Wielenbacher fuhr ohne Begleitperson

50 Jahre unfallfrei -  und dann das . . .

Wielenbach -  50 Jahre fuhr ein Wielenbacher unfallfrei. Einmal vergaß er, eine Begleitperson  bei einer Fahrt mit Kindern mitzunehmen. Das hatte Konsequenzen. 

Diesen Tag im März 2015 wird er nicht mehr vergessen. Wie üblich fuhr der 74-Jährige von Wielenbach Kinder mit einem Kleinbus eines Busunternehmens in umliegende Einrichtungen. Da er Jungen und Mädchen mit Behinderungen transportiert, muss eine erwachsene Begleitperson mitfahren. An diesem Morgen waren die sieben Kinder schon eingestiegen und der Busfahrer war der Meinung, auch die Mitfahrerin säße schon im Bus. „Ich habe nicht gehört, dass sie mir etwas zugerufen hat“, schilderte er vor dem Weilheimer Amtsgericht. Er fuhr an und die Begleiterin, die gerade im Begriff war in den Bus zu steigen, stürzte neben dem Bus zu Boden. „Ich habe sofort erste Hilfe geleistet“, berichtete der Mann. Über 50 Jahre fahre er unfallfrei.

„Ich kann mir das nur so erklären, dass ich mit meinen Gedanken an diesem Morgen abgelenkt war“, sagte er. Seine langjährige Lebensgefährtin hatte ihn verlassen und das sei in den Tagen eine belastende Situation für ihn gewesen, so der Angeklagte. Der 74-Jährige lieferte an diesem Tag zunächst noch die Kinder ab und fuhr die verletzte Kollegin nach Starnberg ins Krankenhaus. Diese zog sich bei dem Unfall eine Fraktur an der Schulter zu, hatte einen längeren Krankenhausaufenthalt und war ein halbes Jahr in ärztlicher Behandlung. Der Angeklagte bot seiner Kollegin als Täter-Opfer-Ausgleich ein Schmerzensgeld von 1500 Euro an, welches diese auch samt Entschuldigung akzeptierte.

Der Verteidiger wertete das Geschehen als Augenblicksversagen und stellte den Antrag auf Einstellung des Verfahrens. Das lehnte der Staatsanwalt jedoch strikt ab. „Ich bin schon lange Verkehrsstaatsanwalt, und das hier war ein erheblicher Verstoß“, argumentierte er. Im Plädoyer verwies der Verteidiger darauf, dass sein Mandant die volle Verantwortung übernommen habe und es nicht üblich sei, eine freiwillige Schmerzensgeldzahlung zu entrichten. Auch gab der Verteidiger zu bedenken, dass der im Strafbefehl angekündigte Entzug der Fahrerlaubnis den Angeklagten sehr treffen würde. „Ihm würde gekündigt werden“, sagte er.

Richterin Katrin Krempl befand den Mann wegen fahrlässiger Körperverletzung für schuldig und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je 50 Euro. Von einem Fahrverbot sah sie ab. Es sei kein unerheblicher Verkehrsverstoß gewesen, „Ich habe aber in Ihrem Fall gerade noch auf ein Fahrverbot verzichtet“, sagte sie und berücksichtigte damit die psychische Situation des Angeklagten am Unfalltag und die Tatsache, dass dieser seit über 50 Jahren unfallfrei fährt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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