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Eindrucksvoll berichtete Lisa Napiletzki im evangelischen Gemeindehaus über ihre Zeit in Bolivien.

Freiwilligendienst in Südamerika

Arm, aber herzlich

Lisa Napiletzki aus Dietramszell arbeitete 16 Monate in Bolivien und verliebte sich in das Land und seine Menschen.

Wolfratshausen – Bolivien heißt das Land ihrer Sehnsucht: Die 19-jährige Lisa Napiletzki aus Baiernrain in der Gemeinde Dietramszell hat 16 Monate lang als Praktikantin in der Großstadt El Alto verbracht – und sie wird für mindestens drei weitere Jahre dorthin zurückkehren. Warum ihr das ärmste Land Südamerikas und seine Menschen so ans Herz gewachsen sind, das schilderte sie eindrucksvoll beim Nachmittag der Begegnung im evangelischen Gemeindehaus St. Michael.

Nach dem Abitur entschied sich Lisa, mit dem Freiwilligendienst „Weltwärts“ für ein Jahr ins Ausland zu gehen. „Weltwärts“ wird finanziert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. 25 Prozent der Reisekosten sollen die Jugendlichen selbst durch Spenden übernehmen. In diesem Fall hat die evangelische Gemeinde St. Michael, in der sich Lisa engagiert, indem sie unter anderem den Konfirmandenunterricht betreut, den Anteil beigesteuert.

Die 19-Jährige hat sich gründlich und auch kritisch mit den politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen Boliviens auseinandergesetzt. Sie ging in ihrem Vortrag auf die Geschichte des plurinationalen Staats ein, auf Geografie und Klima, auf den nicht unumstrittenen, indigenen Präsidenten Evo Morales und auf Missstände in ihren Augen, wie die legalisierte Kinderarbeit, die laut Regierung „kulturell zu Bolivien gehört“.

Nachdem sie einen Monat lang bei einer Gastfamilie gelebt und dadurch ihr Schul-Spanisch verbessert hatte, zog Napiletzki mit anderen „Weltwärts“-Teilnehmern in eine Wohnung in El Alto. Die Stadt liegt auf 4100 Metern Höhe auf der Hochebene des Altiplano. Durch ein modernes Seilbahnnetz ist sie mit dem rund 500 Meter unterhalb liegenden Regierungssitz La Paz verbunden.

Lisa versah ihren Freiwilligendienst in der Comunidad de Productores en Arte, kurz COMPA, einer Gemeinschaft Kunstschaffender. Die selbst künstlerisch begabte Abiturientin mit den langen Dreadlocks bot Workshops für die Einheimischen für Theater und Zirkus an. Sie vermittelte Kindern mit einer mobilen Schule am Nachmittag spielerisch Mathematik und Sprache. Einmal besuchte sie mit COMPA ein Jugendgefängnis für Mädchen, um mit den Insassinnen ein Kunstprojekt durchzuführen. Die meisten dieser Mädchen seien sexuell missbraucht worden, hätten auf der Straße gelebt und sich alleine durchgeschlagen. „Für die lief richtig viel schief.“ Beeindruckt haben Lisa die Offenheit und Herzlichkeit der Bewohner Boliviens. „Überall, wo ich hinkam, war ich schnell Teil der Familie.“ Sie hat gelernt, dass es selbstverständlich ist, sein Essen immer und überall zu teilen, auch wenn man arm ist. Sie erzählte: „Wenn ich einkaufen ging oder mir an einem der vielen Straßenstände etwas bestellte, nahm ich immer lieber mehr, um etwas abgeben zu können.“

Nach einem kurzen „Urlaub“ daheim bei ihrer Familie in Baiernrain wird Lisa in das Land ihrer Sehnsucht zurückkehren. Sie will von Bolivien aus ein Fernstudium für Kulturwissenschaften in Deutschland aufnehmen und gleichzeitig in El Alto Gesang studieren.

Tanja Lühr

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