Ute Liebhard lacht vor dem Spiegel
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Üben vor dem Spiegel: Ute Liebhard ist Lachtrainerin

Weltlachtag

Das macht Lachen mit unserem Körper: Lachtrainerin erklärt, wie man leichter durch Krisenzeiten kommt

  • Clara Wildenrath
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Am 2. Mai ist Weltlachtag. Ute Liebhard, Lachtrainerin aus Baiernrain und Zweite Vorsitzende des Europäischen Berufsverbands für Lachyoga und Humortraining, erklärt, wie wir mit einem Lachen besser durch Krisenzeiten kommen.

Baiernrain – Pünktlich zum Weltlachtag erklärt die Baiernrainer Lachtrainerin, was Lachen mit unserem Körper macht

Frau Liebhard, was passiert am Weltlachtag?

Liebhard: Die Idee des Weltlachtags ist, dass wir alle gemeinsam um Punkt 14 Uhr eine Minute lang ein Lachen mit dem Wunsch nach Frieden um die Welt schicken. Lachen verbindet ohne Worte und macht den Kopf für den Moment frei von Sorgen und Stress. Das ist gerade jetzt besonders wichtig, wo wir durch Corona alle gestresst sind und die Welt gefühlt eher gespalten ist als vereint. Den Weltlachtag gibt es seit 1998. Er findet immer am ersten Sonntag im Mai statt. Ins Leben gerufen hat ihn Dr. Madan Kataria, der Gründer der weltweiten Lachyoga-Bewegung.

Wie kann man daran teilnehmen?

Liebhard: Wir vom Berufsverband für Lachyoga haben über den ganzen Tag hinweg stündliche Lach-Einheiten geplant. Da kann jeder kostenfrei mitmachen, einfach per Klick auf unserer Homepage dem virtuellen Meeting beitreten. Es beginnt um 8 Uhr mit einem gemeinsamen Lachtanz und endet mit einem lachenden Tagesabschluss um 18.30 Uhr. Ab 13.30 Uhr läuten wir gemeinsam das weltumspannende Lachen ein.

Wie läuft so eine Lach-Einheit ab? Erzählen Sie Witze?

Liebhard: (lacht) Nein, wir brauchen dafür keine Witze. Der Körper kennt auch keinen Unterschied, ob wir einen Grund zum Lachen haben oder es mit Absicht herbeiführen. Die Sessions beginnen mit Koordinations- und Atemübungen. Dann setzen wir positive Verstärker ein, also zum Beispiel ein anerkennendes „Aahh“ oder Sätze wie „Das hast du gut gemacht“. Danach laden wir zum Spiel ein mit Übungen, die in ein zartes Lächeln oder ein befreites echtes Lachen führen. Zum Beispiel begrüßen wir uns gegenseitig mit einem Händeschütteln oder Winken und einem Lächeln. Schon hat sich die Stimmung verändert. Das funktioniert auch online. Es mag sein, dass man sich am Anfang dabei etwas merkwürdig vorkommt. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann man nur gewinnen. Es muss ja auch keiner lachen, aber es ist eine Chance, dass es Dir besser geht.

Daumen hoch - Ute Liebhard lacht auch ohne Anlass

Lachen ist die beste Medizin, sagt man. Was genau bewirkt das Lachen?

Liebhard: Lachen hat auf ganz vielen Ebenen einen positiven Effekt auf die Gesundheit. Es vertieft die Atmung und sorgt so für eine Sauerstoffdusche für das Gehirn und den ganzen Körper. Lachen kurbelt das Immunsystem an, das ist schon nach wenigen Minuten im Blut nachweisbar. Während wir lachen, können wir nicht denken. Das wirkt wie eine kleine Sofortmeditation, wie Urlaub für den Kopf. Das Stresslevel sinkt, weil wir für einen Moment Abstand von unseren Sorgen bekommen. Lachen schüttet Glückshormone aus. Unsere Grundstimmung verbessert sich innerhalb von Minuten. Selbst chronische Schmerzen können nachlassen, denn beim Lachen werden körpereigene Opiate freigesetzt. Das erleben die Teilnehmer bei unseren Lachyoga-Stunden ganz oft. Das Miteinander-Lachen in der Gruppe schafft außerdem Verbindung zu anderen Menschen.

Warum sollten wir ausgerechnet in Krisenzeiten mehr lachen?

Liebhard: Lachen stärkt die Resilienz, also die psychische Widerstandskraft, mit der man Krisen besser bewältigt. Durch Lachen trainieren wir Optimismus – das ist ein wichtiger Resilienzfaktor. Indem wir entscheiden, wie wir auf eine Situation reagieren – mit einem Lachen oder mit Schimpfen und Jammern –, übernehmen wir Verantwortung für unsere Stimmung und handeln selbstwirksam. Auch das steigert die Resilienz. Lachtraining kann uns Kraft geben, auch durch schwierige Zeiten mit einem Lächeln zu gehen. Natürlich kann man Corona und andere Probleme oder Sorgen nicht weglachen. Aber das Lachen schenkt uns eine andere, positive Energie damit umzugehen.

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Funktioniert das auch im Alltag, außerhalb vom Lachyoga-Training?

Liebhard: (lacht) Aber sicher! Es muss gar kein lautes Lachen sein, ein zartes Lächeln genügt. Schenken Sie sich selber morgens im Bett ein erstes Lächeln, noch bevor Sie die Augen aufmachen. Das ist herausfordernd, aber unglaublich effektiv. Lächeln Sie sich jedes Mal freundlich an, wenn Sie in den Spiegel schauen, bei jedem Händewaschen. Und wenn Sie merken, dass Sie ins Grübeln kommen: Richten Sie sich bewusst auf, atmen Sie aus und lächeln Sie beim Einatmen. Das kann man wirklich überall machen, im Supermarkt an der Kasse oder im Büro. Alles Negative verschwindet dann für einen Moment. Und wir gehen ein kleines bisschen leichter durchs Leben.

Infos im Internet:

www.lachverband.org

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