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Expertin für gutes Benehmen: Brit-Antje Wittwer ist im Vorstand der Deutschen Knigge-Gesellschaft. 

Business Etikette für Mitarbeiter und Führungskräfte

Knigge-Expertin über Benimmregeln im Büro: „E-Mails mit drei Ausrufezeichen sind tabu“

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Welche Verhaltensregeln gelten nach einer feucht-fröhlichen Betriebsfeier – und ist es noch zeitgemäß, einer Arbeitskollegin die Tür aufzuhalten? Eine Trainerin für Business Etikette gibt Auskunft. 

Brit-Antje Wittwer aus Wessobrunn ist im Vorstand der Deutschen Knigge-Gesellschaft. Sie ist nicht nur Expertin für gutes Benehmen, sondern gibt ihr Wissen auch als Trainerin für Business Etikette an Mitarbeiter und Führungskräfte weiter. Im Gespräch erklärt sie, welche Benimmregeln nie aus der Mode kommen – und warum sie das Arbeiten sogar einfacher machen.

Frau Wittwer, welches Verhalten empfinden Sie im beruflichen Umfeld als besonders unhöflich?

Hierarchische Verhaltensweisen. Etwa, wenn sich zwei Chefs und ein Mitarbeiter in einem lockeren Gespräch befinden und plötzlich ein Chef zum anderen sagt: „Lass uns mal über wichtige Dinge sprechen.“ Genauso, wenn jemand während einer Unterhaltung mit dem Kollegen die Augen über die Gruppe wandern lässt, ob es nicht jemanden im Raum gibt, mit dem ein Gespräch karrierefördernder wäre – und das Gegenüber dann anstandslos stehen lässt.

Was können Vorgesetzte und Angestellte bei Ihren Seminaren und Vorträgen lernen?

Es geht um Techniken des Miteinanders. Es ist wichtig zu wissen, wie beispielsweise ein Geschäftsessen abläuft: Wer was wie zu tun hat, folgt einer Choreografie, die sich lange etabliert hat. Gleichzeitig möchte ich auch vermitteln, wie wichtig Wahrnehmung und Wertschätzung für einen guten Umgang miteinander sind. Wenn ich mich in den Anderen hineinversetze und Verständnis für seine Situation entwickle, entsteht eine Zusammenarbeit auf hohem Niveau.

Wie kommen die Veranstaltungen bei den Teilnehmern an?

Ich höre oft, dass sie ihnen eine Tür geöffnet haben. Nicht nur zu einem souveränen Auftritt im Umgang mit Geschäftspartnern, sondern auch für ihr privates Leben. Viele sind außerdem überrascht, was kleine Verhaltensänderungen bewirken: Wenn in E-Mails ab sofort Sätze mit drei Ausrufezeichen tabu sind und stattdessen öfter mal das Wort „Bitte“ verwendet wird. Oder wenn man sich erst nach dem Befinden des Kollegen erkundigt, bevor man ihn mit neuen „To-Dos“ überfällt. So erreicht man eine positive Grundstimmung, die das Arbeiten leicht macht.

Gibt es Knigge-Regeln für die Arbeitswelt, die heute als völlig veraltet gelten?

Es gab in Deutschland eine Zeit, in der ein Büroleiter ein kleiner König war. Die Mitarbeiter hatten sich unterwürfig zu zeigen, behutsam an die Tür zu klopfen und nicht zu widersprechen. Glücklicherweise ist das vorbei.

Welche Regeln kommen dagegen nie aus der Mode?

Privates und Dienstliches nicht zu vermischen, ist meines Erachtens ein zeitloses Prinzip. Auch in Zeiten eines zunehmend legeren Umgangs darf man nicht glauben, der Vorstandschef sei nach einer feucht-fröhlichen Betriebsfeier tatsächlich zum dicksten Freund geworden. Die Verhaltensempfehlung nach solchen alkoholbedingten Fehltritten ist im Übrigen klar: Man tut so, als hätte das Ganze nie stattgefunden.

Auch in der Arbeitswelt hat sich das Frauenbild in den vergangenen Jahrzehnten stark gewandelt. Nicht mehr nur Männer haben Führungspositionen inne. Muss sich dadurch der Verhaltenskodex ändern?

Im beruflichen Umfeld gilt das Prinzip der geschlechtlichen Neutralität. Es darf keine Rolle spielen, ob ein Meeting von einem Mann oder einer Frau geleitet wird, oder ob der Gastgeber bei einem Geschäftsessen männlich oder weiblich ist. Hier hat es schnell etwas Diskriminierendes, in alte Rollenbilder zu verfallen.

Dann ist es nicht mehr zeitgemäß, der Kollegin in den Mantel zu helfen oder die Tür aufzuhalten?

Unsere Manieren beruhen auf der bis ins Mittelalter reichenden Vorstellung der Frau als „Dame“: Ein zerbrechliches und schützenswertes Geschöpf, das männlichen Beistand braucht. In der Arbeitswelt empfindet man solche Gesten der Ritterlichkeit jedoch leicht als dominantes Auftreten. Wenn jedoch Kollegen schon zwanzig Jahre im gleichen Büro arbeiten und sich der Brauch ergeben hat, einer älteren Mitarbeiterin zum Feierabend in den Mantel zu helfen, ist nichts dagegen einzuwenden.

Beim Thema „Duzen und Siezen“ tritt man schnell ins Fettnäpfchen. Welche Verhaltenstipps helfen?

Junge Leute gehen mit diesem Thema heute leider sehr entspannt um. Jeder, dem sie begegnen, wird sofort geduzt. Grundsätzlich gilt immer noch, dass man sich zunächst einmal siezt. Dem Ranghöheren ist erlaubt, dem Anderen das „Du“ anzubieten. In Unternehmen ohne offizielle Regelung bleibt einem nichts anderes übrig, als sich durch die Untiefen des „Sie“ und „Du“ hindurchzuschiffen. Hier sind Taktgefühl und gute Sozialkompetenz gefordert.

Selbstüberzeugtheit und Durchsetzungsvermögen kommen bei vielen Arbeitgebern gut an. Stehen diese Eigenschaften im Widerspruch zu einem höflichen Miteinander?

Es kommt, wie immer, auf das Maß an. Ein Mitarbeiter, der über gute Qualifikationen verfügt, darf auch selbstbewusst sein. Das sogenannte Durchsetzungsvermögen halte ich für einen Fetisch aus vergangenen Zeiten. Der Grat zur Rücksichtslosigkeit ist schmal. Gute Unternehmen haben verstanden, dass es nicht darum geht, die Mitarbeiter in einen Wettbewerb gegeneinander zu stellen, sondern den Teamgedanken zu fördern.

Ob im beruflichen oder privaten Umfeld: Sollten wir uns mehr mit gutem Benehmen auseinandersetzen?

Heute wird die Sinnhaftigkeit guten Benehmens kurioserweise oft infrage gestellt. Doch gerade in schwierigen Situationen macht es einen Unterschied, ob man höflich bleibt oder nicht. Stehe ich beispielsweise zur Rush Hour an der Supermarktkasse und es bildet sich eine lange Schlange, weil die alte Dame vorne ihr Kleingeld zählt, heize ich die Situation noch an, wenn ich genervt mit den Augen rolle und böse Bemerkungen mache. Ich kann aber auch gelassen bleiben – und schauen, ob ich der Dame vielleicht sogar behilflich sein kann. Achtsam und unterstützend miteinander umzugehen, ist Teil eines guten Lebens.

Interview: Marion Neumann

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