Begehren ist "okay", aber "nicht schön"

- Reaktionen auf Unterschriftensammlung

VON VERONIKA WENZEL Geretsried - "Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie es nicht tun." So kommentiert Ilona Artz von der Suchthilfe des Deutschen Ordens die Entscheidung der Anwohnerinitiative, ein Bürgerbegehren gegen den Einzug der Therapieeinrichtung in die Verwaltungsschule anzustoßen (wir berichteten). Im Stadtrat löst die Aktion gemischte Gefühle aus.

Ein Begehren zu initiieren "ist das gute Recht der Bürger", sagt Edith Peter (SPD). An ihrer positiven Einstellung dem Projekt gegenüber ändere das aber genauso wenig wie der "massive Anruf" eines Anwohners. Sie rechnet der Unterschriftensammlung "keine großen Chancen aus", weil "viele Leute, die ich kenne, sagen, dass wir diese Einrichtung brauchen". Sollte das Begehren erfolgreich sein, "bedeutet das einen ungeheuren Schaden für Geretsried", sagt Peter.

Ähnlich sieht das Bernd Emmerich (Freie Wähler). Er versteht die Ablehnung der Anwohner nicht. Emmerich erinnert an die Geschichte Geretsrieds. Viele der heutigen Bewohner seien als Vertriebene in die Stadt gekommen. "Sie haben sich zurückgesetzt gefühlt, weil man sie als Flüchtlinge bezeichnet hat." Dieselbe Intoleranz zeige man nun aber gegenüber den Bewohnern der Suchthilfeeinrichtung. Auch vom christlichen Standpunkt aus kann Emmerich "diesen Hass" nicht nachvollziehen. "Viele der Gegner gehen bestimmt in die Kirche, hören dort ,Liebet Euren Nächsten` - und dann tun sie sowas", sagt der Freie Wähler. Er will weiter "vehement für die Einrichtung kämpfen".

Auch Brigitta Siepmann (Grüne) will "nicht aufgeben". Aus demokratischer Sicht, sei das Bürgerbegehren "okay", sagt die Grüne. Persönlich finde sie es wegen der Thematik "nicht so schön". An ihrer Haltung gegenüber der Einrichtung "ändert das Begehren nichts".

Vize-Bürgermeister Gerhard Meinl (CSU) geht davon aus, dass die CSU-Fraktion "mehrheitlich" für die Fortsetzung des Bebauungsplanverfahrens und damit für die Suchthilfeeinrichtung stimmen wird. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, betont Meinl. Man müsse in den kommenden Sitzungen erst die Einwände bewerten - "soweit sie bewertbar sind". Und wie steht Meinl selbst zur Suchthilfeeinrichtung: "Ich bin dafür."

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