Vor der Pandemie war der Stadl für die Musikkapelle Münsing die ideale Fotokulisse. Dieses Jahr wurde sie dann zum Proberaum umfunktioniert (Bild oben).
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Vor der Pandemie war der Stadl für die Musikkapelle Münsing die ideale Fotokulisse. Dieses Jahr wurde sie dann zum Proberaum umfunktioniert.

Stadl statt Probenraum

Corona-Lockerungen für die Kultur: Endlich wieder proben - 3G-Regel hilft Musikern, Sängern und Schauspielern

  • VonCornelia Schramm
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Blaskapellen, Chöre und Theatergruppen können aufatmen: Proben sind wieder in Vollbesetzung möglich. Wie im Restaurant und Fitnessstudio gilt fortan die 3G-Regel.

Münsing – Der Sommer war kalt und nass. Und das bekam die Musikkapelle Münsing (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen*) auch bei ihren Proben zu spüren. Mit Mützen und kalten Fingern spielten die Musiker ihre Trompeten, Posaunen und Klarinetten – einmal pro Woche muss geübt werden, auch wenn der Wind durch den Stadl pfeift. „Von Oktober 2020 bis zum Frühjahr haben wir gar nicht geprobt“, sagt Michael Bruckmeir, Vorsitzender des Vereins. „Als Ende Mai klar war, dass wir wegen der Abstandsvorgaben nicht alle in unseren Probenraum passen, sind wir in den Stadl ausgewichen – wegen des Wetters war das aber oft grenzwertig.“

Wessen Instrument nach oben bläst, musste eineinhalb Meter Abstand einhalten. Trompeten, Klarinetten und andere Flöten stoßen die Musik und womöglich ansteckende Aerosole nach vorne aus, weshalb ihre Spieler gleich drei Meter Abstand einhalten mussten. „In Vollbesetzung sind wir 40 Mann – und die hätten wir mit Abständen im Inneren nie untergebracht“, sagt Bruckmeir. Online-Proben waren für den 43-Jährigen keine Option. „Wir hatten Online-Stammtische, aber so zu proben ist schwer: Die Akustik stimmt nicht und junge, unsichere Musiker können sich nicht an Erfahrenen orientieren.“

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Musikverein-Probe: Abstands- und Maskenpflicht müssen nicht mehr zwingend eingehalten werden

Am 24. September veranstaltet die Musikkapelle im Schulgarten ein Open-Air-Konzert. „Bis dahin proben wir noch zweimal im Stadl“, sagt Bruckmeir. Dann wollte er doch ins Vereinsheim ziehen – und ab Herbst in zwei Gruppen proben. Das neue Regelwerk, das der Freistaat am Dienstag für Proben im Laienmusik- und Amateurtheaterbereich erlassen hat, ändert aber vieles.

„Die Vereine sollen wieder möglichst frei und ohne Einschränkungen ihre Proben durchführen können“, sagte Kunstminister Bernd Sibler (CSU*). Fortan darf drinnen geprobt werden. Abstände sind nurmehr empfohlen. „Mit der 3G-Regel sorgen wir für Schutz, auch wenn beim Musizieren Maske und Abstand nicht konsequent eingehalten werden können“, erklärte Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Wenn im Sport Erleichterungen möglich seien, müsse dies auch in der Kultur geschehen. So sieht Bruckmeir das auch und ist erleichtert: „Die 3G-Regel ist umsetzbar. Damit wir bis zum Konzert spielfähig bleiben, haben in letzter Zeit selbst Geimpfte bei uns einen Selbsttest* gemacht. Wenn wir so dann sogar drinnen proben dürfen, sind sicher alle dabei.“

3G-Regel für Chor- und Theaterproben bringt neue Freiheiten

Aber nicht nur Kapellen haben lange auf neue Regeln gewartet. Auch die Chöre. „Die 3G-Regel schafft Klarheit“, sagt Alexander Seebacher, Präsident des Bayerischen Sängerbundes. Er selbst singt in der Chorgemeinschaft Irschenberg (Kreis Miesbach*). Geprobt hat die aber schon lange nicht mehr. „Es macht keinen Sinn, wenn nur 16 Leute proben dürfen.“ Andere Chöre seien in Tiefgaragen oder stillgelegte Fabrikhallen ausgewichen. Als Notlösung. „Das Durchschnittsalter unserer Sänger liegt bei weit über 50 Jahren. Viele werden geimpft sein – und wer sich nicht testen lassen möchte, dem ist nicht zu helfen“, sagt Seebacher.

Das Ammerseer Bauerntheater in Herrsching musste seinen Betrieb im März 2020 einstellen – Abstände hätten die Schauspieler weder bei der Probe noch auf der Bühne einhalten können.

Die 3G-Regel lässt auch Franz Czasny vom Ammerseer Bauerntheater Herrsching (Kreis Starnberg*) aufatmen: „Bei uns steht der Theaterbetrieb seit März 2020 still.“ So ein Stück auf die Beine zu stellen, brauche Zeit. „Bis vor kurzem hätten wir ja nur den halben Saal mit Zuschauern belegen dürfen.“ Das sei kaum rentabel, daher habe man gewartet. „Jetzt können wir uns endlich zusammensetzen und Termine zum Proben und für Aufführungen festsetzen.“ *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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