Unaufhaltsam: Wird die S-Bahn bis nach Geretsried verlängert, stehen die Fußballer des FC Geretsried auf verlorenem Posten. Ihr Vereinsheim und ihr Sportplatz auf der Böhmwiese müssten für die Trasse weichen. Fotomontage: sabine hermsdorf

Die Bahn ist am Zug

Geretsried - Wenn die S-Bahn-Verlängerung kommt, wird es Heimatlose geben. Die Mitglieder des FC Geretsried beispielsweise.

Ihr Vereinsheim und ihr Platz auf der Böhmwiese würde es dann nicht mehr geben. Das Areal müsste an die Bahn abgetreten werden. Und dann? Wohin? Dietmar Garreis, Vorsitzender des FC Geretsried weiß es nicht. „Es gibt noch keine Pläne, und es wäre sehr schade, wenn wir unseren schönen Platz aufgeben müssen“, sagt er auf Anfrage.

Garreis betont, einem möglichen Ausbau der S-Bahn mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“ entgegen zu sehen. Dass die Verlängerung für die Region ein enormer Gewinn wäre, kann er nachvollziehen. Traurig macht ihn aber, dass der FC Geretsried dadurch heimatlos werden würde. Eines ist für den FC-Vorsitzenden allerdings klar: „Wir wollen einen eigenen Platz behalten, um uns unsere Unabhängigkeit zu bewahren.“ Dass eine mögliche Lösung des Problems wäre, sich das Isaraustadion mit dem dort ansässigen TuS Geretsried zu teilen, bezeichnet Garreis als „Utopie“. Schon jetzt gebe es dort Kapazitätsprobleme.

Dass ein im Frühjahr von der Bahn angekündigter Arbeitskreis noch immer nicht gegründet worden ist, bedauert der FC-Vorsitzende. „Von der Bahn kommt nichts, und die Stadt schiebt die Verantwortung auf die Bahn. So bewegen wir uns im Niemandsland und stecken zwischen drin.“ Die Ungewissheit stellt den FC noch vor ein anderes Problem: Dringende Sanierungen am Vereinsheim können nicht geplant und durchgeführt werden. „Jede Anfrage an die Stadt in dieser Richtung wird abgeblockt, weil die natürlich kein Geld in einen Bau stecken will, der in ein paar Jahren vielleicht abgerissen werden muss.“ In die Beleuchtung müsste ebenfalls investiert werden. Aber auch hier geschieht nichts. Deswegen urteilt Garreis mittlerweile hart. Die „Sportstadt Geretsried“ sei ins „Hintertreffen“ geraten. „Mit dem Titel rühmt man sich. Aber getan, wird immer weniger.“

Sportreferent Hans Hopfer kann das nicht ganz nachvollziehen. Ihm sei neu, dass am Vereinsheim Sanierungsarbeiten nötig seien. „Mit mir hat der FC-Vorsitzende nicht gesprochen.“ Dass die Situation für den Verein nicht einfach sei, kann der Stadtrat eigenen Angaben zufolge nachvollziehen. Er verspricht: „Die Stadt wird dem FC hilfreich zur Seite stehen.“ Doch die Suche nach einer neuen Heimat gestalte sich schwierig. Mögliche, städtische Flächen seien rar. Trotzdem garantiert der Sportreferent, dass der FC nicht irgendwann ohne Platz da stehen werde. Bislang gebe es allerdings nur „lose Gespräche“. Schließlich sei noch nicht mal klar, ob die S-Bahn-Verlängerung überhaupt komme.

(njd)

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