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Fast täglich kommt die Polizei: Familie lebt in Angst vor ihrem Nachbarn

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Von: Kathrin Hauser

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Familie Gerg aus Wessobrunn überlegt sich inzwischen gut, ob Gespräche oder Arbeiten im Freien wirklich sein müssen.
Familie Gerg aus Wessobrunn überlegt sich inzwischen gut, ob Gespräche oder Arbeiten im Freien wirklich sein müssen. © Ralf Ruder

Mehrere Jahre schon sorgt ein Mann in Wessobrunn für Unfrieden. Derzeit lebt er in einer Notunterkunft der Gemeinde und tyrannisiert sein Umfeld. Jetzt wird nach einer Lösung gesucht.

Wessobrunn – Inzwischen gibt es einige in Wessobrunn, die den Tag verfluchen, an dem der Mann in ihr Dorf gekommen ist. Damals erkundigte er sich auf einem Bauernhof nach einer Bleibe für ein paar Wochen. Eine Landwirtsfamilie bot ihm ein kleines Appartement zur Miete an. Er sagte zu und blieb – mehrere Jahre. Ohne Miete zu bezahlen. Jeder Versuch, ihn zum Auszug zu bewegen, scheiterte. Der Mann wurde gebeten zu gehen, er wurde dazu aufgefordert, es wurden Anwälte eingeschaltet. Er blieb.

Gemeinde verhindert Obdachlosigkeit – Mann zieht in Notunterkunft

Schließlich, nach mehreren Jahren, in denen der ungebetene Gast keinen Cent Miete bezahlte und der Familie dafür das Leben zur Hölle machte, gelang es mithilfe eines Gerichtsvollziehers, den Mann vom Hof zu schaffen.

Doch damit wurde das Problem nicht gelöst, sondern nur verlagert. Wie der Wessobrunner Bürgermeister Georg Guggemos sagt, muss die Kommune in so einem Fall tätig werden, damit eine Obdachlosigkeit verhindert werden kann. „Die Gemeinde ist für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zuständig und muss in so einem Fall eine Notunterkunft zur Verfügung stellen“, erläutert der Bürgermeister. Denn Obdachlosigkeit stelle eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung dar.

Die Gemeinde Wessobrunn hat eine Notunterkunft bereitgestellt, wo der Mann nun seit rund eineinhalb Jahren untergebracht ist. Zunächst sei noch alles friedlich gewesen, erzählt Sabine Gerg, die mit ihrer Familie in einem Haus wohnt, das gegenüber der Notunterkunft liegt. Sabine Gerg ist vom Fach, sie arbeitet mit Obdachlosen und hat den neuen Nachbarn zu Beginn freundlich willkommen geheißen, ihm einen Kuchen vorbeigebracht, ihm Hilfe angeboten.

Nachbar tyrannisiert Familie: Polizei kommt fast täglich

Dann wurde es Frühling und die Gergs haben sich mehr im Freien aufgehalten, hatten die Fenster öfter geöffnet, haben im Garten gearbeitet. Plötzlich habe die Polizei bei ihnen geklingelt, erzählt Sabine Gerg. Der Mann von gegenüber habe diese alarmiert– weil er sich durch den Lärm belästigt fühlte.

Seitdem gehören die Besuche der Polizei zum Alltag der Familie, wie Sabine Gerg erzählt: Neulich habe sie beim Fensterputzen das Radio angemacht. Es habe zwei bis drei Lieder gedauert und die Polizei sei vor der Tür gestanden. „Es ist eine Katastrophe. Wir haben kein Leben mehr.“ Der Mann habe die Polizei gerufen, weil ihre Familie für seinen Geschmack zu laut gelacht oder sich unterhalten habe, weil ihn Musik oder das Geräusch des Ausklopfens von Fußmatten gestört hätten.

Auch wenn sie und ihre Familie in Wessobrunn verwurzelt seien, würden mittlerweile einige Mitbürger misstrauisch: „Die Leute fragen mich, was denn die Polizei dauernd bei uns macht“, sagt die Wessobrunnerin. Alle Versuche, mit dem Mann zu reden und die Situation zu klären, seien von diesem abgeblockt worden. Ein Mal sei einer ihrer drei Söhne so von ihm geschubst worden, dass er sich an der Schulter verletzte. Bei jedem Grillabend, jeder Familienfeier, allen Reperaturarbeiten schwingt immer die bange Frage mit, ob und wann die Polizei auftaucht.

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Mann in Notunterkunft tyrannisiert Nachbarschaft: Aus für den Kindergarten-Bolzplatz

Zu dem konkreten Fall in Wessobrunn könne er nichts sagen, so der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Weilheim, Boris Netschajew. Aber er könne bestätigen, dass die Polizei schon nach Wessobrunn ausgerückt sei, weil es Beschwerden gegeben habe. Wenn seine Kollegen oder er merken, dass „Ein- und Derselbe wegen jedem Mist anruft, dann werden wir unseren Enthusiasmus bremsen“, sagt Netschajew. Die Polizei lasse sich nicht missbrauchen.

Ruhestörung sei grundsätzlich eine Ordnungswidrigkeit, auf die die Polizei reagieren müsse – auch wenn es sich lediglich um einen Verdacht handele: „Zunächst werden wir darauf dringen, dass die beiden Parteien das Problem selber lösen.“ Wenn eine Lösung nicht möglich sein sollte, werde die Polizei „möglichst zeitnah“ reagieren, so Netschajew.

In der Regel mache ihr Nachbar Filme von Gergs, ihrem Grundstück und ihrem Haus, die er dann an die Polizei schicke, schildert Sabine Gerg. Die Mitglieder der Familie Gerg sind nicht die einzigen, die unter dem Mann in der Obdachlosenunterkunft zu leiden haben. Die Unterkunft ist in der Nähe des Kindergartens. Dort habe es, bis der Mann Ärger gemacht habe, einen Bolzplatz nahe an seiner Bleibe gegeben. „Die Tore wurden abgebaut“, erzählt Gerg: „Der darf alle tyrannisieren und nichts geschieht.“

Schwierige Lage: Die Suche nach einer Lösung dauert an

Obwohl der Mann schon seit Jahren Ärger in Wessobrunn macht, ist es offensichtlich schwer, ihn an einem anderen Ort unterzubringen. Wie Guggemos sagt, hat er sich schon geraume Zeit darum bemüht, eine andere Bleibe außerhalb seiner Gemeinde zu finden. Bislang allerdings erfolglos.

Obwohl nach Auskunft des Bayerischen Gemeindetages inzwischen die Gemeinde nicht mehr zuständig sei, sondern der Landkreis, sei es eine schwierige Lage. Die Gemeinde sei in ständigem Kontakt mit dem Landratsamt und der „Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit“ im Landkreis, um für das Problem eine Lösung zu finden. Es werde weiter daran gearbeitet, so der Bürgermeister.

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