopf. Im Oktober wurde aus dem Weiher, der rechts der Straße von Wessobrunn nach Haid liegt, das Wasser abgelassen, um ihn zu sanieren. Nur Pfützen blieben übrig, in denen nun fußballgroße Laichballen von Fröschen schwimmen. Auf manchen zeichnen sich schwarze Punkte ab – die Kaulquappen schlüpfen. „Das ist jetzt schon die zweite Katastrophe hier“, schimpft sie. „Hier geht’s ums Überleben“, sagt ihr Mann Klaus Papenfuß, der von 1996 bis 2002 Bürgermeister war. Beide hoffen, dass sich das Wasser im Weiher schnell wieder sammelt. Die Sanierung des Gewässers, die die Gemeinde zu verantworten hat, sehen sie kritisch: „Das war ein Biotop, das kastriert wurde“, sagt Klaus Papenfuß.

Schon beim Weiher auf der anderen Straßenseite sei vieles zerstört worden. „Das war ein Froschparadies“, erinnert er sich. „Jetzt ist es ein ganz anderer Weiher.“ Dass nun auch das Gewässer nebenan das gleiche Schicksal ereilt hat, ärgert das Ehepaar. In der vergangenen Woche trug es – teils auch nachts – Frösche und Laich zum bereits sanierten Weiher, damit sie genug Wasser haben.

Verärgert ist aber auch Bürgermeister Helmut Dinter – und zwar über das Verhalten der Eheleute Papenfuß. „Am liebsten hätte ich ihnen ein Betretungsverbot erteilt“, schimpft Dinter. „Wir haben extra Pfützen stehen lassen. Den Kaulquappen und dem Laich wäre nichts passiert.“ Die Ballen rüberzutragen sei „eine katastrophale Technik“.

Laut Dinter ist die Sanierung der Weiher dringend erforderlich gewesen – sie sollen mehr Wasser fassen können, um als Hochwasserschutz zu dienen. „Pfingsten kommt“, sagt er. Deshalb habe Schlamm aus dem Weiher herausgebaggert werden müssen. Zudem wurde der Damm Richtung Haid vergrößert. In diesen haben die Arbeiter einen sogenannten Mönch eingebaut – damit kann der Wasserstand reguliert werden. Für die Arbeiten wurden rund um den Weiher Bäume und Sträucher abgeholzt. „So viel, dass man zwischendrin mit dem Bagger durchkommt“, sagt Dinter. „Da war ohnehin einiges an Totholz drin.“

Eigentlich sollte das Ausbaggern bereits im vergangenen Jahr passieren. Doch es kam zu Verzögerungen. Zum einen wegen des Wetters. Und auch wegen der Familie Papenfuß, behauptet Dinter. „Sie haben die Arbeiten letztes Jahr vier Wochen blockiert. Deshalb sind wir nicht fertig geworden“, sagt er.

Das Ehepaar hatte im Oktober Teichmuscheln aus dem Weiher gerettet. Zwar wurden auch einige von den seltenen Tieren auf Dinters Anweisung hin umgesetzt, allerdings blieben viele Muscheln im Schlamm liegen. Renate Papenfuß schätzt, dass sie und ihr Mann rund 300 Tiere gerettet haben. „Da fehlte es bei der Gemeinde an gutem Willen. Selbst nach drei Wochen haben wir im Schlamm noch lebende Tiere gefunden“, sagt sie. Ihr Mann bestätigt: „Die hat man verrecken sehen.“

Dinter betont, stets in Absprache mit den Behörden gearbeitet zu haben. Das Wasserwirtschaftsamt teilt dazu mit, dass „eine Sanierung des Weihers aus wasserwirtschaftlicher Sicht notwendig war“ und dem Hochwasserschutz diene. In puncto Naturschutz verweist es ans Landratsamt. Dessen Pressesprecher Hans Rehbehn bestätigt, dass es Absprachen und Ortstermine gab. Mit dem Ausbaggern sollte die Gemeinde „allerdings rechtzeitig anfangen, sodass die Amphibien noch nicht unterwegs sind“, sagt Rehbehn. Die Verzögerung „war ein Stück weit nicht in Ordnung“. Als dann der Anruf von Renate Papenfuß beim Landratsamt kam, habe man ihr genehmigt, Tiere und Laich in den anderen Weiher zu bringen. Zudem sei eine Mitarbeiterin der Behörde wenige Tage später in Haid gewesen. „Die Pfützen hätten ausgereicht, damit die Tiere überleben“, sagt Rehbehn.

Mittlerweile sind die Arbeiten an dem Gewässer größtenteils abgeschlossen, der Wasserspiegel steigt. Die Ruhe kehrt zurück. Die Natur bekommt den Weiher wieder.

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