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Geschlossen für die Öffentlichkeit: Nur noch Vereine, Organisationen und Schulen dürfen das Ascholdinger Hallenbad nutzen. Bürgermeisterin Leni Gröbmaier rechtfertigt diese Entscheidung.

Abschied auf Raten

Ascholdinger Hallenbad: Warum nur noch Vereine rein dürfen

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Die Gemeinde Dietramszell hat die Öffentlichkeit aus dem maroden Ascholdinger Hallenbad ausgeschlossen.

Ascholding – Anfang Januar hat die Gemeinde Dietramszell das Ascholdinger Hallenbad bis auf weiteres für den öffentlichen Badebetrieb dicht gemacht. Nur Vereine und Organisationen wie die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und die Wasserwacht sowie einige Schulen, die die Einrichtung bislang außerhalb der öffentlichen Badezeiten nutzten, dürfen weiterhin zum Schwimmen kommen. Sie sorgen nämlich selbst für die Sicherheit im Bad.

Die Entscheidung begründete Bürgermeisterin Leni Gröbmaier mit dem zunehmenden Pflege- und Wartungsaufwand in dem altersschwachen Bad, der „vom vorhandenen Personal nicht mehr zu leisten“ sei. Die Rathauschefin setzt voll auf das neue interkommunale Hallenbad in Geretsried, das im September 2020 in Betrieb gehen soll. „Wir hoffen, dass wir uns dort in eineinhalb Jahren in die Wellen stürzen können.“

Sepp Floßmann mag sich mit der aktuellen Regelung nicht anfreunden. In einem Leserbrief an unsere Zeitung machte der Öhnböcker seinem Unmut Luft: „Wir finden es echt traurig, dass hier die Ascholdinger Badegäste, obwohl vom Förderverein schon so viel für den Erhalt des Schwimmbades gemacht wurde, einfach so abserviert werden.“ Dabei habe Bürgermeisterin Gröbmaier einst „versprochen, das Ascholdinger Hallenbad bis zur Eröffnung des neuen Geretsrieder Bads auch für die Allgemeinheit weiterzubetreiben“. Nun habe sich die Gemeinde „schön aus der Affäre gezogen“.

Enttäuscht ist nicht nur der passionierte Badegast Floßmann. Franz Kappelar, bis vor gut zwei Jahren Vorsitzender des Vereins zum Erhalt des Ascholdinger Hallenbads empfindet das Vorgehen der Gemeinde als „bodenlose Frechheit“. Seine Mitstreiter und er hätten „zwei Jahre lang Gas gegeben wie die Ochsen“, um das Bad zu retten. Er selbst, von Beruf Malermeister, habe während der Ferien über sechs Wochen das Gebäude komplett gestrichen. Nur die Materialkosten habe er sich erstatten lassen – vom Förderverein, der viele Spenden gesammelt hatte.

Für ein anderes Mitglied des Vereins, das seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, liegt der Fall klar: Rathauschefin Gröbmaier habe sich früh, „zu früh in meinen Augen“, auf die Idee der ehemaligen Geretsrieder Bürgermeisterin Cornelia Irmer eingelassen, ein interkommunales Bad für den Nordlandkreis zu bauen. „Und dann konnte und wollte sie nicht mehr zurückrudern, damit sie ihr Gesicht nicht verliert.“

Gute Argumente pro Ascholding hätten da nicht mehr gezogen – „und die hatten wir. Nach unseren Berechnungen hätte sich das Bad, ob saniert oder als Neubau, mindestens mit einer schwarzen Null betreiben lassen.“ Aber das sei jetzt alles Schnee von gestern.

Auf dem Papier existiert der Förderverein zwar noch, doch wohl nicht mehr lange. „Wir befinden uns in Auflösungsverhandlungen“, sagt Kappelars Nachfolger, Robert Hecher, auf Nachfrage. Ansonsten mag sich der Noch-Vorsitzende nicht mehr groß zu dem Fall äußern, „denn die Sache ist durch“.

Leni Gröbmaier widerspricht der Darstellung, sie habe etwas versprochen. „Ich habe immer gesagt, wir werden uns bemühen, das Bad für alle offen zu halten – solange die Kosten dafür nicht zu hoch werden.“ Die aber lägen mittlerweile deutlich im fünfstelligen Bereich. Hinzu kämen Sicherheitsaspekte und Auflagen des Gesundheitsamts für das marode Bad, „die kaum noch zu erfüllen sind“.

Den Vorwurf aus dem Förderverein – vor dessen ehrenamtlicher Arbeit sie im Übrigen „höchsten Respekt“ hat –, sich zu früh für Geretsried stark gemacht zu haben, lässt die Bürgermeisterin ebenfalls nicht auf sich sitzen. Sie habe es als ihre Verantwortung angesehen, „sicherzustellen, dass die Leute vom Kinder- bis zum Seniorenalter im Nordlandkreis zum Schwimmen gehen können“. Ob das in Ascholding oder im nahen Geretsried der Fall ist, „war nachrangig. Aber Geretsried war letztlich die einzig reale Chance.“

peb

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