Bekenntnis zu einer Vision

Wolfratshausen - Die Burgfreunde Wolfratshausen reagieren auf kritische Stimmen aus dem Burgverein. In einem Manifest verteidigt Vorsitzender Richard Dimbath seine Vision vom Wiederaufbau.

Anfang April ging Torsten Sjöberg, Chef des Burgvereins, auf Distanz zu Dimbath und seinen Mitstreitern. Der Wiederaufbau der Burg auf dem ehemaligen Gelände am Bergwald sei aus Denkmalschutzgründen ausgeschlossen, sagte er. Ein anderes Areal käme nicht in Frage. Sjöberg bezeichnete sich außerdem als Vorsitzenden des „realistischen Burgvereins“ und verwies darauf, dass das Landesamt für Denkmalpflege laut einem Schreiben vom Juli 2013 künftig nur noch seinem Verein zur Verfügung stehe. Dieser will wie berichtet einen historischen Erlebnispfad am Bergwald anlegen und die Stelle markieren, an der die Burg einst stand. Unterstützung bekommt Sjöberg von Dr. Sybille Krafft, Vorsitzende des Historischen Vereins. Auch sie hält einen Wiederaufbau der Burg für unrealistisch und spricht sich stattdessen für die Erforschung der Burghistorie aus.

„Aber stellen Sie sich vor, was es für ein Anziehungspunkt wäre“, meint Dimbath in seinem Manifest, „wenn auf dem Berg eine stolze, fahnengeschmückte Burg im Entstehen wäre, in der einst sogar Kaiser Barbarossa zeitweise residierte.“ Wolfratshausen bekäme einen „touristischen Magneten ersten Ranges“. Einen Magneten, der der Stadt gut tun würde, gerade im Angesicht des „höchst problematischen Zustands der Altstadt“. Der „darnieder liegende Tourismus“ würde dazu wesentlich beitragen, ergänzt Dimbath. Bei bescheidenen rund 30 000 Übernachtungen pro Jahr müsse man dieses Thema sowieso komplett überdenken. Dabei helfen könnte ein Alleinstellungsmerkmal wie eine Burg, auch wenn das teuer wird. „Tourismus erhält man eben nicht zum Nulltarif.“

Wie ähnliche Projekte gezeigt hätten, würden die Touristen bereits herbeiströmen, sobald die ersten Bauhütten stehen. Teilweise fänden dort auch Ritterspiele statt, die Bürger würden sich mit den Projekten identifizieren und sogar beim Wiederaufbau helfen. Und die Kosten würden überwiegend durch das europäische Leader-Programm und Landesfördermittel getragen. Für Dimbath steht fest: Weil Wolfratshausen der Platz für neue Gewerbeflächen fehlt, die Stadt aber nach wie vor hoch verschuldet sei, müsse die Einkommensquelle Tourismus als Ergänzung zur Gewerbe- und Einkommenssteuer dringend in Angriff genommen werden.

Dimbath schlägt aber auch eine Brücke zur Konkurrenz, indem er beiden Gruppierungen zugesteht, „honorige Ziele“ zu verfolgen, wofür man beiden dankbar sein sollte. Der Stadtspitze rät er, andere Burg-Baustellen in Friesach (Kärnten) und Guédelon (Frankreich) zu besuchen und eine Machbarkeits-Studie in Auftrag zu geben.

Ob die Burgfreunde Unterstützung vom neuen Bürgermeister Klaus Heilinglechner bekommen, wird sich zeigen. Dieser hatte im Wahlkampf auf eine entsprechende Anfrage Dimbaths zwar gesagt, dass die Belebung der Innenstadt immer ein Ziel sei. Eine Burg werde aber bestenfalls auf lange Sicht dazu beitragen.

Von Frederik Lang

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