Routine sticht! Sechzig siegt dank Oldie-Toren bei Grünwalder-Rückkehr

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Ein multikulturelles Musik-Erlebnis bot das Trio „Hammerling goes Maroc“ im Wilzhofener „Hof am Mühlbach“. 

„hammerling goes maroc“ in wilzhofen  

Magische Klänge, kostbare Stille

Wilzhofen – Weltmusik im Dorf, das passt erstaunlich gut. Den Beweis  trat im Wilzhofener „Hof am Mühlbach“ die Formation „Hammerling goes Maroc“ an.

Das Trio vereint zwei Musiker des Inn-Salzach-Raumes mit einem Vertreter der nordafrikanischen Kultur und schafft zauberische Klang-Räume.

„Etwas Traditionelles: der Alperer“, so kündigt Fritz Moßhammer das erste Stück an. Zwar spielten dies bereits die Well-Brüder, und ebenso erscheint auch in Wilzhofen das Alphorn. Doch sonst ist alles pure Überraschung, denn der zwischen Watzmann und Salzburg heimische Musiker bläst die Röhre mit Lippenvibrato und hoher Beistimme an, sodass sich der Klang einem mongolischen Kehlkopfgesang nähert. Mit der Maultrommel führt Moßhammer dieses Summen fort.

Zwischendrin ist Youness Paco bereits mit der Gimbri eingestiegen: Mit der warm und lange nachklingenden Laute der marokkanischen Hirten sitzt er auf dem Boden, die Augen geschlossen, und führt mit repetitiven Zupfern in eine meditative Sphäre. Doch dann die nächste Überraschung: Während Moßhammer das Alphorn nun doch traditionell bläst, ist es ausgerechnet der Musiker aus dem Maghreb, der den bairischen Gesang „Oipara“ anstimmt.

In den folgenden zwei Stunden entfalten sich vor 40 faszinierten Zuhörern strudelnde Melodien, die durch die haarfeine Perkussion von Erwin Rehling in ihrer Zartheit noch betont werden. Zum Aufpeppen kommen jazzige Stücke hinzu, wobei Rehling auch ein besonderes Xylofon einsetzt, das durch unregelmäßig geschnittene Klangplatten leicht wie ein Windspiel ertönt. Moßhammer wiederum brummelt auf der Fujara, der slowakischen Version des Didgeridoo, variiert flott mit dem Flügelhorn – oder setzt ganz sachte damit große Weiten frei. Diese nutzt Paco, um auf der Gimbri mähliche Rhythmen anzuspielen, die an den entspannten Schritt dahinziehender Kamele erinnern. Dazu ahmt er mit virtuosem Pfeifen Vogelstimmen nach oder singt mit melodiösem Arabisch – ein Genuss dank der vorangehenden Übersetzung: „Die Kämpfer, die aus dem Krieg zurückkommen, suchen Ruhe und Geborgenheit bei ihren Gefährtinnen“, heißt es sinngemäß, und wörtlich: „Im Kampf habe ich an deine Sommersprossen gedacht“: ein Friedenslied durch die Hintertür.

Auch das ist „Hammerling goes Maroc“: eine Feier der kleinen Details, des feinen Zuhörens und natürlich des kulturellen Austausches. Nicht nur vom Kaminfeuer im „Hof am Mühlbach“ wurde einem da warm, sondern auch vom Ethos eines Ensembles, das Musik als gelebte Emotion und konkrete Mitmenschlichkeit versteht. Das Publikum empfand dies ebenso, denn nach einem fast unhörbar leise beendeten Stück wurde die kostbare Stille lange gehalten, so wertvoll erschien das Gehörte.

Andreas Bretting

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