Wetterrückblick

Nur der November 1852 war noch wärmer

Hohenpeißenberg – Der November war ein Monat der Kontraste. Der Beginn zeigte sich fast sommerlich zeigte, in der dritten Dekade der Winter herein.

Mit einer Monatsmitteltemperatur von 7,3 Grad war es trotzdem der zweitwärmste November seit Bestehen der Messreihe 1781. Nur 1852 war er noch um ein Zehntel wärmer gewesen.

In der ersten Dekade dominierte zunächst Hochdruckeinfluss mit scheinbar kuriosen Verhältnissen. Da es in einem Hochdruckgebiet zu Absinkbewegungen der Luft kommt, resultiert daraus eine Temperaturzunahme. Über der kalten Luft am Boden lagert dann eine wärmere Luftschicht. Die tiefstehende Sonne kann die Luftschichten am Boden dann längere Zeit auskühlen. So lagen am 3. November beispielsweise Augsburg und der Ammersee bei nur 5 Grad Celsius ganztags im Nebel, während wir uns auf dem Hohen Peißenberg an 21 Grad und viel Sonnenschein erfreuen konnten. In der Nacht vom 2. auf den 3. lag das nächtliche Minimum bei uns bei nur 11 Grad, während es in München auf Minus 4 Grad absank. Am 3. November, 1 Uhr, war der Hohe Peißenberg mit 17,2 Grad Celsius der wärmste Ort Deutschlands.

Ab dem 5. stellte sich eine Südwestströmung ein, die weiterhin zu sehr hohen Temperaturen führte. Das lag vor allem am Ursprungsgebiet der Luftmassen, den Kanaren, wo zu der Zeit Wassertemperaturen von 20 bis 24 Grad Celsius gemessen wurden. Es blieb bis zum 20. mild. Sturmtiefs, die aus tropischen Stürmen entstanden, zogen vom Atlantik bis in den Norden und die Mitte Deutschlands, während der Süden weitgehend unter Hochdruckeinfluss lag. Daher stellte sich in der Region sogar eine längere Trockenperiode ein. So fielen in der Zeitspanne vom 20. Oktober bis 19. November nur drei Liter Niederschlag pro Quadratmeter.

Am 20. erfolgte für acht Tage eine markante Umstellung der Großwetterlage. Ein Randtief an einer Luftmassengrenze leitete einen Temperatursturz und damit ein winterliches Intermezzo ein. Ab dem 22. kletterte das Quecksilber an fünf Tagen nicht über den Gefrierpunkt (Eistage). Zum Monatsende, ab dem 29., wurde das Atlantikhoch jedoch wieder abgebaut. Es stellte sich erneut eine stürmische Südwestwetterlage ein. Der Winter im Herbst verabschiedete sich.

Der November fiel zu trocken aus. Die Monatsniederschlagssumme betrug 56 Liter pro Quadratmeter. Zwei Drittel des Gesamtniederschlags fielen an nur einem einzigen Tag – am 20.

Obwohl die Sonne 50 Prozent länger als im langjährigen Durchschnitt schien, gab es auch einige novembertypische trübe Tage, beispielsweise herrschte vom 26. bis 30. kein Sonnenschein.

Der November war sehr stürmisch, an 13 Tagen trat Windstärke 6 im Mittel auf, an vier Tagen davon sogar Windstärke 8 im Mittel. Die höchste Windspitze wurde am 30. mit 34 m/s bzw. 122 km/h registriert. Das entspricht der Windstärke 12 der Beaufort-Skala, also einem Orkan.

Siegmar Lorenz

Wetterbeobachter

Rubriklistenbild: © Schubert

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