„Die Integration hat bestens funktioniert“

- Geretsried/Oberlaindern – Kurt Schneider arbeitet konzentriert. Er stempelt Pappen, aus denen er Kartons faltet. Der Geretsrieder gehört zur Außenarbeitsgruppe der Oberland Werkstätten. Die Firma Avery Dennison Zweckform (ADZ) beschäftigt in Oberlaindern im Landkreis Miesbach neben Kurt Schneider 18 Behinderte.

VON INES GRABE <P>Mitarbeiter extern einzusetzen ist seit 1. Juli ein Pilotprojekt der Werkstätten. &#8222;Es läuft super&#8220;, sagt Manuela Wäscher. &#8222;Die Mitarbeiter haben sich sehr gut eingelebt&#8220;, berichtet die Gruppenleiterin. Sie unterstützt die geistig, körperlich und psychisch Behinderten bei ihrer täglichen Arbeit. Die 25- bis 54-Jährigen konfektionieren und verpacken Visitenkarten oder Aufkleber. &#8222;Bei einer geringen Stückzahl lohnt es sich nicht, Maschinen einzusetzen&#8220;, so Wäscher. <P>Für die Gruppenleiterin steht die Berufsbildung der behinderten Mitarbeiter im Vordergrund. Daher sind sie für einen breit gefächerten Tätigkeitsbereich einsetzbar. Das motiviert sie. &#8222;Einige schreiben sogar Lieferscheine und Palettenzettel am Computer&#8220;, sagt Wäscher. <P>Zurück zu Kurt Schneider und seinen Kollegen: Der 53-Jährige arbeitet gerne in Oberlaindern. &#8222;Es bringt viel Spaß&#8220;, sagt er und lächelt. Was gefällt ihm am besten? &#8222;In der Kantine gibt es Limonade.&#8220; Limo mag auch Peter Weißmann am liebsten. Der 45-jährige Holzkirchner zählt Etiketten. Voller Elan geht er zur Waage und legt nacheinander die Bögen darauf. &#8222;Es müssen 20 sein&#8220;, erklärt Peter Weißmann. Anschließend werden sie in die Kartons gepackt, die Kurt Schneider faltet. &#8222;Wir arbeiten Hand in Hand.&#8220; <P>Neben Peter Weißmann sitzt Christl Prasch. Die 47-Jährige faltet kleine Schachteln. Wie viele fertigt sie am Tag? &#8222;Es sind ganz viele&#8220;, ist sich die Miesbacherin sicher und reicht Peter Weißmann ihre gerade fertig gefaltete Schachtel. <P>Der Betrieb arbeitet seit über 20 Jahren mit den Oberland Werkstätten zusammen. Um Transportkosten zu sparen sowie die Durchlaufzeit zu minimieren, wurde die Tätigkeit direkt in die Firma verlegt. &#8222;ADZ gehen mit gutem Beispiel voran&#8220;, sagt Raimund Weindl. Der Außengruppen- sowie Betriebsleiter der Miesbacher Oberland Werkstätten hofft, dass andere Betriebe dem Pilotprojekt nacheifern. Der Grund: Durch die externe Tätigkeit sind die Mitarbeiter selbstständiger, offener und motivierter geworden. Monatlich verdienen sie im Schnitt 300 Euro. Nach wie vor sind die Mitarbeiter bei den Oberland Werkstätten angestellt. &#8222;Durch ihre Tätigkeit sind keine Stellen gestrichen worden&#8220;, so Weindl. <P>Neben den Behinderten beschäftigt die Firma 400 Angestellte. &#8222;Es treffen sich zwei Kulturen&#8220;, sagt Weindl. &#8222;Die Integration hat bestens funktioniert.&#8220; Daher ist sein Ziel: &#8222;Die Gruppe in den nächsten Jahren auf 25 Personen zu erweitern.&#8220; <P>

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