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Was wird aus dem Klostergut in Wessobrunn?

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Von: Roland Halmel

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Das Klostergut Wessobrunn.
Ein Teil des Klosterguts Wessobrunn. © Ruder

Anfang Juni gab die Gemeinde Wessobrunn bekannt, dass sie das vor vier Jahren in Erbpacht übernommene Klostergut wieder abgeben möchte.

Wessobrunn – „Noch ist vom Gemeinderat nichts entschieden“, meinte Bürgermeister Georg Guggemos bei der Begrüßung der rund 40 Anwesenden, darunter fast das komplette Ratsgremium. Er machte aber deutlich, dass bereits in der nächsten Ratssitzung am heutigen Dienstag eine Entscheidung darüber fallen soll, welcher der beiden Kandidaten den Zuschlag erhält.

Gemeinderat Michael Geburek, der den Arbeitskreis Klostergut leitet, blickte in seiner Einführung auf die letzten Jahre seit dem Abschluss des Erbpachtvertrags mit dem Kloster St. Ottilien, aus dem auch zwei Vertreter in der Mehrzweckhalle weilten, zurück. „Wir haben festgestellt, dass da einiges im Argen liegt“, sagte Geburek, nicht nur mit Blick auf das aufgelaufene Defizit in dieser Zeit von rund 125 000 Euro. „Wir haben uns bei verschiedenen Fachleuten umgehört, was wir machen können, und sind dann zum Schluss gekommen, die Gemeinde hat nicht die Kapazitäten, das zu stemmen“, berichtete Geburek von der Idee eines „Unter-Erbpacht-Verhältnisses“, für das die Gemeinde 50 000 Euro verlangt. „Das gibt der Vertrag mit St. Ottilien auch her“, ergänzte Geburek.

Klostergut Wessobrunn: Konzept mit 40 Wohnungen

Professor Nikolaus von Kraisenberg als Vertreter von „Klostergut Wessobrunn“ stellte das Konzept des neu gegründeten Vereins für das historische Ensemble am nördlichen Ortsrand vor. Neben 40 Wohnungen für rund 100 Menschen sieht es Gemeinschaftseinrichtungen wie einen Hofladen und ein Café vor, und wenn es die Gemeinde wünscht, auch einen Kindergarten. Daneben sollen Künstler und Handwerker wie bisher dort ihre Heimat finden.

Geplant ist zudem eine solidarische Landwirtschaft auf den angrenzenden Grünflächen sowie eine eigenständige Energiezentrale. „Wir werden dazu eine gemeinnützige GmbH gründen, vielleicht gibt es irgendwann eine Stiftung“, blickte von Kraisenberg voraus.

Für die verschiedenen Einzelteile des etwa 18 Millionen Euro teuren Konzepts, aus dem ein sich finanziell tragendes Projekt ergeben soll, hat der Verein laut dem Professor viele Experten zur Hand, „die alle so etwas schon mal gemacht haben“.

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Klostergut Wessobrunn: Zweiter Interessent fokussiert sich mehr auf die Wohnnutzung

Der zweite Interessent für das Klostergut, die „Maro Genossenschaft“, fokussiert sich bei seinem Konzept mehr auf die Wohnnutzung, wie Vorstand Martin Okrslar bei seiner Präsentation ausführte. „Wir setzten auf lebende Gemeinschaften, die sich gegenseitig unterstützen“, beschrieb Okrslar die Genossenschaftsidee, die günstigen Wohnraum in ähnlicher Größenordnung wie der Verein im Klostergut schaffen möchte. „Wir wollen aber auch die Kunst erhalten und ausbauen, Feste und Veranstaltungen sollen dort auch weiter stattfinden können“, so Okrslar, der das Projekt mit circa 44 Wohnungen in zwei Bauabschnitten umsetzen will.

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Martin Okrslar von der  „Maro Genossenschaft“ ist einer der Interessenten, die das Klostergut in Wessobrunn übernehmen möchten. © Halmel

Auf 18 bis 24 Millionen Euro bezifferte er die Kosten für die Sanierung, die Maro zusammen mit einem erfahrenen Planungsbüro, die den Bestand soweit möglich erhalten will, umsetzen will. Dafür sind die Genossen auch bereit, für die Erbpacht etwas tiefer als der Verein in die Tasche zu greifen. „Die Maro hat 60 000 Euro geboten“, berichtete Guggemos, der bei beiden Konzepten die Ziele der Gemeinde für das Klostergut als erfüllt sieht.

Bei der Fragerunde ging es unter anderem darum, inwieweit die Infrastruktur der Gemeinde ein Wachstum um 100 Bürger verträgt und um die Zeitschiene. Beide Interessenten rechnen frühestens Anfang 2024 mit dem Baubeginn. Eine aus dem Plenum angeregte Bürgerbeteiligung bei der Vorgehensweise, die das Vorhaben verzögern würde, bekam eine deutliche Abfuhr. „Der Gemeinderat macht sich, seitdem er im Amt ist, darüber Gedanken und das zu entscheiden, dafür ist er auch gewählt“, sagte Guggemos zum Abschluss der rund zweieinhalbstündigen Versammlung.

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