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Der Junge mit dem Koffer: Das Theaterstück in der Loisachhalle ging unter die Haut.

Andere sind anders

Wolfratshausen - Schade, dass nur Wolfratshauser Schüler in die Loisachhalle eingeladen waren. Denn das Theaterstück, das dort aufgeführt wurde, handelt von einem Thema, das alle angeht.

Es ging um Krieg, Bedrohung, Verzweiflung, Flucht aus der Heimat in ein fremdes Land.

Als sich die Flüchtlingsdramen vor der Küste Lampedusas häuften, fasste die Münchner Theaterpädagogin und Schauspielerin Eileen Schäfer den Entschluss, das Bühnenstück „Der Junge mit dem Koffer“ von Mike Kenny zu überarbeiten und neben professionellen Hauptdarstellern auch Flüchtlinge und Asylbewerber als Laiendarsteller in Nebenrollen ins Stück zu integrieren. „Nur so kann diese Geschichte lebensnah und authentisch sein“, erklärt die Regisseurin.

Zum Inhalt: Um ihren Sohn Naz (Michael Koschorek) vor den Kriegswirren im Heimatland zu schützen, schicken seine Eltern (Judith C. Gorgass und Gregor Schöffmann) ihn alleine auf die gefährliche Reise zu seinem Bruder nach London. Der schwärmt in seinen Briefen von „einem Land aus Milch und Honig“. Auf dem Weg in sieben Etappen trifft Naz das Mädchen Krysia (Janna Ambrosy). Gemeinsam setzen sie die Reise fort, werden von Schleppern betrogen, arbeiten am Hafen unter menschenunwürdigen Bedingungen und kentern bei der Überfahrt in einem überladenen Kutter. Naz kommt in London an und muss erfahren, dass die Welt auf der anderen Seite anders, aber nicht unbedingt besser ist.

Nur ein paar Cargo-Kisten aus Holz dienten als Bühnenkulisse, symbolisierten aufgestapelt eine Gebirgslandschaft oder zusammengeschoben einen Bootsrumpf. Eindrucksvoll und authentisch war die Darstellung der deutschen Schauspielprofis und der ausländischen Laiendarsteller. Teils in Muttersprache gesprochen bekam die Inszenierung Lebendigkeit und Identität. Handlung und Dialoge sind für Altersgruppen von acht bis 80 Jahren gemacht.

Francis Kono aus Sierra Leone spielte die Nebenrolle eines alten Mannes am Hafen. Der 27-Jährige musste 2012 vor den Kriegswirren aus seinem Heimatland fliehen und arbeitet heute in München als Sozialarbeiter. Er fühlt sich in Deutschland zu Hause, aber Sierra Leone bleibt seine Heimat. Agnes Meharie aus Eritrea übernahm die Rolle einer alten Frau. Die 43-Jährige kam 1980 nach Deutschland. Sie wurde mit neun Jahren alleine mit dem Flugzeug nach München geschickt. Ihr Schicksal habe sie nie verstehen können, weiß Eileen Schäfer von ihr. „Erst durch das Mitwirken in diesem Stück ist ihr klar geworden, warum ihre Eltern einst so handeln mussten.“ Mit diesem interkulturellen Theaterprojekt bringt Eileen Schäfer Kulturen zusammen und schafft dadurch Toleranz und Verständnis. „Das war zuerst nicht einfach, weil jeder lernen musste, dass andere anders sind.“ (web)

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