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"Rest der Geretteten": So nannten sich die heimatlos gewordenen Juden aus Osteuropa, die im Lager Föhrenwald auf ihre Ausreise warteten.

Festakt am Sonntag

70 Jahre Lager Föhrenwald

Wolfratshausen - 2015 ist 70 her, dass das Lager Föhrenwald gegründet wurde. Das heutige Waldram diente Juden, die das Grauen des NS-Regimes überlebt hatten, zum vorübergehenden Aufenthalt. An dieses Datum wird am kommenden Sonntag mit einer Festveranstaltung erinnert.

Erinnern, begegnen, gemeinsam gestalten“: So lautet das Motto des Vereins Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald unter dem Vorsitz von Dr. Sybille Krafft. Am kommenden Sonntag, 18. Oktober, lädt der Badehaus-Verein gemeinsam mit dem Historischen Verein Wolfratshausen zur Festveranstaltung „70 Jahre DP-Lager Föhrenwald“ ein. Unter der Schirmherrschaft von Landtagspräsidentin Barbara Stamm sowie im Beisein vieler ehemaliger „Föhrenwaldern“ wird diese Gedenken mit Kurzvorträgen, Fotos, Filmen, Zeitzeugengesprächen und Musik in der Aula des Seminars St. Matthias Waldram gefeiert. Neben Ehrengästen wie der Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Charlotte Knobloch, werden auch rund 30 ehemalige Lagerbewohner erwartet, die zum Teil aus den Vereinigten Staaten oder aus Israel anreisen. „Einige von ihnen waren seit damals nie wieder hier“, sagt Dr. Sybille Krafft. „Das kann sicher auch sehr spannend werden.“

Ehemalige Bewohner haben sich angemeldet

Der Nachmittag der Gedenkveranstaltung soll deshalb dafür genutzt werden, um den ehemaligen „Föhrenwaldern“ das Badehaus und dessen Umbaupläne zu zeigen. „Unser Verein will mit dem Erhalt des Badehauses einen lebendigen Ort der Erinnerung schaffen, an dem Menschen unterschiedlicher Generationen, Nationen und Religionen ins Gespräch kommen können“, sagt Krafft. „Ehemalige Rüstungsarbeiter, Displaced Persons, Heimatvertriebene und deren Nachkommen sowie Bürger von Wolfratshausen können hier erfahren, dass ihre Geschichte vor Ort nicht vergessen wird.“ Das historische Badehaus soll zu einem modernen Bürgerhaus werden, „um das regionale Geschichtsbewusstsein klug und kreativ zu fördern, besonders auch bei der jüngeren Generation“.

Schirmherrin ist Landtagspräsidentin Barbara Stamm

Im Rahmen der Gedenkveranstaltung werden auch einige Waldramer ihre historischen Häuser öffnen und die ehemaligen „Föhrenwalder“ zu sich nach Hause einladen. „Dadurch können sicher sehr menschliche und persönliche Begegnungen stattfinden“, sagt Krafft. Zudem wird den Gästen die Möglichkeit gegeben, die Wanderausstellung „Die Kinder vom Lager Föhrenwald“, die gerade im Geretsrieder Heimatmuseum Station macht, zu besuchen. Ihr Kommen zur Gedenkveranstaltung haben auch der Wolfratshauser Bürgermeister Klaus Heilinglechner (eventuell mit dem goldenen Buch der Stadt) sowie der stellvertretende Landrat Thomas Holz zugesagt. Die Gedenkveranstaltung findet am Sonntag, 18. Oktober, um 20 Uhr in der Aula des Seminars St. Matthias (Seminarplatz 3) in Waldram statt. Die Veranstalter weisen darauf hin, dass der Termin aufgrund der beengten Platzverhältnisse nur für geladene Gäste vorgesehen ist. Roswitha Diemer

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