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Korbinian Steigenberger war 22 Jahre Bürgermeister von Wielenbach. Nun radelt er lieber – unter anderem wie hier am Bergknappweiher in seinem Heimatort Bauerbach – und hat den Anzug gegen den Freizeitlook getauscht. 

Interview mit Korbinian Steigenberger über seine Zeit als Rathauschef

Vom Rathaus aufs Rad und ins Holz - die Freizeit wird sinnvoll genutzt

Im Gespräch erzählt Korbinian Steigenberger von seiner Zeit im Wielenbacher Rathaus und davon, was er künftig so in seiner freien Zeit macht. 

Wielenbach – Korbinian Steigenberger ist 1955 in Haunshofen geboren und auf dem elterlichen Hof aufgewachsen. Nach der Mittleren Reife arbeitete er als technischer Angestellter im Wasserwirtschaftsamt Weilheim, nach einer Weiterbildung zum Bautechniker war er ab 1989 zunächst im Bauamt der Stadt Weilheim tätig, dann bei den Stadtwerken. 1990 kandidierte er auf der Liste „Freie Wählerschaft Haunshofen-Bauerbach“ und wurde in den Gemeinderat gewählt, wo er Ende 1992 stellvertretender Bürgermeister wurde. Nach dem Tod seines Vorgängers Erwin Demmel übernahm er im März 1998 das Amt des Bürgermeisters, das er für vier Jahre ehrenamtlich ausübte. Seit 2002 ist er hauptamtlicher Bürgermeister. Nach zwei Wiederwahlen kündigte er im vergangenen Jahr an, nicht mehr zu kandidieren. Im Gespräch erzählt der 64-Jährige, der verheiratet ist und fünf Kinder sowie ein Enkelkind hat, von drei Jahrzehnten in der Kommunalpolitik und seinen Plänen für die Zukunft.

Was war die größte Herausforderung für Sie als Bürgermeister?

Das war sicher der Hochwasserschutz. Gleich am Anfang meiner Zeit als Bürgermeister gab es 1999 ein Hochwasser, das als „Pfingsthochwasser“ in die Geschichte eingegangen ist. Es hat Wilzhofen und Wielenbach schwer in Mitleidenschaft gezogen.

Zu seinen größten Erfolgen zählt der Bau des Regenrückhaltebeckens

Was waren die größten Erfolge?

Der erste folgte unmittelbar nach dem Hochwasser: Es war der Bau des Regenrückhaltebeckens. Dieses hat sich bereits beim nächsten großen Hochwasser, das 2005 folgte, bewährt. Der Bau dieses Beckens war für die Ortsteile Wielenbach und Wilzhofen sehr wichtig und verhinderte des Öfteren schon großen Schaden.
Wichtig war mir auch der Kauf des 2800 Quadratmeter großen Areals mit der Gaststätte und dem landwirtschaftlichen Gebäude in der Ortsmitte von Haunshofen. Die Gemeinde hat die Immobilie 2003 gekauft und das Gasthaus umgebaut und modernisiert. Es wurde 2009 als Dorfwirtschaft mit Saal eingeweiht. Später wurde das landwirtschaftliche Gebäude abgebrochen und ein Vereinsheim gebaut. Dank gebührt dabei vor allem den vielen Bürgern, die enorme Eigenleistungen eingebracht haben. Dank dieses Engagements und der Förderung durch die Dorferneuerung hat das ganze Projekt die Gemeinde nur rund eine Millionen Euro gekostet. Wenn man den Gegenwert sieht, den die Bürger jetzt haben, war diese Investition sehr sinnvoll.

Welche anderen Projekte wurden umgesetzt?

Es gab noch etliche notwendige Investitionen in die Infrastruktur. Die Erweiterung des Schulhauses und die Sanierung der Turnhalle standen gleich am Anfang meiner Zeit als Bürgermeister an. Dann wurde die Bahnbrücke an der Straße zur Hardtsiedlung mit voller Durchfahrtshöhe neu gebaut, damit der Ortsteil verkehrstechnisch voll angebunden ist. Zur Sicherung der Wasserversorgung haben wir einen zweiten Brunnen erschlossen und Wasserschutzgebiete ausgewiesen. Stets ein Anliegen war mir auch die Ausweisung von Baugebieten für unsere einheimischen Bürger. Sehr wichtig war mir die Mitwirkung zur Gründung der Energiegenossenschaft. Das ist zwar nicht direkt eine Angelegenheit der Gemeinde, die gegen eine Pachtzahlung nur den Grund zur Verfügung stellt, aber die umweltfreundliche Energieerzeugung vor Ort ist für alle Bürger von Bedeutung.
Als weitere Maßnahmen darf ich noch den Neubau des Bauhofs sowie des Feuerwehrhauses in Wielenbach, die Erweiterung des Kindergartens mit Krippenanbau und den Ausbau der Ortsdurchfahrten von Wilzhofen und Bauerbach erwähnen.

Das Amt des Bürgermeisters war für Steigenberger eine Ehre 

Welches Ziel haben Sie nicht erreicht?

Ich hätte gerne noch den Radweg zwischen Wielenbach und Wilzhofen fertiggestellt. Aber das scheiterte am erforderlichen Grunderwerb. Außerdem wäre der Spatenstich für den Neubau des Rathauses mit Bürgersaal mein Wunsch gewesen. Hierfür haben wir in der letzten Sitzung des alten Gemeinderats noch das Einvernehmen zum Bauantrag erteilt.

Warum haben Sie nicht mehr kandidiert?

Ich habe es als Ehre gesehen, Bürgermeister sein zu dürfen. Es war im Nachhinein gesehen doch immer eine schöne Aufgabe, aber nach der langen Zeit ist die Luft raus, und es ist der Zeitpunkt gekommen, aufzuhören.

Wie war der Abschied aus Ihrer Funktion als Bürgermeister?

Besonders gerührt war ich von den Abschiedsworten aus dem Gemeinderat, mit denen mir für mein ehrliches, sachliches Auftreten gedankt wurde.

Was machen Sie jetzt mit der Zeit, die Sie frei haben?

Ich möchte mit meinem jüngsten Sohn wieder mehr ins Holz gehen, weil ich gerne im Wald arbeite. In meinem kleinen Privatwald will ich Brennholz machen, außerdem möchte ich mich weiterhin um den Gemeindewald in Haunshofen kümmern.

Haben Sie zum Ausstieg aus der Berufstätigkeit eine Reise geplant – die jetzt ins Wasser fällt?

Nein, eine größere Reise haben wir nicht geplant, da ich grundsätzlich in keinen Flieger steige. Ich will mehr Radfahren, vor allem Ausflüge mit meiner Frau unternehmen. Und ich will die Teilnahme an Mehr-Tages-Touren mit einer Wielenbacher Gruppe fortsetzen. Wir waren schon in Bozen und Salzburg und haben den Bodensee umrundet. Heuer wollen wir Mitte Juli mit dem Zug von München nach Regensburg fahren, und von dort mit dem Rad über das Altmühltal zurück nach Wielenbach.
Aber es ist noch nicht sicher, ob das in der aktuellen Situation überhaupt möglich ist. In jedem Fall will ich wieder mehr Bergwandern, überhaupt mehr Zeit in der Natur verbringen. Auch für die Vereine möchte ich mich weiterhin einbringen, allerdings nicht mehr in führender Position.

VON ALFRED SCHUBERT

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