Ausverkauf im Humbacher "Schatzkästlein"

- Theaterhof bietet Kostüme und Requisiten zu Schleuderpreisen - Laienspieler profitieren

Dietramszell - "Brauchen wir eine Sphinx?", fragt ein Schauspieler per Handy bei seinem Theaterverein an. Im Theaterhof Humbach herrschte gestern Nachmittag noch einmal Hochbetrieb. Wenige Tage vor der endgültigen Schließung öffnete die Kammeroper ihren Fundus zum großen Ausverkauf. Denn bis zur Gebäudeübergabe am 1. August müssen alle Kostüme und Requisiten verschwunden sein.

Kerzenleuchter, Perücken, Hüte, Kronen und riesige Berge farbenprächtiger Kleider: Zum Schnäppchenpreis gingen die Überreste von 16 Jahren Operngeschichte über den Verkaufstisch. Da sah man die riesigen Reifröcke der Krenolinenkleider aus "Sissi", einen bunten Drachen aus der "Zauberflöte", Römerkostüme aus "Titus", Orientalisches aus "Aida". Junge Mädchen marschierten lächelnd in reich bestickten Taftkleidern vor dem Spiegel auf und ab. "Das gibt`s doch nicht. Sänger sind doch auch beleibt", ärgerte sich dagegen ein älterer Mann bei der Anprobe.

Besonders Laientheater nützten den Ausverkauf. So hatte auch Hermann Paetsmann von der "Loisacher Bauernbühne" den Weg nach Humbach gemacht. Sein Auftrag: Kostüme für den Wolfratshauser Jubiläumsumzug besorgen.

Kaum ein Lächeln sah man allerdings auf den Gesichtern der Theatermitarbeiter. Ihnen mag der Ausverkauf wie das Fleddern einer wunderschönen Leiche vorgekommen sein. Theaterleiter Marc Andre Angelini gibt sich stoisch: "Es ist eben Schicksal." Beim Rückblick auf die Jahre erfolgreicher Theatergeschichte wird er dann aber doch sehr sehr traurig. "Nach dem Ärger des Tages kamen die Leute zu uns und gingen glücklich wieder hinaus," sagt er und nennt das Theater ein "Schatzkästlein". Dass es jetzt allein wegen des Fehlens von Fördergeldern sterben muss, ist für ihn ein "Armutszeugnis". Denn über einen Mangel an Besuchern konnte sich die kleine Oper niemals beklagen. Auch die heutige Vorstellung ist wieder komplett ausverkauft.sog

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