„Wenn’s so weitergeht, wird die CSU eine Katastrophe erleben“

- Wolfratshausen – Die Kommunalwahl 2002 endete für die Wolfratshauser CSU in einem Desaster. Der Herausforderer von Bürgermeister Reiner Berchtold (SPD), Dr. Manfred Fleischer, kassierte eine herbe Schlappe, die CSU verlor einen Sitz im Stadtrat. Knapp vier Jahre nach dem Urnengang warnt Johannes Schneider seine Partei: „Wenn’s so weitergeht, wird die CSU eine Katastrophe erleben.“

von carl-christian eick <P>Das Gezerre um die Loisachhalle, die mangelhafte interne Kommunikation: &#8222;Die Spitze von Ortsverein und Fraktion sprechen nicht mehr die Sprache der Basis&#8220;, sagt Schneider. &#8222;Wir erfahren gar nichts&#8220;, so der Ex-Vize-Bürgermeister, der sich auf der Homepage der CSU informieren wollte, aber: &#8222;Keine Termine, keine Infos, der Internet-Auftritt ist schlichtweg eine Frechheit.&#8220; <P>Dabei könnte Schneider mit der schlechten Informationspolitik leben. Nicht aber mit der &#8222;Blockadehaltung&#8220; der Wolfratshauser CSU. &#8222;Die ist wirtschaftsfeindlich.&#8220; Beim Thema Loisachhalle stehe &#8222;die Lust am Streit&#8220; im Vordergrund und nicht das Bemühen um eine einvernehmliche Lösung. Selbstverständlich dürfe geltendes Recht nicht gebeugt werden, doch eine nationale oder gar internationale Ausschreibung des Betreibermodells &#8211; das zu prüfen hatte die CSU gefordert &#8211; hält Schneider für wenig sachdienlich. Zudem sehe er die CSU in der Not, &#8222;keine Alternative präsentieren zu können&#8220;. <P>Die CSU &#8222;ist sich ja selbst nicht einig&#8220; <P>Josef Seitner (&#8222;Ich bin nicht Mitglied der CSU, stehe ihr aber nahe&#8220;) wirft den Christsozialen ebenfalls vor, einen &#8222;Blockadekurs&#8220; zu steuern. &#8222;Es geht um die Bürger&#8220;, betont der Flößer, und appelliert an die Politiker, sich &#8222;endlich an einen Tisch zu setzen&#8220;. Das könnte jedoch mit der CSU schwierig werden, &#8222;denn die ist sich ja selbst nicht einig&#8220;, hat Seitner festgestellt. Dem widerspricht Kurt Greiner vehement. &#8222;Alle Beschlüsse im Vorstand und in der Fraktion fallen einstimmig aus&#8220;, betont der ehemalige Vorsitzende der Unternehmervereinigung Wirtschaftsraum Wolfratshausen (UWW). Er plädiert dafür, dass die Idee der CSU noch mal auf den Tisch kommt, die Halle in Eigenregie der Stadt zu sanieren und zu betreiben. <P>&#8222;Es mangelt an einer konstruktiven Führung&#8220; <P>Bald 40 Jahre gehört der CSU der Universitätsprofessor Dr. Jürgen Schwarz an. Zur Loisachhallen-Debatte merkt er an: &#8222;Kritik an der Vereinbarung mit dem Hofbräuhaus Traunstein wäre berechtigt, wenn Fehler gemacht worden sind. Aber da waren so viele Experten am Werk, dass das wohl auszuschließen ist.&#8220; Eine nationale oder internationale Ausschreibung erachtet er als &#8222;völlig unsinnig&#8220;. Die Endlos-Diskussion über den einstigen Kulturtempel sei &#8222;ein überflüssiges Spektakel&#8220;, bei der die CSU eine unrühmliche Rolle spiele. Schwarz: &#8222;Der Vorstand vertritt hier nicht die Meinung der Mitglieder.&#8220; Wie Schneider vermisst Schwarz &#8222;einen echten Alternativvorschlag unserer Partei&#8220; &#8211; was sich nicht zuletzt &#8222;schädlich auf unser Image auswirkt&#8220;. Schwarz wünscht sich &#8222;eine konstruktivere Führung&#8220; der Wolfratshauser CSU, die die Mitglieder wieder in Entscheidungsprozesse einbindet. Damit spricht er Dr. Gottfried Noske aus der Seele. Der Ex-Stadtrat (&#8222;Ich verstehe die ganze Gaudi um die Loisachhalle nicht mehr&#8220;) ist &#8222;insgesamt enttäuscht&#8220; über die Entwicklung der CSU Wolfratshausen. Noske, der 2002 gegen Fleischer als Bürgermeisterkandidat stimmte, will aber für die &#8222;nicht besonders gute Stimmung&#8220; an der Basis keine Person verantwortlich machen. &#8222;Es ist die Linie, die vielen nicht gefällt.&#8220; <P>&#8222;Der Stadtrat ist ein Kollegialorgan&#8220; <P>Schwarz mahnt eine Belebung der internen Diskussion an. &#8222;Es muss wieder lockere Zusammenkünfte geben, aber auch Veranstaltungen mit Niveau, die das Profil der Partei schärfen.&#8220; Schneider (&#8222;Das Wir-Gefühl fehlt&#8220;) erinnert seine Parteifreunde daran, &#8222;dass der Stadtrat kein Parlament mit Regierung und Opposition ist, sondern ein Kollegialorgan.&#8220; &#8222;Nur gemeinsam geht in Wolfratshausen was weiter&#8220;, pflichtet ihm Seitner bei. Ändert sich nichts an der Strategie der CSU, so prognostiziert Schwarz, &#8222;werden wir uns bei der nächsten Kommunalwahl ganz warm anziehen müssen&#8220;. <P>

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