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„Ich bin offen für alles“: Matthias Bischoff in seiner Werkstatt auf dem „Hof am Mühlbach“ in Wilzhofen. 

Atelierbesuch bei Bildhauer Mattias Bischoff

Wie das Licht in den Stein kommt

Wilzhofen - Der Bildhauer Mattias Bischoff arbeitet seit neuestem in Wilzhofen.  Bekannt ist er für seine  „Stein-Gold-Licht-Objekte“.

 So gewaltig rauscht der benachbarte Mühlbach, dass die kleine Werkstatt von Mattias Bischoff durch das Geräusch noch etwas gedrungener scheint. Dass hier die teils mannshohen Steinstelen mit „beleuchtetem Riss“ entstehen, scheint schwer vorstellbar. Und tatsächlich passieren die ersten Arbeitsschritte nicht hier.

„Bei meinen beliebtesten Steinbrüchen kann ich dort schon einen Spaltkeil oder einen Pflasterbrecher nutzen“, sagt der gebürtige Heidelberger. Die Steine kommen also bereits mit ihrem charakteristischen Quer-Riss im Süden an – aber noch immer nicht in Wilzhofen. „Die Spaltung beschädigt die Oberfläche erheblich“, sagt Bischoff. Zur Glättung nutzt er die Werkstatt eines befreundeten Künstlers in Murnau. Erst mit „schicker Hülle“ also gelangen die gespaltenen Steine an den Mühlbach in Wilzhofen.

Dort freilich ist noch mehr als genug zu tun: Es braucht eine im Inneren versteckte Bohrung für die Elektrik, außerdem wird die von einer verborgenen Halogenbirne beleuchtete Bruchkante durch eine selbst entwickelte Schichtung aus Blattgold, Blattkupfer und Lackfinish veredelt. „Reines Blattgold wäre in der Farbe zu hellgelb“, findet Bischoff, der seinen Steinleuchtenbau vor allem durch Erfahrungswerte perfektioniert hat.

„Es war viel ,trial and error’ dabei“, gibt er zu, denn erst vor etwa acht Jahren kam bei dem Steinbildhauer die Frage auf, „wie das wohl wäre, wenn da Licht rausleuchtet – und bereits der erste Versuch kam gut.“ Den größten Entwicklungsschritt habe er wohl bei den gegenläufig gefrästen Rohren geschafft, welche die Steinhälften drehbar verbinden. Heute spricht der 53-Jährige aus dem Effeff von Fluchtung, Passung und Schmierung. „Die Materialien und Kompetenzen, die es für so eine Leuchte braucht, sind aus mehreren Bereichen zusammengesetzt“, sagt er – und wie zum Beweis berührt er die Goldschicht in einem Lichtstein: Die Lampe erlischt.

Bei einer schwarzen Partnerleuchte funktioniert der Berührungs-Effekt nicht. „Vermutlich ist zuviel Kohlenstoff im Stein“, vermutet Bischoff, der dort einen belgischen Kalkstein verwendete. „Das Gestein ist einstmals Sumpf gewesen: Wenn man daran schleift, riecht es so wie vor Millionen Jahren.“

Am Anfang steht die Neugier

Der Künstler, der vor 21 Jahren nach Oberbayern kam und zunächst fünf Jahre im Isartal lebte, bezieht seine Motivation aus zwei Hauptsäulen: aus Neugier und aus Sinn für Ästhetik. Die Neugier lässt ihn immer wieder neue Formen und Materialien ausprobieren, etwa ein erstes „Leuchtstein-Bild“, gefertigt aus Schiefer für die Wandhängung, oder ein „Ei-gen“, eine aus Gips gefertigte Lampe in Form und Farbe eines Eies für die Decke. Vom Sinn für Ästhetik hingegen bezieht er die emotional ansprechende Überzeugungskraft.

Gerne spricht Bischoff von „Landschaften“, die in den Spaltflächen der Lampensteine auftauchen, und hofft, „die verschiedenen Materialien so zusammenzubringen, dass es ein verzaubertes Ganzes ergibt.“ Mit Erfolg, denn längst werden die von ihm selbst so genannten Stein-Gold-Licht-Objekte für vielerlei Ausstellungen angefragt – von am weitetesten her kam eine Anfrage aus L’Étang-la-ville bei Paris .

Für den in Monatshausen lebenden Bildhauer ist die Herstellung der Steinlampen eine stets befriedigende Tätigkeit – egal, ob er selber die Form entwirft oder nach Auftrag arbeitet. Unbeleuchtete spielerische Werke, wie der Andechser Kornkreis, nachgeformt in Stein, oder eine Fisch-Figur aus Pyrenäen-Brekzie, halten die kreative Herangehensweise aufrecht. Deshalb wohl wirkt Mattias Bischoff trotz aller Festigkeit des von ihm bearbeiteten Materials wie ein Künstler mit leichtem Sinn: „Ich bin vollkommen offen für alles, auch für eine Ausstellung von mir aus in New York.“

Werkstattbesuch

und Verkauf nach Vereinbarung unter Telefonnummer 0171/ 6500 684 (in Wilzhofen an der Mühlstraße 9 – ganz hinten auf der Wiese hinter dem „Hof am Mühlbach“); Informationen im Internet gibt es unter www.mattias-bischoff.de.

Andreas Bretting

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