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Neues Zuhause: Im Februar des vergangenen Jahres bezogen Flüchtlinge die Sammelunterkunft am Robert-Schumann-Weg. Die Zahl der Asylbewerber wird sich von derzeit 130 in absehbarer Zeit auf 400 erhöhen. Unterkünfte müssen aber erst noch gebaut werden.

CSU-Stammtisch in Gelting

Asylunterkünfte in Gewerbegebieten ?

Gelting – Die Diskussion über die stetig wachsende Zahl an Flüchtlingen und deren Unterbringung dominierte den Stammtisch des CSU-Ortsverbands im Geltinger Gasthof Neuwirt. Dass rund 40 Politikinteressierte am Sonntag den Weg dorthin fanden, war nicht nur für den Ortsvorsitzenden Ewald Kailberth eine positive Überraschung.

Den CSU-Ortschef stört, dass viele Bundestagsabgeordnete die Schaffung von Wohnraum fordern, aber „keine Lösungen anbieten“. Dritter Bürgermeister Gerhard Meinl (CSU) sieht das genauso: „Wir werden einen wahnsinnigen Wohnbau-Druck haben. Eigentlich bräuchten wir – wie damals in der Nachkriegszeit – einen Hochkommissar, der klare Anweisungen gibt.“ Die Flüchtlingskrise lasse sich seiner Ansicht nach nur mit vereinten Kräften auf gesamteuropäischer Basis lösen. In diesem Zusammenhang vermisst Meinl eine Stellungnahme des Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker, der sein Augenmerk zu sehr auf die griechische Schuldenkrise lege. Dass das Krisenmanagement im Landkreis ganz gut funktioniere, sei vor allem Landrat Josef Niedermaier und „umsichtigen Bürgermeistern“ wie Michael Müller zu verdanken.

Der CSU-Ratshauschef legte daraufhin in einem leidenschaftlichen Monolog dar, welche Herausforderungen Geretsried und der Landkreis demnächst zu schultern haben. Bis zum Jahresende werden voraussichtlich 2000 Asylbewerber im Landkreis leben. In Geretsried werde sich die Zahl auf absehbare Zeit von derzeit 130 auf 400 Flüchtlinge erhöhen. „Wenn die Entwicklung so weiter geht, könnten es bald 1700 sein. Das entspräche in etwa der Bevölkerungszahl des Ortsteils Gelting“, prognostizierte Müller. Da im Außenbereich der Stadt nicht gebaut werden könne und auch der staatlich geförderte soziale Wohnungsbau aufgrund der niedrigen Zinsen stagniere, müsse auch über die Unterbringung in Gewerbegebieten nachgedacht werden. „Wir sind schon in konkreten Gesprächen. Mehr darf ich aber noch nicht verraten“, erklärte der Bürgermeister. Die Ausweisung von so genannten Mischgebieten, in denen Asylbewerberunterkünfte in direkter Nachbarschaft zu Handwerkbetrieben angesiedelt werden, ist für ihn unabdingbar. Eine Zukunftsvision, mit der sich Franz Wirtensohn nicht anfreunden mochte. „Das kann es nicht sein. So locken wir keine neuen Betriebe in die Stadt“, befürchtete der Stadtrat. Ebenso wie Wirtschaftsreferent Volker Reeh regte er an, die Infrastruktur von Jugendherbergen, wie sie zum Beispiel in der Jugendsiedlung Hochland in Königsdorf vorhanden sei, zu nutzen.

Einig waren sich die Stammtischbesucher darüber, dass eine Belegung von Turnhallen und eine damit einhergehende Beeinträchtigung des Schulsports keine Dauerlösung sein könne. Gerhard Knill von der Mittelstandsunion forderte die Bundesregierung zudem auf, auch leer stehende Kasernen in Betracht zu ziehen. Wenn dies wie beispielsweise in Lenggries am Widerstand der örtlichen Entscheidungsträger scheitere, sei dies bedauerlich. Stadtrat Reeh stieß ins gleiche Horn: „Geretsried und die anderen Kommunen sind nun aufgefordert, Lösungen finden.“ 

Peter Herrmann

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