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Sind seit der Geburt ein Team: die Geschwister Theresia Schilcher und Anton Kraus.

Zwillingspaar feiert Geburtstag

Seit 85 Jahren gemeinsam durchs Leben

Ein Zwilling kommt selten allein. So ist es auch bei Theresia Schilcher und ihrem Bruder Anton Kraus. Gemeinsam gehen sie seit 85 Jahren durchs Leben.

Haid – So blickte das Zwillingspaar, witzigerweise auch im Sternzeichen des Zwillings geboren, bei einer Geburtstagsfeier zu Hause mit rund 50 Gästen auf seine gemeinsamen 170 Lebensjahre zurück.

In der gemütlichen Wohnküche erzählen die beiden gerne aus ihrem Leben und ihrem unzertrennlichen Weg. „Wir sind sehr eng miteinander verbunden“, verrät Theresia Schilcher. Sie ist die ältere, kam sie doch ein paar Minuten früher als ihr Bruder in dem Haus, in dem beide noch heute leben, zur Welt. Wenn sie in geschwisterlicher Verbundenheit auch fast alles gemeinsam machten und machen, so gab es doch mal eine Trennung. „Wir konnten nicht in eine Klasse gehen, denn Anton war nicht gesund und so wurde er zwei Jahre später eingeschult“, bedauert seine Schwester.

Beide hatten es nicht leicht im Leben, viel Arbeit wartete schon von Kindesbeinen auf die „Kraus-Zwillinge“ und ihre neun Geschwister, von denen heute nur noch eine Schwester lebt. „Obwohl immer wenig Geld zur Verfügung war, waren wir mit einem Dutzend Kühen schon einer der größten Bauern in Haid“, erzählt Theresia Schilcher. Hunger mussten sie nie leiden, waren sie doch dank der Landwirtschaft Selbstversorger.

Theresia Schilcher ist eine resolute und auch sehr pedantische Frau, die ihren Bruder schon mal zurechtweist, wenn er nicht so will, wie sie sich das vorstellt. Doch der lässt sich das lächelnd gefallen. Resolut musste Theresia in ihrem Leben schon sein, stand sie doch frühzeitig auf eigenen Beinen. Trotz ihrer zwei Kinder trennte sie sich von ihrem Mann, „was in Wessobrunn-Haid schon fast skandalös war“, sagt Enkel Julius Ferg. Damit sie ihre Kinder ernähren konnte, hat sie nicht nur gemeinsam mit ihrem Bruder die Landwirtschaft geführt, sondern ging auch in der Satelliten-Station in der Lichtenau zum Putzen.

Genauso fleißig war ihr Bruder, der ledig blieb. Bis zur Rente war er bei einem Forster Bauunternehmen beschäftigt. „Da haben wir noch mit den Händen die Erde ausgegraben“, erinnert er sich. Und es gibt in Haid kaum ein Haus, wo er nicht am Bau mitgewirkt hat. Während Anton Kraus sehr sparsam ist, leistet sich seine Schwester gern mal was: „Bei Festlichkeiten habe ich mir stets ein neues Kleid gekauft.“

Wenn beide manchmal auch wie „Hund und Katz“ sind und sich streiten, ist alles wieder gut, wenn sie gemeinsam ihre Zeit nutzen. Sie fahren gern nach Weilheim zum Kaffeetrinken oder auch nach Rott. Was die beiden Unzertrennlichen auf keinen Fall versäumen, ist die jährliche Einladung zum Jagdessen.

„Wenn wir zusammen unterwegs sind, meinen die Leute, wir wären ein altes Ehepaar“, sagt Theresia Schilcher schmunzelnd. Kein Wunder – man sieht den einen ja auch (fast) nie ohne den anderen. Für gemeinsamen Urlaub war allerdings nie die Zeit und auch nicht das nötige Geld da. „Aber ich war mit der Pfarrei einmal vier Tage in England. Weil der Ausflug nur für Frauen war, konnte Anton nicht mit“, bedauert Theresia Schilcher.

Was beide rund 53 Jahre gewissenhaft und gerne gemeinsam gemacht haben, war, die Haider Maibaumfahne zu hissen – da war Enkel Julius oft dabei, „hinten im Leiterwagerl hat er geschlafen“, sagt die Oma. Und wenn die Fahne reperaturbedürftig war, hat Theresia Schilcher sie wieder in Ordnung gebracht. Anton ist zudem stolz auf seine Ehrenmitgliedschaft beim Schützenverein, dem er seit 60 Jahren angehört.

Wie einen Sechser im Lotto empfinden es die rüstigen Senioren, noch viel gemeinsam unternehmen zu können und ihrem Ritual zu frönen, dem gemeinsamen Frühstück, egal, ob die Laune gut oder schlecht ist.

Für die Zukunft haben sie keine großen Wünsche. Einfach „weitermachen wie bisher“, ist die Devise der Zwillinge, die geistig und körperlich fit sind. Nur zu Fuß in die Kirche nach Wessobrunn zu gehen, das klappt nicht mehr. „Jetzt fahren wir halt mit dem Auto“, sagt Theresia Schilcher. Und dann haben beide, die ihren Haushalt noch selbst versorgen, einen großen Halt in der Familie. In ihrem Elternhaus mit Anbau in Haid leben drei Generationen. „Und in unserem Haus wird es nie langweilig, da ist immer etwas los“, sagt die Zwillingsschwester.

Inge Beutler

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