„Demographischer Wandel muss Chefsache sein“

- Geretsried – Grünen-Stadträtin Brigitta Siepmann muss nicht lange überlegen. Schnell fällt ihr ein Beispiel ein, dass Geretsried derzeit noch zu wenig unternimmt, um für eine alternde Gesellschaft gerüstet zu sein. „Bei der Erschließung des Mediterana setzen alle nur aufs Auto“, ärgert sich Siepmann. „Aber was ist mit den 75- oder 80-Jährigen, die eine wesentliche Zielgruppe des Bades bilden? Die kommen nicht mit dem Auto.“ Geretsried dürfe dem demographischen Wandel nicht untätig zusehen, fordern Siepmann und ihr Fraktionskollege Volker Witte. In der Kreisversammlung der Grünen am Donnerstagabend im Gasthaus Geiger (siehe auch Seiten 11 und 14) stellten sie ihr Diskussionspapier vor.

VON HANS MORITZ <P>Wie Siepmann erklärte, passe der Slogan der Stadt auch auf ihr Anliegen: Nach dem Motto &#8222;Geretsried &#8211; einfach anders&#8220; sollten sich alle gesellschaftlichen Schichten mit dem Alterungsprozess in der Stadt aktiv auseinander setzen und Lösungen entwickeln: nicht nur Stadträte und Stadtverwaltung &#8211; das Papier ging diese Woche an Bürgermeisterin Cornelia Irmer &#8211;, sondern auch Vereine, Verbände, Schulen und Kulturschaffende. <P>Bedauerlich sei, dass es derzeit keine zuverlässigen Zahlen gebe. Grundlage für das Engagement der Grünen ist die Stadtratsklausur im Oktober vorigen Jahres, in der man sich grundsätzlich mit dem Thema befasst hatte. Die Grundthese von Siepmann und Witte lautet: Geretsried muss das Thema fest in den kommunalen Alltag integrieren. &#8222;Wir sind überzeugt, dass in unserer Stadt künftig mehr alte Menschen leben werden. Zuzugsregion bedeutet nicht, dass nur junge Menschen in die Stadt kommen&#8220;, erklärte Siepmann. <P>Daraus resultierten mehrere Fragen (siehe auch Kasten): Wie sieht es mit Wohnungsansprüchen aus? Wie ist das Versorgungsnetz geknüpft? Wie steht es mit Bildungsangeboten? Die Grünen rechnen damit, dass es unter den Kommunen künftig nicht nur einen Wettstreit um Gewerbeansiedlungen, sondern auch um &#8222;interessante Neubürger&#8220; geben wird. Daher müsse sich Geretsried einerseits von anderen Kommunen abheben, andererseits müsse nicht jeder Ort die gleiche Infrastruktur aufweisen. &#8222;Die Frage ist, ob wir wirklich alle das Gleiche haben müssen, oder ob wir uns gegenseitig ergänzen können.&#8220; <P>Siepmann und Witte wollen die Geretsrieder zunächst für das Thema sensibilisieren. Danach müssten Ziele festgelegt und Schwerpunkte benannt werden. &#8222;Der demographische Wandel muss Chefsache sein&#8220;, heißt es an die Adresse von Bürgermeisterin Irmer. Ideal wären die Benennung eines Kümmerers sowie das Einschalten von externen Fachleuten &#8211; so wie derzeit bei der Überplanung der Böhmwiese. Dann könnte in Geretsried eine Weisheit des Zen-Buddhismus Realität werden, die wie ein Motto über dem Diskussionspapier steht: &#8222;Um Vergangenes mach Dir keine Sorgen, dem Kommenden wende Dich zu.&#8220; <P>

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