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Feuer unterm Dach: Auf fast 220 000 Euro beläuft sich das Defizit des Flussfestivals.

„Wundert mich natürlich auch“

220.000 Euro Minus bei Flussfestival: Jetzt spricht der Festivalleiter

Mit 160 000 Euro Minus hatte die Kommune gerechnet. Doch das Defizit beim Flussfestival 2017 summierte sich unterm Strich auf fast 220.000 Euro. Festivalleiter Günter Wagner erklärt, wie das passieren konnte.

Wolfratshausen/Geretsried – Schon nach den defizitären Flussfestivals 2013 und 2015 hatten die Stadträte mahnend die Zeigefinger gehoben. Sie appellierten an die städtische Kulturmanagerin, auf die Kostenbremse zu treten. Doch Marion Klement präsentierte nach dem Flussfestival 2017 vor wenigen Tagen erneut eine tiefrote Bilanz. Auf der Ausgabenseite stehen wie berichtet fast 220 000 Euro mehr als auf der Einnahmenseite. Das Ergebnis, so Klement im Kulturausschuss, habe sie „überrascht“.

Festivalleiter war der Geretsrieder Günter Wagner. Er beteuert, mit dem Thema Finanzen „nichts“ zu tun gehabt zu haben. Seine Aufgabe habe sich darauf beschränkt, Künstler fürs Flussfestival zu finden und mit ihnen mündliche Vorverträge zu schließen. Die jeweiligen Entscheidungen seien im Wolfratshauser Rathaus getroffen worden. „Den Gesamtüberblick“ habe nicht er als Festivalleiter, sondern Kulturmanagerin Klement gehabt. Gespräche mit ihr und/oder Bürgermeister Klaus Heilinglechner über die Kostenentwicklung habe es nicht gegeben. Dass Klement vom Rechnungsergebnis nach eigenen Worten überrascht wurde, „wundert mich natürlich auch“, sagt Wagner.

„Wir sind mit der Kostenentwicklung insgesamt nicht zufrieden“, stellt CSU-Stadtrat Alfred Fraas fest. War er in seiner Funktion als Kulturreferent des Stadtrates in die Planung des Flussfestivals 2017 eingebunden? „Nein“, antwortet Fraas, „eigentlich gar nicht.“ Wenngleich „das vermutlich nicht dumm gewesen wäre“. Er glaubt, dass die Kosten für Künstler und Bühnentechnik kaum reduziert werden können. „Doch ich habe schon in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass man die Einnahmen erhöhen könnte, beispielsweise durch mehr Zuschauerplätze.“

Die Nachricht von der Negativ-Bilanz des Flussfestivals hat auch Wolfgang Ramadan erreicht. Der Ickinger hat mehr als 30 Jahre Erfahrung als Kulturveranstalter, war Kurator bei der 850-Jahrfeier in München, hat die erfolgreiche Reihe „Icking Abo Dorfen“ ins Leben gerufen und war von 1990 bis 1995 Kulturreferent der Stadt Garching. „Ich habe mich seinerzeit mit dem Kulturausschuss zusammengesetzt, habe ein Budget bekommen – und das habe ich auch eingehalten“, sagt Ramadan.

Er hadert grundsätzlich mit Kommunen, die Kulturveranstaltungen mit Steuergeld subventionieren und so zur übermächtigen Konkurrenz für freischaffende Anbieter werden. „Schauen Sie doch, was im Hinterhalt in Gelting angeboten wird – diese Arbeit müsste mal mit 100 000 Euro unterstützt werden.“ Kulturanbieter wie Hinterhaltchefin Assunta Tammelleo und er selbst „zahlen Künstler, Miete, Gema, Catering – einfach alles“. Und falls etwas übrig bleibt, „zahlen wir auch noch Steuern“. Ramadan gibt Kulturreferent Fraas recht: „Mit nur 6000 Zuschauern kann das Flussfestival nicht vernünftig kalkuliert werden.“ Zudem ist der Werbeetat in seinen Augen „völlig überzogen“. Ramadans Fazit: „In Wolfratshausen sind weder Künstler noch Kaufleute am Werk.“

Günter Wagner arbeitet derweil mit Hochdruck für den Geretsrieder Kulturherbst. Die erste Veranstaltung findet am 5. Oktober statt, der Ticketvorverkauf läuft bereits. „In Geretsried habe ich als künstlerischer Leiter – anders als in Wolfratshausen – die Gesamtverantwortung“, erklärt Wagner. Als externer Dienstleister hat er von der Stadt ein Budget bekommen. Über dessen Höhe schweigt sich der Geretsrieder aus. Wagner legt Wert auf die Feststellung, dass er jede Ausgabe penibel prüft. „Wirtschaft ist kein Glücksspiel“, weiß er. Sollte es zu unvorhergesehenen Mehrkosten kommen, „halte ich in jedem Fall Rücksprache mit Kulturamtsleiterin Anita Zwicknagl beziehungsweise Bürgermeister Michael Müller.“

cce

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