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Über den Dächern von Wolfratshausen: Die Flößerstadt ist seit eineinhalb Jahren die neue Heimat von Viola Leboane, ihrer Tochter Fabiona und Ehemann Donald. Die Familie ist aus ihrer Heimat Botswana in Afrika geflüchtet.

Viola Leboane

Die Flüchtlingshelferin

Wolfratshausen - Als Viola Leboane (26) im September 2012 nach Wolfratshausen kam, kannte sie weder die Stadt noch konnte sie die Sprache. Heute unterhält sich die Afrikanerin in fließendem Deutsch und engagiert sich selbst für Asylbewerber.

Zwei Bus- und Bahnfahrkarten stehen den 81 Asylbewerbern zur Verfügung, die derzeit in der Flößerstadt untergebracht sind. Dafür, dass die Karten dort hinkommen, wo sie gebraucht werden, und wieder zurück, ist Viola Leboane zuständig. Wenn sich einmal pro Monat der ehrenamtliche Helferkreis trifft, sitzt die 26-Jährige ebenfalls mit am Tisch. Und nebenbei organisiert die Afrikanerin das interkulturelle Sommerfest, das diesen Donnerstag im Garten der Stadtbücherei stattfindet. Leboane ist selbst Asylbewerberin. Doch das hält sie nicht davon ab, aktiv zu werden.

Über Zwischenstopps nach Wolfratshausen

2012 ist Leboane mit Ehemann Donald (31) und Tochter Fabiona (5) nach Deutschland geflüchtet. Über Zwischenstopps in Stuttgart und München kamen sie nach Wolfratshausen. Kurz nach dem ersten Treffen mit der Heimatzeitung ist die Familie aus ihrem Hotelzimmer im Humplbräu ausgezogen. Nun dürfen sie eine Zwei-Zimmer-Wohnung in der Caritas-Obdachlosenunterkunft quasi ihr Eigen nennen. Viola weiß ihr Glück zu schätzen. „Ich finde es toll, hier zu wohnen“, sagt sie. „Es erleichtert uns das Leben. Ich komme nach Hause und kann abschalten.“

Leboane liebt es, durch die Altstadt zu spazieren. Sie ist gerne unter Leuten. Das ist ihre Art. Andere Flüchtlinge mögen anders sein. Aber das ist in Ordnung, denkt die Botswanerin. Viele sehen sie wegen ihres Engagements und ihrer Offenheit als Vorbild. Leboane ist die Rolle unangenehm. „Jeder muss seinen Weg gehen“, meint sie.

Sie spricht fließend Deutsch

Im Bürgercafé, das die Caritas vor einigen Wochen ins Leben gerufen hat, ist die junge Mutter Ansprechpartnerin für alle Flüchtlinge. Menschen acht verschiedener Nationalitäten finden bei dem Brunch am Dienstag zusammen: Syrier, Nigerianer, Afghanen, Iraker, Mazedonier, Tschechen und Flüchtlinge aus Sierra Leone. Bei gefüllten Weinblättern, Couscous, Fladenbrot und selbst gemachtem Käse plaudere man über Allerweltsthemen. „Wir reden über Rezepte, Make-Up, Outfits und sagen uns, Du hast die Haare toll“, witzelt Leboane. Dinge, die Frauen eben beschäftigt.

Deutsch ist beim Bürgercafé sozusagen Pflicht. Zwar beherrschen die Sprache noch nicht alle so gut wie Viola. „Aber mit Händen und Füßen geht das schon“, erklärt sie. Die 26-Jährige und ihr Mann sprechen nach zwei Jahren fließend deutsch. Fabiona kommt dieses Jahr in die Schule, einen Akzent hört man dem Mädchen kaum an. Unterricht bekommt ihre Mutter von einer pensionierten Lehrerin. Einmal die Woche besucht Leboane zusätzlich den Kurs „Mama lernt Deutsch“. Für die Afrikanerin ist das selbstverständlich. „Es ist nicht einfach, mit den Leuten hier zu diskutieren, wenn man kein Deutsch kann“, erklärt sie. Elternabende, Briefe beantworten – für all das brauche man Deutsch.

Ihr Traum ist ein Medizinstudium

Für ihre Zukunft wünscht sich Leboane, dass sie und ihr Mann eine Anstellung finden. Die Suche gestalte sich schwer, viele Arbeitgeber seien ihnen gegenüber nicht offen. Die Afrikanerin möchte im Gesundheitswesen Fuß fassen, vielleicht als Krankenschwester- oder pflegerin arbeiten. Ein Medizin-Studium war schon immer ihr Traum. Ehemann Donald hat in Botswana als Manager in einem Unternehmen gearbeitet.

Dem Asylantrag der Leboanes wurde noch nicht stattgegeben. Alle drei Monate wird ihr Visum verlängert. Das Leben in Ungewissheit belaste die Familie. Trotzdem ist Viola Leboane voller Zuversicht: „Ich habe ein gutes Gefühl, dass alles gut werden wird.“

Alessandro Capasso

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