8000 Steine bei 30 Grad im Schatten

- Geretsried – Es gibt wahrlich Schöneres, als bei hochsommerlichen Temperaturen tagein, tagaus im Büro zu schwitzen. Die Badeseen locken, die Getränke für die abendliche Grillparty sind kalt gestellt, selbst die Autofahrt im Berufsverkehr avanciert dank Klimaanlage zum Höhepunkt des Tages. Doch so schlecht geht es den Bürohockern nicht, denkt man an die Bauarbeiter am Karl-Lederer-Platz.

VON MATTHIAS bECKER <P>Der schönste Moment am Tag ist für die drei Pflasterer aus dem Bayerischen Wald das abendliche Bad im Bibisee. &#8222;Wenn man die ganze Zeit in der prallen Sonne arbeitet, dann ist auch das warme Wasser noch erfrischend&#8220;, erzählt Manfred Egginger. Zusammen mit seinen Kollegen Michael Fischer und Günther Eichinger verlegt er die Pflastersteine am Karl-Lederer-Platz. &#8222;Etwa 90 bis 100 Quadratmeter am Tag&#8220;, so Egginger, &#8222;das sind rund 8000 Steine.&#8220; Für seinen Kollegen Eichinger ist der Geretsrieder Sommer nichts Neues: &#8222;Ich habe bereits beim Umbau der Egerlandstraße gepflastert.&#8220; <P>Ohne Oberbekleidung wagt sich von den Pflasterern keiner in die glühende Sonne. &#8222;Ohne Hemd kann man nicht arbeiten, da verbrennt&#8217;s dich sofort&#8220;, weiß Egginger aus eigener Erfahrung. Selbst Sonnenschutzmittel würden bei den langen Arbeitszeiten nichts nützen. &#8222;Das Einzige, was hilft: viel trinken&#8220;, verrät der 42-Jährige und nimmt einen tiefen Schluck aus seiner Zwei-Liter-Eistee-Flasche. Vier bis fünf davon braucht er am Tag, um seinen Durst zu stillen. Um möglichst lange die kühle Morgenluft genießen zu können, beginnen die Pflasterer bereits um 6.30 Uhr. Bis es nach 18 Uhr an den Bibisee geht, wird am Karl-Lederer-Platz geschuftet. Egginger: &#8222;Gott sei Dank hat&#8217;s noch keinen von uns umgehauen.&#8220; <P>Viel Schutz vor den Rekord-Temperaturen bietet der kleine Bagger von Matthias Gröschel nicht. &#8222;Mindestens 40 Grad&#8220;, so schätzt er, habe es im Führerhäuschen. Die Muße, um ein wenig den Schatten an den Häuserfassaden zu genießen, hat der 23-Jährige nicht. Sogar das Trinken fällt bei dem knapp bemessenen Zeitplan schwer. &#8222;Aber drei Liter am Tag sollten es schon sein.&#8220; <P>Matthias Gröschel ist für die Telefonleitungen zuständig. Am Schlimmsten sei es in der Zeit, in der asphaltiert werde. &#8222;Wenn der Boden 150 Grad heiß ist, dann wird&#8217;s ganz schön warm an den Füßen.&#8220; Nach dem Baggern Zeit zum Baden hat der Penzberger nicht. &#8222;Da wird nicht einmal geduscht. Ich arbeite am Abend gleich auf dem Bauernhof meiner künftigen Ehefrau weiter.&#8220; <P>Doch das Engagement der Arbeiter zahlt sich aus. In einigen Bereichen liegt die Neugestaltung des Karl-Lederer-Platzes rund drei Wochen vor dem Zeitplan (wir berichteten). &#8222;Die Pflasterarbeiten im zentralen Platzbereich können bis spätestens Mittwoch dieser Woche abgeschlossen sein&#8220;, berichtet Jan Klinger vom städtischen Bauamt auf Anfrage. Danach kommt der dritte Bauabschnitt, der nördliche Bereich des Platzes, an die Reihe. Dort entsteht unter anderem für knapp 187 000 Euro eine aufwändige Brunnenanlage &#8211; eine willkommene Abkühlung für künftige heiße Sommer. <P>

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