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Rund 100 Interessierte verfolgten in der Mehrzweckhalle die Ausführungen von Bürgermeister Helmut Dinter. 

Bürgerversammlung

Klostergut Wessobrunn: Die Fronten verhärten sich

Die zweite Bürgerversammlung zum Thema „Klostergut“ in Wessobrunn zeigt: Die Schärfe in der Diskussion über die Übernahme nimmt zu.

Wessobrunn – An Fakten gab es wenig Neues bei der zweiten Versammlung innerhalb von zwei Wochen zur Übernahme des Klosterguts durch die Gemeinde Wessobrunn. Bei der durch eine Unterschriftenaktion erzwungenen Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle wurde aber eines deutlich: Die Fronten zwischen Befürwortern und Gegnern verhärten sich.

Bei der vorgegebenen Tagesordnung erläuterte Bürgermeister Helmut Dinter den gut 100 Anwesenden zunächst die Fakten, die es im wesentlichen auch schon vor 14 Tagen zu hören gab: Vertragslaufzeit, Höhe der Erbpacht, Wertermittlung und das Thema „Heimfall“, also was zum Ende des Erbpachtvertrags passiert. Bei der Nutzungsvorstellung der Gemeinde erläuterte Dinter die Überlegungen, im Klostergut zusätzliche Räumlichkeiten für gemeindliche Zwecke zu bekommen, die Zugänglichkeit als Kulturgut zu gewährleisten und die Wohnungen und Ateliers zu sichern. Darüber hinaus brachte der Rathauschef Erweiterungsmöglichkeiten für seniorengerechtes Wohnen und andere soziale Zwecke ins Spiel. Genaueres soll dann ein Arbeitskreis mit einer breiten Bürgerbeteiligung bestimmen.

Die von den Initiatoren der Versammlung geforderte Einschätzung des Projekts durch den Kämmerer gab es nicht, da dies nach Rücksprache des Bürgermeisters mit dem Gemeindetag und dem Landratsamt nicht zulässig sei. Die Fragerunde nach Dinters knapp 50-minütigem Vortrag leitete Georg Guggemos ein, der gerne ein Gutachten über die Folgekosten und auch ein fertiges Nutzungskonzept vor der Vertragsunterzeichnung erstellt haben möchte. „Beim Kloster haben wir es versucht, und dann war es weg“, meinte Dinter zu Letzterem. Die Sanierungskosten, die nach Ansicht einiger Kritiker die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde sprengen könnten, kamen mehrfach zur Sprache.

Auch Gemeinderat Rupert Sedlmayr zeigte sich skeptisch: „Das Ganze ist eine Nummer zu groß für uns.“ Sein Ratskollege Erich Krammer argumentierte ähnlich. „Wenn es uns gehören würde, wäre es etwas anderes“, war Krämmer auch von der Erbpachtlösung nicht angetan. Kritiker Klaus Papenfuß monierte die fehlende Transparenz bei den ersten Gesprächen über das Klostergut – bei denen es vor drei Jahren auch über die Einrichtung von Schulungsmöglichkeiten für Asylbewerber ging – und die aus seiner Sicht zu erwartenden hohen Unterhaltskosten. „Die Bausubstanz dort anzuschauen ist essentiell“, so Papenfuß.

Auch ein Bürgerentscheid kam wie einige weitere Kritikpunkte, die bereits vor zwei Wochen genannt wurden, erneut zur Sprache. Letztlich schloss Dinter die leidenschaftliche Diskussion, bei der sich auch einige Befürworter des Projekts zu Wort meldeten, nach rund zweieinhalb Stunden mit dem Hinweis, das Klostergut sei ein „Rohdiamant, den wir pflegen und weiterentwickeln und damit gleichsam wie einen Diamanten schleifen“. Im Zwiegespräch mit Dinter monierte Papenfuß danach noch die aus seiner Sicht fehlende Abstimmung über das weitere Vorgehen des Gemeinderats. „Ich weiß nicht, was er damit will“, erklärte Dinter auf Nachfrage. Denn aus seiner Sicht habe das Ratsgremium das alleinige Entscheidungsmandat.

Roland Halmel

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