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Für eine Legalisierung von Cannabis warb die Grüne Jugend – zum Teil kostümiert – am Sonntagnachmittag auf dem Karl-Lederer-Platz. 

Grüne Jugend wirbt in Geretsried für die Legalisierung von Cannabis

Aufklärung im Joint-Kostüm

Geretsried - Die Grünen und mit ihnen die Grüne Jugend wollen Cannabis legalisieren. Erste Station ihrer deutschlandweiten Aufklärungstour war am Sonntagnachmittag der Karl-Lederer-Platz.

Den ganzen Nachmittag über standen Bundes- und Landesvertreter der Grünen Jugend (GJ) gemeinsam mit den Mitgliedern des neu gegründeten Kreisverbands Bad Tölz-Wolfratshausen in der Hitze. Sie verteilten Flugblätter und Hanfkekse und luden Passanten zur Diskussion mit ihnen ein. In den kommenden Wochen werden die jungen Grünen mit ihrer Kampagne von Traunstein bis Kiel unterwegs sein.

Die Bayern-Vorsitzende Eva Lettenbauer und der Bundessprecher Erik Marquardt hatten sich in Geretsried tapfer in ein Joint- und ein Hanfpflanzen-Kostüm geworfen. Cannabis sei ein uraltes Rausch- und Heilmittel, welches trotz seiner nachgewiesen deutlich schwächeren gesundheitsschädigenden Wirkung im Gegensatz zu Alkohol und Tabak illegal sei, erklärte der GJ-Kreissprecher Simon Fichtner. Er kritisierte, dass für Anbau, Besitz und Verkauf in Bayern Strafen bis hin zu Gefängnis drohen. Im Gegensatz zu den jährlich 100 000 Toten durch Tabak- und 40 000 Toten durch Alkoholkonsum sei bisher „weltweit noch kein einziger von Cannabis-Konsum verursachter Tod festgestellt worden“. Der Gelegenheitskiffer werde als kriminell stigmatisiert und auf einen Schwarzmarkt gedrängt, der weder auf den Jugendschutz achte noch unter staatlicher Kontrolle stehe, so Fichtner. „Gras“ werde von Dealern mit schädlichen Stoffen gestreckt, dem Staat würden riesige Mengen an Steuern entgehen, während die Strafverfolgung Millionen Euro koste.

„In anderen Ländern wie den Niederlanden oder Teilen der USA wurde Cannabis deshalb legalisiert“, fügte die Bundesvorsitzende der Grünen Jugend, Theresa Kalmer, hinzu. „Eine Legalisierung soll niemanden zum Kiffen motivieren, sondern Verbraucher schützen, kranken Menschen den Zugang zu Cannabis erleichtern, Verbrechen bekämpfen und Steuereinnahmen akquirieren“, fasste sie zusammen. Selbst ein ehemaliger Suchtberater bei der Caritas, der Geretsrieder Grüne Walter Winzker, hat sich der Kampagne angeschlossen. „Eine kontrollierte Abgabe wie in den holländischen Coffeeshops halte ich für weniger gefährlich als den blühenden Schwarzhandel“, sagte er.

Zwei junge Männer, die am Stand stehenblieben, beide nach eigenen Angaben 18 Jahre alt und aus Geretsried stammend, erzählten im Gespräch mit unserer Zeitung freimütig, dass es „mit den entsprechenden Kontakten“ leicht sei, an Haschisch zu kommen. Sie würden gelegentlich an den Wochenenden einen Joint rauchen, bekannten sie. Könnten sie Cannabis legal in dafür vorgesehenen Geschäften erwerben, wäre ihnen das lieber.

Der ehemalige Gymnasiast Simon Fichtner (19) kritisierte, dass Suchtexperten an den Schulen Drogen „extrem schlecht reden“ würden anstatt neutral über sie aufzuklären. Das verstärkt seiner Meinung nach nur „den Reiz des Verbotenen“. Theresa Kalmer glaubt, dass die Zeit für eine Legalisierung von Cannabis jetzt reif sei. Der Grünen-Chef Czem Özdemir hatte im Frühjahr ein Gesetz zur Legalisierung von Cannabis in den Bundestag eingebracht. Die Parteien der Regierungskoalition lehnten den Entwurf jedoch ab.

Tanja Lühr

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