Zusammenhang unklar

Wolf in Bayern gesichtet: Jäger warnt - zehn tote Schafe in Oberbayern und Tirol gefunden

  • Veronika Mahnkopf
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  • Jörg von Rohland
    Jörg von Rohland
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Ein Wolf treibt sich in einem Landkreis in Oberbayern herum. Nun wurden 100 Kilometer weiter, ebenfalls in Oberbayern (sowie in Tirol) zehn tote Schafe gemeldet.

  • Im Landkreis Weilheim-Schongau (Oberbayern) wurde ein Wolf gesichtet.
  • Er ist in eine Fotofalle getappt.
  • Experten sind sich sicher, dass es sich um einen Wolf handelt.
  • Nun wurden im Landkreis Traunstein (ebenfalls Oberbayern, 100 Kilometer weiter östlich) tote Schafe gemeldet.

Update, 21. Juli, 17.01 Uhr: Auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen treibt sich nun vermutlich ein Wolf* umher - es wurden mehrere tote Schafe gefunden.

Nach Wolf-Foto aus Oberbayern: Zehn tote Schafe 100 Kilometer weiter östlich

Update, 13. Juli, 15.01 Uhr: Nachdem im Landkreis Weilheim-Schongau ein Wolf in eine Fotofalle getappt war (siehe ursprünglichen Artikel vom 7. Juli), wurden nun im Landkreis Traunstein (ebenfalls Oberbayern) und im angrenzenden Tirol insgesamt zehn Schafe gerissen. Sieben auf bayerischer, drei auf Tiroler Seite.

Zehn Schafe in Region um Traunstein gerissen - alle vom selben Tier

Alle Schafe wurden offenbar von ein und demselben Tier gerissen. Ob allerdings der Weilheimer Wolf und die toten Schafe in Traunstein etwas miteinander zu tun haben, ist mehr als fraglich.

Auch ob die Schafe wirklich einem echten Wolf oder eher einem Wolfshund zum Opfer fielen, muss auch noch geklärt werden. Der Wolfshund hinterlässt offenbar einen sehr ähnlichen genetischen Fußabdruck wie sein wilder Namensgeber selbst. 

Um weitere Übergriffe auf Schafe zu verhindern, ist dem Landesamt zufolge die sogenannte „Förderkulisse zum Herdenschutz in Bayern“ ausgeweitet worden. Nutztierhalter, deren Weiden innerhalb der Kulisse liegen, können sich demnach Herdenschutzmaßnahmen wie etwa Elektrozäune fördern lassen. Durch Schafsrisse entstehende Schäden sollen den Angaben nach durch einen Ausgleichsfonds aufgefangen werden.

Wolf in Bayern gesichtet: Jäger meldet sich mit mahnenden Worten

Update, 7. Juli, 15.15 Uhr: Josef Hang ist dem Wolf schon seit ein paar Jahren auf den Fersen. Der ehemalige Leiter der Hegemeinschaft Wessobrunn betreut als Jagdpächter ein 716 Hektar großes Revier bei Forst (Gemeinde Wessobrunn). 2018 hatte er dort ein frisch getötetes Reh gefunden, das fast völlig aufgefressen war. Einen Teil der kläglichen Überreste schickte er an das zuständige Landesamt für Umwelt (LfU), das den Fund als sogenannten C 3-Fall einstufte. Demnach könnte es ein Wolfriss gewesen sein, hundertprozentig sicher waren sich die Experten des LfU aber nicht. 

Seit dieser Woche herrscht Gewissheit, dass zumindest ein Wolf durch den nördlichen Landkreis streift. Jagdpächter Hang hat den Räuber in seinem Revier mit einer der acht installierten Wildtier-Kameras* dingfest gemacht. Die LfU-Experten schauten sich das Bild an und bestätigten dem Hohenpeißenberger sofort, dass es sich um einen Wolf handelt. Er ist der erste, der im Landkreis zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte. 

Wolf im nördlichen Landkreis Weilheim-Schongau gesichtet - Eine Frage bleibt weiterhin ein Rätsel

Dennoch ist vieles noch unklar. Die Experten wissen nicht, ob es sich um ein männliches oder weibliches Tier handelt. Auch, wo der Wolf herkommt, ist ein Rätsel. Laut LfU können jederzeit einzelne Wölfe zu- oder durchwandern – sowohl aus dem Nordosten Deutschlands als auch aus Polen oder den Alpen. Ein junger Rüde zum Beispiel, der 2006 bei Starnberg überfahren worden war, habe gar aus einem Rudel nahe Nizza in Südfrankreis gestammt. Wie alt der nun fotografierte Wolf ist, auch darüber kann nur spekuliert werden. Jagdpächter Hang schätzt ihn auf eineinhalb bis zwei Jahre. Dann wäre es nicht das Tier, das sich vor zwei Jahren in dem Revier das Reh hatte schmecken lassen. 

In diesem Gebiet im Landkreis Weilheim-Schongau wurde der Wolf gesichtet.

Der 50-Jährige geht davon aus, dass es sich aktuell um einen einzelnen Wolf handelt, der von seinem Rudel verstoßen wurde und sich nun einen Partner oder eine Partnerin sucht. Gefahr droht jedenfalls erstmal keine: „Es braucht kein Landwirt Angst haben“, meint der Jäger, der davon ausgeht, dass sich der Wolf höchstens mal ein Schaf oder ein Kälbchen von der Weide holen könnte. Auch Radfahrer und Spaziergängern sieht der Hohenpeißenberger in Sicherheit. Der Wolf sei sehr scheu.

