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Steinmetz in Icking: Seit einem Jahr und drei Monaten lebt der Syrer Firass Abduhlrahman in der Gemeinde – und arbeitet an einem Kunstwerk. 

Geschenk für die Gemeinde

Aus Dankbarkeit: Syrer meißelt Kunstwerk

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Es gibt viele Arten, seine Dankbarkeit zu zeigen. Der Syrer Firass Abduhlrahman hat seine Verbundenheit mit Icking auf besondere Weise zum Ausdruck gebracht: Er hat ein kleines Kunstwerk aus Marmor geschaffen. Am Montag wird es im Ickinger Rathaus enthüllt.

Icking – Die syrische Stadt Aleppo war voll mit kleinen Kunstwerken von Firass Abdulrahman (29). Filigrane Brunnen, Türen, Kamine, alle wunderbar verspielt, jedes eine Augenweide. Auf seinem Handy hat Firass 2000 Fotos von seinen Werken, Erinnerungen an ein friedliches, glückliches Leben in seiner Heimat. Der Krieg und die Bomben setzten dem das brutaltmögliche Ende. Fariss’ Kunst liegt längst in Trümmern, er selbst trat die Flucht an. Über den Jemen, die Türkei und Griechenland kam der Steinmetz nach Icking, gemeinsam mit seiner Mutter Amina (47), seiner Frau Nura (20), Tochter Amira (1) und Sohn Can (drei Monate alt).

Firass: „Alle Menschen hier sind freundlich, Icking ist auch mein Dorf“

Das ist jetzt ein Jahr und drei Monate her. Dass er und seine Familie in Icking mit so offenen Herzen empfangen wurde, macht ihn glücklich. „Alle Menschen hier sind freundlich, Icking ist auch mein Dorf“, sagt Firass, der mittlerweile sehr gut deutsch spricht – eine Verständigung mit ihm ist ohne weiteres möglich. Firass wollte es nicht bei Worten belassen. Statt dessen besann er sich auf sein Handwerk und meißelte zum Dank ein kleines Kunstwerk aus portugiesischem Marmor, den er in Starnberg gekauft und aus eigener Tasche bezahlt hat. Wie es aussieht, wird noch nicht verraten, nur so viel: Es vereinigt Elemente seiner alten und neuen Heimat. Es wird bei der nächsten Gemeinderatssitzung enthüllt. Und es wird einen Ehrenplatz bekommen.

Claudia Roederstein: „Sie sind ein Musterbeispiel an Integration“

Claudia Roederstein vom Helferkreis ist voll des Lobes über die Familie. „Sie sind ein Musterbeispiel an Integration“, sagt sie. Mutter Amina arbeitet für die Gemeinde als Küchenhilfe und ist außerordentlich beliebt. Firass würde gerne hier bleiben, weil ihm der Glauben fehlt, dass in Syrien jemals die Waffen schweigen werden. „In meiner Heimat wird niemals Frieden sein“, sagt er.

Chancen, dass die Familie bleiben darf, stehen nicht schlecht

Einen Teil seiner Familie musste Firass zurücklassen. Ein Bruder etwa lebt im Irak. Er ist kürzlich vom Gerüst gefallen, und niemand wusste, wie es um ihn steht, der Kontakt war nur sporadisch. Inzwischen gibt es Entwarnung: Knie und Schulter sind verletzt, doch dank Medikamenten geht es dem Bruder gut. Die Chance, dass Firass und seine Familie in Icking bleiben dürfen, stehen nicht schlecht. Natürlich würde er am liebsten wieder in seinem alten Beruf arbeiten. In Aleppo hat der Beruf eine große Tradition, alle Steinmetze wohnten in einer Straße. Das ist in Deutschland anders. Vielleicht ist München eine Option für ihn.

Firass: „Ich habe mein eigenes System“

Derzeit arbeitet der Neu-Ickinger an einem weiteren kleinen Werk. In einer Garage an der Ludwig-Dürr-Straße gestaltet er für eine befreundete Familie ein Wappen. Firass benutzt dafür nicht nur Hammer und Meißel, sondern auch elektrisch betriebene Apparate. „Ich habe mein eigenes System“, sagt er. Deswegen arbeitet er schneller als herkömmliche Steinmetze. Für den Marmor, der am Dienstag im Rathaus enthüllt wird, brauchte er zwei Wochen, jeder Arbeitstag hat sieben bis acht Stunden. Mit Hammer und Meißel hätte er wohl Monate gebraucht. Firass Abdulrahman ist also nicht nur ein Flüchtling, der seiner Gemeinde auf spezielle Weise danken will. Ein schneller Arbeiter ist er also auch noch.

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