Taktgeber in Sachen Humor: Der große Vicco von Bülow alias Loriot dirigierte bisweilen auch die Münsinger Blaskapelle. Am Montag starb er im Alter von 87 Jahren in Ammerland. Foto: Archiv

Abschied vom Freund und Mahner

Münsing - Auch in seinem Wohnort Münsing hinterlässt der Humorist Vicco von Bülow alias Loriot eine große Lücke.

Er brachte die Knollennasen-Männchen und die „possierliche“ Steinlaus in unsere Wohnzimmer. Er stellte Kindern den Bausatz eines Atom-Meilers auf den Gabentisch, machte aus einer Nudel einen Rendezvous-Killer und ließ den Papst gemeinsam mit der Tochter von Erwin Lottemann eine Herren-Boutique in Wuppertal eröffnen. Loriot, bürgerlich Vicco von Bülow, bewies der Welt in den 1960, 70er und 80er Jahren, dass Deutsche - ja - Witz haben. Am Montag starb der Großmeister des fein- und hintersinnigen Humors 87-jährig in Ammerland.

Fast ein halbes Jahrhundert lebte der gebürtige Brandenburger in Münsing. Doch es war keineswegs so, dass sofort die große Liebe zwischen seinen Einwohnern und dem zunehmend berühmter werdenden Humoristen entbrannte.

1989 kam Loriot den Münsingern nicht aus. Für den Fernsehshow-Klassiker „Spiel ohne Grenzen“ rekrutierten sie den prominenten Bürger kurzerhand als Teamkollegen. Gemeinsam gewannen sie die Vorschlussrunde am Starnberger See und später sogar das Finale in der Nibelungenstadt Xanten. Das hatte einschneidende Folgen - für Loriot und die Münsinger. Letztere schlossen den Künstler nun komplett in ihr Herz.

Fortan war Loriot durchaus präsent in Münsing. Er dirigierte anlässlich des Jahresbeginns oder seiner runden Geburtstage die Blaskapelle, er entwarf das Logo für den Ammerlander Judoverein. Und er protestierte: ernsthaft gegen die Anfang der 1990er Jahre drohende Mülldeponie in Reichenkam sowie ein Neonazi-Nest mitten im Ort.

Vicco von Bülow wird den Münsingern gewiss fehlen. Als Freund, als Künstler, als Mahner. Oder um es mit einem - leicht abgewandelten - Zitat aus einem seiner Sketche zu sagen: Mit Loriot war mehr Lametta.

von Peter Borchers

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