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Allein mit seinen Blumen: Josef Holzer darf seinen Betrieb in Gelting – wie alle Gärtnereien auch – wegen der Corona-Krise nicht öffnen. 

„Bei uns geht jetzt die Hochzeit los“

In der Blütezeit geschlossen: Gärtner bangen um Kerngeschäft

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Trotz voller Gewächshäuser dürfen Gärtnereien ihre Waren nicht verkaufen. Sie bangen nun um ihr Kerngeschäft. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Hofläden dürfen auch in Coronazeiten ihre Waren verkaufen. Auf Gärtnereien trifft das nicht zu. Dabei sind die Gewächshäuser voll mit Salatpflanzen und Frühlingsblühern. Das Agrarteam der Grünen im Landtag, dem auch der Eurasburger Hans Urban angehört, stellt sich in einem Offenen Brief an Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber hinter die Betriebe. Die Gärtner im Landkreis begrüßen diesen Vorstoß.

Gärtnereien voller Salatpflanzen und Frühlingsblumen

Der Verkauf von Pflanzen, Saatgut und Gemüsesetzlingen sei ein Saisongeschäft, das mit Frühlingsbeginn starten müsse und einen großen Teil des Jahresumsatzes in den Gärtnereien ausmacht, heißt es in dem Schreiben. Während Tankstellen und Lebensmittelmärkte Pflanzen, Schnittblumen und Kräuter weiterhin verkaufen dürften, müssen Gärtnereien um ihr Kerngeschäft bangen.

Coronavirus: Gärtnereien bangen um Kerngeschäft

 Im Sinne der Gleichbehandlung müsse das geändert werden. Urban ergänzt: „Natürlich steht der Gesundheitsschutz in diesen Zeiten an erster Stelle, das ist keine Frage. Doch bei Einhaltung aller nötigen Sicherheits- und Hygieneregeln sollte es unseren Gärtnereien erlaubt sein, ihre Läden zu öffnen.“ Denn viele Betriebe würden im Frühjahr 50 bis 70 Prozent ihres Jahresumsatzes erwirtschaften, deren Existenz dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden.

„Bei uns geht jetzt die Hochzeit los“

„Bei uns geht jetzt die Hochzeit los“, bestätigt Josef Holzer aus Gelting. Zwar habe man auf die Schnelle einen Lieferdienst organisiert. „Aber das Impulsgeschäft fehlt“, sagt Holzer und seufzt. Die vorübergehende Schließung treffe ihn hart. „Zum Glück dürfen wir noch auf den Friedhöfen arbeiten.“ Dort werden Gräber und Schalen bepflanzt.

Gar nicht gern hält der Senior-Chef an der Tankstelle an – denn dort dürfen Blumen verkauft werden. „Das tut schon weh.“ Dankbar ist der 61-Jährige für die Unterstützung, die ihm durch andere Geschäftsleute widerfährt. „Die sind an mich herangetreten und haben mir angeboten, Blumen zu verkaufen.“

Unterstützung von anderen Geschäftsleuten

Dazu zählen der Hofladen Donibauer in Geretsried, der Edeka-Supermarkt in Beuerberg und die Metzgerei Packlhof in Eurasburg. Holzer: „Das rechne ich ihnen hoch an.“

Corona hin oder her: Die Pflanzen in den Gärtnereien wollen weiter versorgt werden. „Es muss alles gegossen, gestutzt und gedüngt werden“, berichtet Claudia von Jagemann. Die Geschäftsfrau aus Thanning bietet seit zwei Wochen ebenfalls einen Lieferdienst im Umkreis an. „Das Echo ist positiv“, sagt die 58-Jährige. Zehn bis zwölf mal rücken die Mitarbeiter ihrer Gärtnerei mit Blumen aus. Bezahlt wird bargeldlos – auf Rechnung. Dass die Gärtnerei derzeit geschlossen ist, werde nicht von jedem akzeptiert. Es komme schon vor, dass jemand vor dem Tor steht, so die Thanningerin. „Da stößt man manchmal auch auf Unverständnis, wenn man nichts verkaufen kann.“

Bargeldloser Pflanzen-Lieferdienst

Wenigstens ein bisschen was kann Wolfgang Epp vor den Toren seiner Gärtnerei verkaufen. Dort stehen Nahrungsmittel – Salatpflanzen, Gewürze und Kräuter – auf einer Stellage. Wer mit dem Auto vorfährt, der hupt. Anschließend werde das Gewünschte von einem Mitarbeiter in den Kofferraum gelegt und die Ware bezahlt. Gerne hätte er seine Blumen wie bei einer Selbstpflückanlage mit Kasse angeboten. 

Aber das habe ihm das Landratsamt nicht gestattet. So setzen sich auch die Mitarbeiter der Gärtnerei ins Auto und liefern aus. Aber von diesen Einnahmen könne er nicht mal die Löhne seiner Angestellten bezahlen. Eine kleine Einnahmequelle hat Epp noch in Lenggries aufgetan. Dort verkauft die Bäckerei Kellner Frühlingsblüher aus Reichersbeuern. „Das ist nicht der Riesenumsatz, aber besser als gar nichts.“

Anstatt wegwerfen: Pflanzen verschenken

Liebend gern würden alle drei ihre Gärtnerei so schnell wie möglich wieder öffnen. „Wir könnten das so gestalten, dass sich die Leute relativ gefahrlos begegnen“, versichert Claudia von Jagemann. „Eine Woche vor Ostern müssten wir geräumt sein“, meint Josef Holzer mit Blick auf den Frühsommer. „Je früher, desto besser“, so der Wunsch von Wolfgang Epp. Um nicht so viele Pflanzen wegwerfen zu müssen, verschenkt er sie an eine Reha-Klinik. „Dann freuen sich wenigstens die Patienten darüber.“

nej

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