Berchtold: Landrat muss zurücktreten

- Rathauschefs zur DTK-Krise

VON CARL-CHRISTIAN EICK Bad Tölz-Wolfratshausen - Die kreiseigenen Kasernen-Gesellschaften DTK und GTZ stecken in einer schweren Finanzkrise. Wie berichtet muss der Landkreis 16,5-Millionen Euro nachschießen. "Ob das ein schöner Morgen ist - die Frage ist zynisch", meinte der Wolfratshauser Rathauschef Reiner Berchtold (SPD) gestern. Er sieht in Manfred Nagler (CSU) den politischen Verantwortlichen für die Misere und legt dem Landrat und Aufsichtsratsvorsitzenden der Gesellschaften den Rücktritt nahe.

"Wenn Manfred Nagler nur einen Funken Verantwortungsbewusstsein hat, darf die Sache nicht mit einem Bauernopfer enden", sagt Berchtold. "Ja, der Landrat muss zurücktreten." Der Wolfratshauser Bürgermeister ist sich sicher, dass das Millionen-Loch nur durch eine Erhöhung der Kreisumlage gestopft werden kann. Etwa 260 000 Euro werde Wolfratshausen dann im nächsten Jahr mehr zahlen müssen. Um unter diesen Vorzeichen den Haushalt 2005 ausgleichen zu können, müsse die Stadt eventuell sogar an der Steuerschraube drehen. "Und dann werden wir für etwas geschlagen, was wir nicht verschuldet haben", befürchtet Berchtold.

"Es ist dramatisch", kommentiert Geretsrieds Bürgermeister Hans Schmid (CSU) die Hiobsbotschaft aus dem Kasernengeviert. Er will eine Erhöhung der Kreisumlage auf jeden Fall verhindern. "Im Klartext: Der Landkreis muss versuchen, Investitionen zu schieben." Die politische Verantwortung allein auf Manfred Nagler abzuwälzen, sei falsch. Schließlich habe Nagler den Beteiligungsmanager immer gefordert - genau der war es letztendlich, der das Millionen-Loch entdeckte. "Aber es muss über Personen geredet werden", meint Schmid, "Namen will ich nicht nennen." Vor allem jedoch sei es wichtig "weiterzumachen". Das sieht Eglings Bürgermeister Hans Sappl (Freie Wähler) ähnlich: "Das Gesamtkonzept darf keinen Schaden nehmen." Zu personellen Konsequenzen will sich Sappl nicht äußern: "Ich will nicht auf die Trommel hauen", es bestehe noch "sehr viel Klärungsbedarf".

Eine Erklärung will auch Reiner Berchtold hören - und zwar von Manfred Nagler in der Bürgerversammlung in Wolfratshausen. Das, was der Landkreis ("mit tatkäftiger Unterstützung der CSU-Mehrheitsfraktion") im Kasernengeviert in Tölz geschaffen habe, zählt für Berchtold nicht zu den Pflichtaufgaben. Im Gegenzug würden jedoch Schulen und Kindergärten in Geretsried und Wolfratshausen vernachlässigt. "Herr Nagler war doch Lehrer - da muss ich sagen, in diesem Punkt ist seine Leistung ungenügend." Bei aller Kritik ist Berchtold der Meinung seiner Kollegen Schmid und Sappl: "Es muss alles unternommen werden, damit die Entwicklung des Kasernen-Projektes nicht blockiert wird" (siehe auch Seite 4).

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