Weilheim-Schongau: Wolf gesichtet - Jagdpächter richtet mahnende Worte an Hundehalter

Mahnende Worte richtet der Jagdpächter aber an alle Hundehalter, die ihre Vierbeiner nicht im Griff haben und von der Leine lassen: Wenn der Hund auf den Wolf treffe, „dann kommt der Hund nicht mehr zurück“. Obwohl das Raubtier also keinen größeren Schaden im Landkreis anrichten wird, sieht Hang in ihm keine Bereicherung. „Wir als Revierpächter sind nicht begeistert“, macht er klar. 

Der Rehwildbestand könne sinken, die Tiere seien beunruhigt, meint er. „Und dass der Wolf unser Wildschweineproblem löst, halte ich für ein Märchen“, erklärt der 50-Jährige mit Blick auf die hohe Wildschweinpopulation. Dieser kann nach Meinung Hangs ein einzelner Wolf nichts anhaben. Die Schweine würden sich zusammenschließen und wehren. 

Auch der Bayerische Bauernverband steht dem Wolf „sehr skeptisch“ gegenüber, betont Kreisobmann Wolfgang Scholz und verweist unter anderem auf eine Stellungnahme des Verbands, die jüngst veröffentlicht worden war. Demnach sorgt sich der Verband um die Weidetiere. In mehreren Regionen Bayerns seien in den vergangenen Wochen und Monaten Wölfe gesichtet worden und zuletzt zwischen Traunstein und Kitzbühel auf bayerischer Seite sechs Schafe tot aufgefunden worden. „Dort, wo Schutzmaßnahmen nicht greifen, muss umgehend mit weiteren Maßnahmen wie Vergrämung oder Entnahme gehandelt werden, bevor weitere Weidetiere dem Wolf zum Opfer fallen“, fordern die Verantwortlichen. 

Übrigens: In den Ötztaler Alpen ist eine neue Aussichtsplattform geplant. Doch der Südtiroler Heimatpflegeverband geht deshalb auf die Barrikaden.

Wolf im Landkreis Weilheim-Schongau gesichtet: Ist das Tier schon wieder über alle Berge?

Möglicherweise hat sich das Problem im Landkreis aber auch schon wieder erledigt, weil der Wolf längst über alle Berge ist. Vor allem junge Rüden würden auf der Suche nach einem Geschlechtspartner und einem eigenen Territorium oft mehrere hundert Kilometer wandern, erläutern die Experten aus dem LfU. Deshalb könnten die Wölfe jederzeit und überall in Bayern auftauchen. Und dann sind es auch nicht zwangsläufig Schafe oder andere Nutztiere, über die sich der Wolf hermacht. Auf seiner Speisekarte stehen nach Angaben des LfU vielmehr Ratten, Mäuse, Rehe, Rotwild oder Wildschweine

Nur wenn sie davon nicht genug finden, kommt es nach Angaben des Landesamtes auch vor, dass „ungeschützte Nutztiere“ zu seiner Beute werden. Für betroffene Landwirte gibt es dann Entschädigungen: „Die Halter von Nutztieren, die nachweislich von einem Wolf gerissen wurden, erhalten eine Ausgleichszahlung“, heißt es von Seiten des LfU. Voraussetzung für eine Zahlung sei vor allem eine eingehende Dokumentation des Fundes und der Begleitumstände durch ein Mitglied des „Netzwerks Großer Beutegreifer“ sowie in begründeten Verdachtsfällen eine anschließende detaillierte Untersuchung des Tierkörpers durch einen Veterinär.

Auch interessant: Die Bauarbeiten am Brennerbasistunnel gehen voran. Kürzlich wurden zwei wichtige Bauabschnitte miteinander verbunden. Dennoch wird sich die Fertigstellung des Tunnels wohl etwas verzögern

Wolf tappte in Fotofalle: Jäger entdeckt Tier in oberbayerischem Wald - Auch Experten sind sicher

Erstmeldung vom 7. Juli, 11.30 Uhr: Wie eine Mitarbeiterin des Wildtiermanagements des Bayerischen Landesamts für Umwelt mitteilt, ist ein wolfsähnliches Tier am 29. Juni in eine Fotofalle getappt. Diese befindet sich an einem noch nicht genau bekannten Standort im nördlichen Landkreis Weilheim-Schongau

Experten sind sich sicher: Es ist ein Wolf

Bei der Sichtung des Fotomaterials hat sich ergeben, dass es sich bei dem Tier eindeutig um einen Wolf handelt. Ein Jäger hatte die Fotofalle aufgestellt und die Entdeckung gemacht.

Wölfe in Bayern seit Jahren unterwegs

Wölfe tauchen in den vergangenen Jahren immer wieder in Bayern auf. In Oberbayern allerdings erst seit vergangenem Jahr. So wurde ein Wolf im Landkreis Traunstein entdeckt, wie merkur.de* berichtete. Auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen* ist in jüngerer Vergangenheit ein Wolf unterwegs gewesen. Er hat sich aber offenbar nicht angesiedelt.

Niederbayern: Wölfe aus Nationalpark entkommen

In Niederbayern sind vor drei Jahren Wölfe aus dem Gehege des Nationalparks Bayerischer Wald* entkommen. Unbekannte hatten den Zaun geöffnet.

Wölfe in Bayern: Plan für Umgang gefordert

Experten haben bereits vor einem Jahr einen planvollen Umgang mit Wölfen*, die sich in Bayern ansiedeln, gefordert. Bislang ist es unter bestimmten Umständen sogar erlaubt, die Tiere abzuschießen*. Auch nahe einer Stadt in Bayern wurde nun ein Wolf gesichtet. Das Landesamt für Umwelt gab bereits eine Einschätzung ab.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Aufnahme Wildtier-Kamera

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