"Bärenkraft des Gebirglers"

- Beeindruckender Filmabend über hartes Flößerhandwerk

VON JASMIN MAHADEVAN Wolfratshausen - Eine filmische Rarität präsentierte der Historische Verein am Donnerstagabend: Das älteste erhaltene Dokument über die Flößerei auf Isar und Loisach, das nur diese eine Mal gezeigt wurde. Der Bedeutung des Films entsprechend quoll der Evangelische Gemeindesaal über von Menschen, die sich teils auf Stühlen, Seitentischen und Pulten zusammendrängten, teils bis in den Gang hinaus standen. Somit gab der Abend auch Aufschluss über den Ehrenplatz, den die Flößerei noch immer im Herzen vieler Wolfratshauser hat.

"Überwältigend" nannte Vereinsvorsitzende Dr. Sybille Krafft diese Resonanz. Sie hatte den alten Schulfilm, vom den nur noch wenige Kopien erhalten sind, bei einem Oberpfälzer Sammler entdeckt. Da ungeklärt sei, wer die Rechte daran besitzt, habe sie schriftlich versichern müssen, "den Film nur einmal, ohne Gebühr und im Rahmen der Erwachsenenbildung zu zeigen". Den Anwesenden bot sich also ein einmaliges Schauspiel.

12 Minuten ist der Stummfilm lang, dessen Sequenzen Krafft auf "die Zeit zwischen 1924 und 1933" datierte. Aufschluss darüber gaben etwa das im Film sichtbare Mühltal-Kraftwerk, dessen Bau 1924 abgeschlossen wurde, und die alte Tölzer Brücke, die nur bis 1934 stand. Zu sehen ist die Fahrt zweier Flößer von der Wallgauer Einbindestelle bis zur Münchner Lände in Thalkirchen. Wie der Film zeigte, hat sich die Technik des Floßbaus nicht geändert. "Daran ist nichts zu verbessern", begründete Josef Seitner, selbst Flößer in vierter Generation.

Die damals reißende Kraft der Isar beeindruckte die Zuschauer hörbar. "Schau, die Lederhos`n", "Die lange Pfeif`n" - die Kleidung des beiden Flößer weckte Erinnerungen. Für Lacher sorgte das auf dem Floß mitgeführte Radl für die Heimfahrt und das Schild "Zur Wirtschaft", das den Männern in Thalkirchen den Weg zur Einkehr wies. Auch der Begleittext zum Schulfilm, den Krafft vorlas, amüsierte: Der Flößer benötige, hieß es da, "die stämmige Bärenkraft des Gebirglers". In der abschließenden angeregten Diskussion beeindruckte Josef Seitner mit bildreichen Geschichten aus dem Leben seiner Zunft.

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