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Mit Heißluftballons verdeutlichten die Gegner die Ausmaße des geplanten Krämmel-Baus. Aus der Ferne ist gut zu erkennen, wie er die Stadt überragt.

Anwohner organisieren Demo gegen Krämmel-Bau

„Schachtelarchitektur in schattigem Loch“

Am Samstag organisierten die Anwohner eine Demo gegen den geplanten Krämmel-Bau am Karl-Lederer-Platz. Hunderte Bürger und Besucher Geretsrieds hörten – und vor allem schauten – sich an, was die Gegner an Argumenten ins Feld führten.

Geretsried – „Hurra“, ruft Peter Tobisch ins Mikrofon. „Wenn man von Süden kommend beim Gasthof Geiger um die Ecke biegt, sieht man den obersten Luftballon. Das neue Wahrzeichen von Geretsried wird alles überragen.“ Ironisch bis polemisch kommentieren die beiden Redner, Peter Tobisch und Dr. Elmar Immertreu, die Zentrumspläne. Der ehemalige FDP-Stadtrat sowie frühere Geschäftsmann am Karl-Lederer-Platz und der Zahnarzt mit Praxis am Lenauweg wurden von der Interessengemeinschaft (IG) Karl-Lederer-Platz für deren Kundgebung am Samstagvormittag engagiert.

Ein Phantomgerüst aus Heißluftballons

Hunderte Bürger und Besucher Geretsrieds hören – und vor allem schauen – sich an, was die Gegner der Zentrumsneugestaltung mit ihrer Sprecherin Eva Eberhardt an Argumenten ins Feld führen. Ein zwar vom Wind verwackeltes Phantomgerüst aus Heißluftballons zeigt dennoch anschaulich die Dimensionen des geplanten Krämmel-Neubaus auf – eines „kolossalen Fremdkörpers“, wie Tobisch das rund 27 Meter hohe Gebäude nennt. „Warum keine Bürgerbeteiligung, warum kein Architektenwettbewerb und warum verscherbelt die Stadt 500 Quadratmeter ihres Tafelsilbers?“, fragt Tobisch. „Andere Städte wären dankbar für so viel Freiraum in ihren Zentren“, meint Tobisch.

Karl-Lederer-Platz verkomme zu einem „feuchten, schattigen Loch“

Die Stadtväter hätten mit Bedacht einen großzügigen Platz angelegt, sagt auch Dr. Immertreu. Der würde nun zu einem „feuchten, schattigen Loch“ verkommen, umgeben von „einfallsloser Schachtelarchitektur“ mit dem „Palais Krämmel“ als Krönung. Es sei nicht zu spät, den Architekten zu wechseln, sagt Immertreu. Er weist auf die Grundwasserproblematik hin, er unterstellt einen „Big Deal“ zwischen Stadt und Investor und appelliert an die Bürger, ihre Einwände gegen den Bebauungsplan bis 13. März im Rathaus einzureichen. Für seine teils recht zugespitzten Ausführungen erhält er immer wieder Applaus von den Zuhörern. Viele von ihnen tragen sich in die ausgelegten Unterschriftenlisten ein.

Schlich: „Hoffentlich gibt es einen Bürgerentscheid“

„Hoffentlich gibt es einen Bürgerentscheid, der das Vorhaben noch kippen kann“, sagt Karin Schlich. Der Geretsriederin, bekannt als Geschäftsführerin des Partnerschaftsvereins Geretsried-Chamalières, wäre eine Bebauung der Böhmwiese lieber als die von Bürgermeister Michael Müller forcierte Urbanisierung des Zentrums. „Wir haben doch eh kaum Plätze in Geretsried“, sagt Schlich.

Rathaus soll nicht hinter Monsterbau verschwinden

Bekennende Kritiker des Krämmel-Turms wie die Ex-Stadträte Ernst Walko und Norbert Junius sowie CSU-Stadtrat und Anwohner Volker Reeh zeigen bei der Demo Flagge. Einige Bürger, die sich bisher nicht so intensiv mit den Plänen der Stadt befasst haben, blicken erschrocken auf das Phantomgerüst. Die meisten jedoch sind recht gut informiert. „Wir haben uns in München mal bewusst siebenstöckige Häuser angeschaut. Da guckt man ewig bis nach oben“, sagt Horst Zeidler. Er und seine Frau Anneliese würden einen schönen großen Rewe oder Edeka, wie er im Erdgeschoss des Krämmel-Baus vorgesehen ist, zwar begrüßen. Das Gebäude sollte ihrer Meinung nach aber zwei Stockwerke weniger haben. „Sonst verschwindet doch das Rathaus ganz hinter diesem Monster“, sagt Anneliese Zeidler. Das Ehepaar hat sich – wie viele andere – nicht nur die Argumente der Gegner angehört, sondern auch die Veranstaltung der Stadt im Rathaus zur selben Zeit besucht. Das dort gezeigte Modell und der „Faktencheck“ hätten sie nicht überzeugt, sagen beide.

Von Tanja Lühr

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