Einstmals ein Anziehungsmagnet für Nachtschwärmer, setzt der Wolfratshauser Turm seit 2006 Staub an. Der neue Eigentümer will das Objekt im Gewerbegebiet wieder beleben. Foto: Archiv

Zwangsversteigerung

1,74 Euro Millionen für den "Turm"

Wolfratshausen - Im dritten Anlauf fiel der Hammer: Am Donnerstag erteilte Reinhard Hofstetter, Rechtspfleger am Amtsgericht Wolfratshausen, im Zwangsversteigerungsverfahren „Wolfratshauser Turm“ Korbinian Haberlander den Zuschlag.

Der 32-jährige Bad Wiesseer hatte 1,74 Millionen Euro für die einstige Diskothek geboten. Haberlander und Ex-Disko-König Sepp Schwarzenbach sind Geschäftspartner. Haberlander war der einzige Bieter, der sich für das seit Jahren zum Großteil leerstehende Objekt am Hans-Urmiller-Ring im Wolfratshauser Gewerbegebiet interessierte.

Mit 1,74 Millionen Euro zeigte sich Andre Lojack, Vertreter der BAG Bankaktiengesellschaft im westfälischen Hamm, zufrieden. Er erklärte sich mit der sofortigen Zuschlagserteilung einverstanden. Das Hammer Institut hatte nach der Insolvenz des ehemaligen Wolfratshauser Disco-Königs Sepp Schwarzenbach im Jahr 2006 die Zwangsversteigerung des 5125 Quadratmeter großen Grundstücks und der Immobilie beantragt. Der Verkehrswert beträgt laut Gutachten 1,9 Millionen Euro. Auf dem Objekt lastete eine Grundschuld von 4,4 Millionen Euro.

Beim ersten Zwangsversteigerungstermin im April dieses Jahres hatte ein Münchner Anwalt 1,4 Millionen Euro geboten - und wie berichtet beim zweiten Termin noch einmal 200 000 Euro oben draufgepackt. Doch der Gläubigerbank war das zu wenig. Sie versagte den Zuschlag. Gestern aber war die BAG Bankaktiengesellschaft unter Zugzwang. Hätte sich kein Bieter gefunden oder das Angebot nicht den Vorstellungen entsprochen, wäre das gesamte Zwangsversteigerungsverfahren aufgehoben worden und hätte von den Westfalen erneut beantragt werden müssen.

Zunächst sah es im Amtsgericht auch wenig positiv aus. Um 10.10 Uhr forderte Rechtspfleger Hofstetter die Anwesenden zur Abgabe von Geboten auf. Niemand hob die Hand. Erst um 10.30 Uhr betrat Haberlander den Sitzungssaal, gab zehn Minuten später sein Gebot ab und erhielt weitere drei Minuten später von Hofstetter den Zuschlag. Die erforderliche Sicherheit von 190 000 Euro wies der Bad Wiesseer mit Hilfe einer Bürgschaft der Raiffeisenbank Oberland nach.

Wie Haberlander im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte, habe er schon einen Pächter für die Räume im Keller des Turms. „Dort soll wieder eine Disko betrieben werden.“ In welcher Form, das bleibe dem Pächter überlassen. Haberlander: „Darüber wird er demnächst entscheiden und informieren.“

Der neue Turm-Eigentümer sucht nun für die derzeit leerstehenden Räume und Flächen weitere Pächter. Haberlander will dem ehemals weit über die Grenzen Wolfratshausens bekannten Vergnügungstempel wieder neues Leben einhauchen. Haberlander trat bei der Zwangsversteigerung im Namen der in Bad Wiessee ansässigen Firma SA Sael 1 GmbH & Co KG auf. Der 32-Jährige ist laut einem unserer Zeitung vorliegenden Handelsregisterauszug ein Kommanditist der KG - laut Amtsgericht München mit einer Einlage von 600 Euro. Zweiter Kommanditist ist die im schweizerischen Appenzell ansässige SA Sael Bau AG. Als Unternehmenszweck ist auf der Internetseite der Erwerb und die Verwertung von Immobilien angegeben. Darüber hinaus ist Korbinian Haberlander seit Mai 2012 Geschäftsführer der Lago GmbH Bad Wiessee.

Einzelprokura dieser Firma hat der ehemalige Turm-Chef Sepp Schwarzenbach. (nie)

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