Schaut aus wie eine normale Wiese, ist aber extra angesät: Michael Buchmann mit Sohn Bernhard (8) im Weidelfeld unterhalb des Weilheimer Gögerls.
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Schaut aus wie eine normale Wiese, ist aber extra angesät: Michael Buchmann mit Sohn Bernhard (8) im Weidelfeld unterhalb des Weilheimer Gögerls.

WAS WÄCHST DENN DA?

Weidelgras als Zwischenfrucht: Eine Wiese für wenige Monate

  • Boris Forstner
    VonBoris Forstner
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Direkt unterhalb des Weilheimer „Hausbergs“, dem Gögerl, steht neben dem Maisfeld eine unscheinbare Wiesenfläche. Doch die hat eine Besonderheit: Auf ihr hat Landwirt Michael Buchmann aus Wielenbach Weidelgras angesät, als sogenannte Zwischenfrucht.

Wielenbach/Weilheim - Zuerst stellt sich die Frage: Wie kommt ein Bauer aus Wielenbach zu Ackerflächen im nicht eben um die Ecke liegenden Weilheim? „Die Flächen haben wir schon seit 1968 gepachtet“, sagt der 52-Jährige. Sie haben früher einem Weilheimer Viehhändler gehört, der sie irgendwann einmal gefragt hat, ob sie die insgesamt drei Hektar nicht pachten wollen. Familie Buchmann wollte, seitdem gehören sie zu den insgesamt 40 Hektar Flächen, die bewirtschaftet werden, darunter zehn Hektar Acker.

Dort betreibt Buchmann eine klassische Dreifruchtfolge. Nach dem Mais wird in der Regel Winterweizen oder -gerste angebaut, und wenn das Getreide bis spätestens Mitte August abgeerntet ist, schlägt die Stunde des Weidelgrases. „Auf diesem ein Hektar großen Feld habe ich am 22. Juli Wintergerste gedroschen und am 29. Juli das Weidelgras angesät“, sagt Buchmann.

Das ist oft ein wichtiger Teil des Dauergrünlands, man kann es aber wie Buchmann auch extra ansäen. Durch das schnell wachsende Gras wird nicht nur das aufschießende Unkraut unterdrückt, es baut durch das dichte Wurzelwerk auch Humus auf, schützt vor Erosion und erhöht den Nährstoffgehalt des Bodens. Viele Landwirte pflügen so ein Zwischenfrucht-Feld nach dem Winter als Gründüngung einfach um und nutzen es als Gründüngung, doch Buchmann geht noch einen Schritt weiter: Er gehört zu den nicht mehr sehr häufigen Bauern, die noch „eingrasen“, wie der 52-Jährige es nennt. Seine Milchkühe im Stall bekommen im Sommer frisch gemähtes Gras zu fressen, nicht nur Silage.

„Mit dem Weidelgras hab ich zusätzliches schmackhaftes Futter für den Herbst“, sagt Buchmann. Die Fläche am Gögerl reiche ein- bis eineinhalb Wochen, und falls die Witterung günstig bleibt, kann er nach der ersten Mahd im September sogar noch einmal ernten. Die Kühe müssen sich natürlich umgewöhnen, wenn statt frischem Gras plötzlich Silage auf dem Speiseplan steht, aber das macht Buchmann peu a peu, da hat er mittlerweile viel Erfahrung.

Ein wichtiger Aspekt des Weidelgrases ist, dass über den Winter der Acker nicht brach liegt. Und weil Buchmann in seine Mischung neben 60 Prozent einjährigem Weidelgras und 20 Prozent Klee (als Stickstoffsammler) noch 20 Prozent Welsches Weidelgras integriert hat, das eine bessere Winterhärte hat, kann er dieses Feld im Frühjahr noch einmal mähen. Ehe es dann tatsächlich umgepflügt wird und dort wieder Mais angebaut wird.

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