Es war eine Art Heimspiel: Gerhard Polt trat am Montagabend in der neuen Abo-Reihe seines Freundes Michael Well (hinten re.) beim Lacherdinger auf. foto: Hans Lippert

Kabarett

Gerhard Polts Heimspiel in Ascholding

In Michael Wells Abo-Programm „Literarisches Wirtshaus“ glänzt die Kabarett- und Komikerlegende Gerhard Polt.

Ascholding Der Mann war offensichtlich unter Freunden. Er ging von Tisch zu Tisch, schüttelte Hände, plauderte kurz. Gerhard Polt in Ascholding – das war ein Heimspiel. Schließlich wohnt hier Michael Well, einst Mitglied der Biermösl-Blosn. Gemeinsam haben sie Kabarettgeschichte geschrieben. In Wells neuem Abo-Programm „Literarisches Wirtshaus“ war Polt eine große Nummer, der Saal beim Lacherdinger war voll.

Man versteht sich also, nicht nur abseits, sondern auch auf der Bühne. Gerhard Polt übernahm den Part der One-Man-Show, Michael und dessen Junior Matthias Well begleiteten ihn musikalisch. Bayerische Volksmusik, Walzer und traditionelle irische Musik: All das gaben Vater und Sohn zum Besten, ja zum Allerbesten. Polt kommentierte dies mit einem trockenen: „Sehr schön gleichzeitig gespielt.“ Was Pointensicherheit angeht, stand ihm Well senior kaum etwas nach. Die Drehleier etwa stellte er so vor: „Ein veganes Instrument. Das sind zwar Darmseiten, aber von der Bio-Sau.“ Wer kurz die Augen schloss, konnte vergessen, dass da oben nur eine einzige Person stand. Gerhard Polt wechselte von Dialekt zu Dialekt, wanderte durch alle Stimmlagen und variierte vom Flüstern zum Schreien – all das natürlich im höchsten Tempo. Doch so viel auch geredet wurde: Es führte zu nichts, jedenfalls nicht zur Verständigung. Zu besichtigen waren Paradebeispiele gescheiterter Kommunikation, etwa beim zehnminütigen Dialog zwischen hysterischer Ehefrau und arrogantem Sportwagenbesitzer. Und zum Schreien komisch war es auch.

Zum Ende des zweiten Programmteils tischte Gerhard Polt das Radiointerview mit einem „Alkoholsportler“ auf. „Nun erzählen Sie doch mal von sich. Es würde unsere Leser so interessieren, wenn Sie doch schon mal hier sind“, forderte die vorlaute und aufdringliche Moderatorin des Senders. Nach weiteren Bitten, die den Gesprächspartner des Interviews kaum zu Wort kommen lassen, wurde das Geheimnis des „Alkoholsports“ gelüftet. „Wir kämpfen für faires Einschenken und einen Alkoholgenuss mit möglichst wenig Entgleisungen.“

Als Zugabe las der berühmte Gast aus einem seiner Bücher den „Sandkuchen“, in dem ein Bub bei seinem Klassenkameraden eingeladen ist. Die Mutter ist stolz auf ihr Kuchenrezept. Das Kind wagt aus Höflichkeit nicht, die staubtrockene Leckerei abzulehnen. Schließlich macht sich der Bub, mit den Nerven völlig am Ende, auf den Heimweg. „Schau, ich hab’ Dir den Rest noch eingepackt. Aber heute noch essen, der wird sonst trocken.“ Donnernder Applaus. Worauf sich Gerhard Polt verbeugte und eine letzte Pointe setzte: „Vielen Dank für dieses Geräusch.“

Leonora Mitreuter

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