+
Macht klare Ansagen: Bäuerin und Dirigentin Andrea Tafertshofer aus Wielenbach.

Andrea Tafertshofer im Porträt

Bäuerin und Dirigentin

Andrea Tafertshofer (43) aus Wielenbach ist Dirigentin des „Landfrauenchors im Pfaffenwinkel“ und mit Leib und Seele Bäuerin. Ein Porträt.

Wielenbach – Mit einem Chor ist es so wie mit einem guten Käse. Beides muss reifen. Davon ist Andrea Tafertshofer aus Wielenbach überzeugt. Die 43-jährige Bäuerin und Mutter von drei Kindern, die Käse direkt vom Hof vermarktet, ist seit zehn Jahren Dirigentin des „Landfrauenchores im Pfaffenwinkel“.

Ja, der Chor sei gereift, resümiert Andrea Tafertshofer. Mit 43 Jahren ist die musikalische Leiterin die Jüngste im Ensemble, das alle zwei Wochen am Sonntagabend in Peißenberg im Pfarrheim St. Johann probt, wozu sich Sängerinnen bis aus Ingenried, Prem, Haunshofen und Sindelsdorf einfinden. Die Reife bezieht sie aber nicht aufs Alter der Frauen. Sondern auf die musikalische Routine, die der Chor mittlerweile erlangt hat. Regelmäßige Auftritte bei den Landfrauentagen in Weilheim und Bernbeuren tragen dazu ebenso bei wie das Mitwirken bei anderen Veranstaltungen; im Jahr ist es meist ein halbes Dutzend an Auftritten.

Tafertshofer erinnert sich an die Anfänge: Wie sie zunächst mit Frauen aus dem Weilheimer Bereich zur Verabschiedung der früheren Kreisbäuerin Christa Off – die spendierte die Notenmappen mit dem Emblem der Wieskirche – einen Auftritt hatte. Wie sie im Februar 2007 zum Landfrauentag nach Bern- beuren fuhr und dort die Werbetrommel rührte. Wie einige Wochen später 50 Frauen aus dem ganzen Landkreis einen großen Chor bildeten. Wie die Spannungen zwischen dem Bauernverband und dem Bund Deutscher Milchviehhalter eine Zeit lang das Miteinander im Chor belasteten und manche Frauen deswegen wieder aufhörten.

Dass der Chor gereift ist, sollen die Zuhörer heuer beim Jubiläumsabend am Samstag, 14. Oktober, merken. In der Schlossberghalle in Peiting wollen die sangesfreudigen Landfrauen zusammen mit anderen Chören ein Freundschaftssingen ausrichten, „special guest“ inklusive. Es kommt ein Geigenvirtuose aus dem Strauß-Orchester Wien. Den hatten die Damen beim Chorausflug 2016 kennengelernt. Von seiner Zigeunermusik auf der Violine waren sie angetan.

Den Schwerpunkt setzt Tafertshofer beim „Landfrauenchor Pfaffenwinkel“ auf traditionelle Volksmusik. Ihr Herz schlägt für Lieder aus Bayern und Österreich. Es ist ihr wichtig, überlieferte Kultur am Leben zu erhalten. Ihre Intention: in einer schnelllebigen Zeit Gas wegzunehmen, runterzukommen. Viele Sängerinnen, unter ihnen nicht nur Bäuerinnen und Austraglerinnen, empfänden die Proben am Sonntagabend nicht als Anspannung, sondern vielmehr als Ausgleich, als Erholung. Da könnten sie abschalten.

Moderne Klänge – ja, durchaus, aber in deutscher Sprache. Für den Jubiläumsabend hat die quirlige Dirigentin mit den kurzen lockigen Haaren vor, zur Melodie des Liedes „My Way“ von Frank Sinatra einen deutschen Text zu schreiben. Auch schwebt ihr vor, ein Stück mit leicht emanzipatorischem Anklang ins Programm aufzunehmen. Im Lied „Frauen, so singt doch“ heißt der Untertitel nämlich „Männer staunen stumm“.

Erst im Labor, dann in der Hauswirtschaft

Aufgewachsen ist Andrea Tafertshofer in Peißenberg. Der Vater war CNC-Fräser, die Mutter Sparkassen-Angestellte, sie war das einzige Kind. Nach der Realschule lernte sie Chemielaborantin. Das war nicht so ihres. Danach machte die junge Frau, die „bäuerliche Gene“ verspürte, erst eine Hauswirtschaftslehre und dann die Meisterin.

Als Mädchen sang Tafertshofer, die auch Klavier lernte, im Kinderchor, später im Jugendchor und im Kirchenchor. Mit 18 nahm sie bei Barbara Wandinger klassischen Gesangsunterricht für lyrischen Sopran.

1996 heiratete sie ihren Mann Christian und zog nach Wielenbach. Zeitweise lebten auf dem Hof vier Generationen unter einem Dach. Nach der Übergabe baute die junge Familie 2008 ein eigenes Haus oberhalb des Hofes.

Christian und Andrea Tafertshofer führen einen Betrieb mit 60 Kühen und Nachzucht. 70 Hektar werden bewirtschaftet; darunter sind 20 Hektar Ackerfläche. Das Ehepaar hat zwei Mädchen und einen Buben. Sohn Dominikus (15) hat eine landwirtschaftliche Lehre angefangen.

„Mein Mann ist mit Leib und Seele Bauer“, sagt Andrea Tafertshofer. Und sie ist mit Leib und Seele Bäuerin. Nunmehr ist sie auch in die Selbstvermarktung eingestiegen. Unter dem Slogan „Käseglück aus Wielenbach“ wird feiner Schnittkäse und Camembert hergestellt. Die Milch stammt von den eigenen Kühen. Regelmäßig kommt ein mobiler Käser und verarbeitet den Rohstoff. Nach Wochen in der Reifekammer können Kunden am SB-Kühlschrank in der Milchkammer dann unter den Produkten auswählen. „Käse in allen Variationen“ – aromatisch und naturbelassen: Das ist die Lieblingsspeise von Andrea Tafertshofer.

Ihre Lieblingsbeschäftigung sind die Chorarbeit und der Gesang. Die Stücke und der Vortrag sollen würzig und unverfälscht sein. Und bei beidem, beim Käse und im Chor, kommt es eben auf die Reife an.

Johannes Jais

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Reifenschlitzer hinterlässt Blutspur 
Ein Reifenschlitzer trieb in der Nacht auf Sonntag in der Weilheimer Altstadt sein Unwesen, 21 geschädigte Autobesitzer hatten sich bei der Polizei bis Montagfrüh schon …
Reifenschlitzer hinterlässt Blutspur 
Einbruch in Reitsport-Geschäft
Einbrecher haben ein Reitsport-Geschäft in Penzberg heimgesucht. Die Polizei bittet um Hinweise.
Einbruch in Reitsport-Geschäft
Unfall auf A95: Gaffer folgten Abschleppwagen für Fotos
Auf der A95 bei Penzberg hat sich am Sonntagabend ein schwerer Unfall ereignet. Vier Menschen wurden verletzt. Die Autobahn war längere Zeit gesperrt. Und auch diesmal …
Unfall auf A95: Gaffer folgten Abschleppwagen für Fotos
Schläger muss vier Monate hinter Gitter
Ein Penzberger schlägerte just an seinem 21. Geburtstag - und kam so unters Erwachsenenstrafrecht. das Urteil: Vier Monate Gefängnis.
Schläger muss vier Monate hinter Gitter

Kommentare