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Flüchtlinge in Gästezimmern: Ist das eine Dauerlösung? „Asyl im Oberland“ meldet Zweifel an

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Der neue Vorstand des Fördervereins „Asyl im Oberland“ ist der bisherige (v.l.): Martin Herzog (Finanzen), Lisa Hogger (2. Vorsitzende), Jost Herrmann (1. Vorsitzender).
Der neue Vorstand des Fördervereins „Asyl im Oberland“ ist der bisherige (v.l.): Martin Herzog (Finanzen), Lisa Hogger (2. Vorsitzende), Jost Herrmann (1. Vorsitzender). © Gallmetzer

Die Herausforderungen bei der Arbeit mit ukrainischen Flüchtlingen waren bei der Mitgliederversammlung des Fördervereins „Asyl im Oberland“ genauso ein Thema wie die Neuerung, dass die Organisation künftig auch Deutschen in Not finanziell helfen will.

Peißenberg/Landkreis – In Zeiten des Ukrainekriegs ist die Hilfe für Flüchtlinge besonders wichtig. Der Förderverein „Asyl im Oberland“ ist daher weiter gefordert. Rund 60 Mitglieder hat der Verein, darunter Privatpersonen sowie Städte, Gemeinden und Pfarreien. Bei der Mitgliederversammlung im Pfarrheim St. Barbara in Peißenberg wurde kürzlich der Stand der Dinge diskutiert.

Jost Herrmann, evangelischer Pfarrer in Schongau und der 1. Vorsitzende des Vereins, lobte: „Die Unterstützer haben viel Energie und sind an der Basis.“ Der Verein sei administrativ tätig und ermögliche, dass die Unterstützerkreise in den Orten arbeiten können. „Die Ukrainer sind wichtig, aber die anderen Geflüchteten auch“, mahnte er.

Nachdem Kritik am Vorgehen des Landratsamtes in Sachen „Abschiebungen“ von Finanzchef Martin Herzog geäußert worden war, erklärte Herrmann: „Sie sind dabei, einiges umzusetzen, aber einiges ist im Argen.“ Der Vorsitzende ergänzte, dass mit Flüchtlingen nicht immer so umgegangen werde, wie es die Unterstützer gerne hätten. Finanziell steht der Verein derzeit gut da, wie Herzog ausführte. Den Ausgaben von 20 000 Euro stehen Einnahmen von 24 325 Euro im vergangenen Jahr gegenüber, die sich aus Mitgliedsbeiträgen sowie Spenden zusammensetzen. „Das Geld soll die ehrenamtliche Arbeit ermöglichen“, so Herrmann.

„Unbeschwerte Auszeit“ soll traumatisierten Kindern helfen

Ein Projekt, das vom Verein organisiert wird, ist die „Unbeschwerte Auszeit“. In Kooperation mit der „Tabaluga Kinderstiftung“ wird dabei traumatisierten Kindern ermöglicht, ein paar sorgen-freie Stunden – zum Beispiel beim Reiten, Malen oder Basteln – zu erleben.

Aktuell seien weiterhin Laptops gefragt. 102 Geräte machte Peter Schubert im vergangenen Jahr bereits wieder fit. Das Projekt „Keine Rechner, keine Bildung“ läuft aber weiter. Einstimmig wurde in der Sitzung beschlossen, den Zugang zu den Computern sowie zu finanziellen Hilfen künftig nicht nur auf Menschen mit Migrationshintergrund zu beschränken, sondern deutsche Menschen in Not ebenfalls zu bedenken. „Das ist eine kleine Änderung in der Satzung, die den Spielraum deutlich erweitert“, freute sich Herrmann.

Engpässe bei der Unterbringung von Flüchtlingen nicht ausgeschlossen

Aktuelle Herausforderungen wurden ebenfalls besprochen. Die Unterbringung der Menschen aus der Ukraine laufe zwar gut, dennoch sei nicht ausgeschlossen, dass es noch zu Engpässen kommt. Gästezimmer seien eine gut gemeinte Sache, so der einstimmige Tenor, doch ob Geflüchtete auf Dauer auf diese Weise ohne Konflikte untergebracht werden könnten, hielten die Anwesenden für fraglich.

Außerdem würden mitgebrachte Haustiere, eine unkontrollierte Ankunft, mangelnde Sprachkenntnisse sowie fehlende Unterlagen die Situation erschweren. Ein Problem sei auch, dass unter den Ankömmlingen viele alte und kranke Menschen seien.

„Sozialen Unfrieden“ wegen Ungleichbehandlung verhindern

Einig waren sich jedoch alle: Durch die Strukturen, die seit 2012 geschaffen wurden, kann der Strom an Kriegsflüchtlingen derzeit aufgefangen werden. Missbilligt wurde die Unterteilung zwischen „guten und schlechten Flüchtlingen“. Außerdem sei es ungerecht, so die zweite Vorsitzende Lisa Hogger, dass Personen aus anderen Ländern, die aber in der Ukraine lebten, anders behandelt werden als solche mit ukrainischem Pass. „Wir wollen das gleiche Recht für alle. Sonst gibt es sozialen Unfrieden“, konstatierte sie. „Wir müssen lautstark auf diese Diskrepanz hinweisen“, fand auch Herrmann. Der bisherige Vorstand wurde ebenso wie die Kassenprüfer einstimmig entlastet und dann wiedergewählt.

Ursula Gallmetzer

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