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Wer eine ruhige Hand hat, braucht nicht immer Schutzkleidung: Imkerin Gisela Zehender (35) aus Wielenbach mit ihren Bienen.

Besuch bei einer Jung-Imkerin

Bienen statt Yoga: Imkern ist im Kommen

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Gisela Zehender (35) aus Wielenbach hat ein besonderes Hobby: Die Jungimkerin beherbergt in ihrem Garten vier Bienenvölker.

Wielenbach – In der hintersten Ecke von Gisela Zehenders Garten herrscht geschäftiges Treiben. Die 35 Jahre alte Wielenbacherin teilt ihr grünes Domizil mit über 60 000 kleinen Mitbewohnern, die unentwegt durch die hölzernen Fluglöcher ihrer Behausungen summen.

„Ich bin eher zufällig zum Imkern gekommen“, erklärt sie und blickt zufrieden auf die umherschwirrenden Honigbienen. Zwar habe die Werbetechnikerin die Insekten schon immer gemocht. Aufs Imkern stieß sie aber erst, als sie in einem Programmheft der Volkshochschulen blätterte.

„Das war allerdings nicht hier in Wielenbach, sondern in Baden-Württemberg. Vor sechs Jahren bin ich mit meiner Familie berufsbedingt in die Nähe von Stuttgart gezogen“, so die 35-Jährige. Zuvor sei sie in der Gemeinde im Sportverein aktiv gewesen. Doch in ihrem neuen Zuhause habe sie nach einem Hobby gesucht, dass sie ganz unabhängig ausüben könne.

2015 ging es für Zehender, ihren Ehemann und ihre beiden Kindern wieder zurück in die Heimat – diesmal mit Bienen im Gepäck. „Den Umzug haben sie gut überstanden. Man muss die Fluglöcher zukleben und darauf achten, dass es ihnen nicht zu heiß wird“, sagt die Imkerin.

Generell seien ihre vier Bienenvölker, die mit jeweils einer Königin in den sogenannten Beuten leben, ziemlich unkompliziert. „Eigentlich machen Bienen nicht viel Arbeit. Ich schaue einmal in der Woche nach, ob alles in Ordnung ist“, sagt Zehender. Ans Honigschleudern geht es zwei Mal im Jahr: Die Wielenbacherin rechnet damit, heuer jeweils gut 25 Kilo ernten zu können.

Im traditionellen weißen Ganzkörperanzug anzutreffen ist Zehender normalerweise nicht, wenn sie mit den Bienen hantiert. „Öffne ich die Beute komplett, trage ich Handschuhe und einen Imkerhut. Wenn ich aber nur ein einzelnes Teil herausnehme, geht das auch ohne“, erklärt sie. Dass man ab und an gestochen wird, ließe sich trotzdem nicht vermeiden. „Die ersten drei Jahre war ich beim Kontakt mit den Bienen sehr aufgeregt. Es dauert, bis man ruhiger wird“, sagt die Imkerin.
Öffnet die 35-Jährige heute die Behausungen der Bienen, ist von ihrer Nervosität nichts mehr zu spüren. Langsam nimmt sie einen der Holzrahmen in die Hände, ohne sich irritieren zu lassen. „Das Imkern zwingt einen zur Ruhe“, so Zehender, „die Bienen sind mein Yoga.“

Austausch mit Gleichgesinnten hat die 35-Jährige nicht nur mit einer Imkerkollegin aus der Nachbarschaft. Sie ist auch Mitglied im Bienenzuchtverein Weilheim, zu dem über 130 Mitglieder gehören.

Wie der Vorsitzende des Vereins Christoph Mayr erklärt, seien in den letzten Jahren viele Interessenten dazu gekommen: „Wir haben viel Zulauf, von jungen und älteren Neuimkern. Die Biene ist in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.“

Für Einsteiger bietet der Verein, der seit 1870 besteht, nun auch das Konzept „Imkern auf Probe“ an. Neulingen wird dabei ein „Pate“ zur Seite gestellt, das Bienenvolk wird gemietet.

Gisela Zehender hat es jedenfalls nicht bereut, mit dem eher ungewöhnlichen Hobby angefangen zu haben. „Die Anschaffungen am Anfang sind teuer – aber das sind einmalige Kosten“, so die Wielenbacherin. Ein „Starterset“ mit verschiedenen Gerätschaften, Schutzkleidung und einem Ableger eigener Bienen koste etwas mehr als 200 Euro.

Dass es im Verein einen deutlichen Männerüberschuss gibt, stört die 35-Jährige im Übrigen nicht. „Man merkt, dass das Imkern auch bei Frauen im Kommen ist“, so Zehender. Außerdem weiß sie: „Imkerinnen, die fünf Jahre dabei sind, bleiben ein Leben lang – so heißt es jedenfalls.“ Bei ihr selbst könnte das durchaus zutreffen: Für die Zukunft kann sich die Wielenbacherin vorstellen, noch mehr Bienen in ihrem Garten zu beherbergen.

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