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Links Johann Wolfgang, rechts Josef: Dr. Josef Hingerl, Geschäftsführer des Bergkramerhofs, begutachtet die Exponate der Ausstellung „Wandelbilder“.

Bergkramerhof

Golfsport: Kunst gegen das Negativ-Image

„Bewegung, Begegnung, Begeisterung“: Das ist das Motto vom Bergkramerhof – und damit ist nicht nur der Golfsport gemeint. Im Gegenteil, seit langem bemüht sich Geschäftsführer Dr. Josef Hingerl, diesen historischen Ort kulturell zu beleben und das elitäre Image, das dem Golfsport anhängt, zu bekämpfen.

Wolfratshausen – Seit 2011 finden auf dem Bergkramerhof kleinere Kulturveranstaltungen statt. Für Dr. Josef Hingerl bedeutet Kultur nämlich vor allem eines: „Wie wir Menschen miteinander umgehen.“ Den Umgang mit Menschen kennt der Jurist nicht nur rein beruflich. Zwar ist der gebürtige Höhenrainer kein leidenschaftlicher Golfer. „Aber ich setze mich leidenschaftlich für Golf ein“, sagt er. Golf habe eine gesellschaftliche Funktion, findet Hingerl, es sei der einzige Sport, bei dem Jung und Alt miteinander spielen können und Kontakte finden.

Dr. Hingerl: „Ich folgte meinem inneren Kompass“

2007 übernahm der damals 59-jährige Jurist die Geschäftsleitung des Bergkramerhofs. „Ich folgte meinem inneren Kompass“, erinnert er sich. Obwohl Hingerls Familie in Berlin lebt und er jedes Wochenende pendelt, hat er das bis heute nicht bereut. „Es war der richtige Schritt.“ 400 Mitglieder zählt der Club derzeit. „Bei uns begegnen sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Interessen.“ Hingerl bedauert es, dass immer noch 54 Prozent der Deutschen eine negative Vorstellung vom Golfen haben. „Aber neugierig sind sie doch.“

Ein geschichtsträchtiger Ort, der Kultur verdient hat

Das ist verständlich, schließlich ist es oberhalb von Wolfratshausen sehr idyllisch. Vom Bergkramerhof und dem Gut Meilenberg fällt der Blick übers Oberland, im nahen Wäldchen gibt es keltische Hügelgräber. Am einstigen Schlossberg siedelten sich auch die Römer, die Andechser und die Wittelsbacher an. Ein geschichtsträchtiger Ort, einer, der Kultur verdient hat, findet Dr. Josef Hingerl. Mit seinem Team organisiert er deshalb kulturelle Veranstaltungen im erlaubten Rahmen.

Alles, was man für größere Events braucht, ist da

In der Tenne – im Stall nebenan standen bis 2010 noch 300 Bullen – gibt es einen „wunderbaren Veranstaltungssaal mit 190 Plätzen unterm Sichtdachstuhl“, schwärmt der Geschäftsführer. Nutzen dürfe er diesen aber nur im Rahmen von Club-Veranstaltungen. Dabei ist alles da, was man für größere Events braucht. „Atmosphäre, gute Akustik und eine Bühne mit Technik.“ Für öffentliche Veranstaltungen, auch für Nichtmitglieder, stünden aber gesetzliche Vorschriften im Weg, erklärt der Geschäftsführer.

Literaturlesungen und Kunstausstellungen

Hingerl bietet unter anderem Abende mit Literaturlesungen an. Ganz ungezwungen, sagt er. „Wer ein gutes Buch kennt, schlägt es vor und liest daraus.“ Er tue das selbst auch gerne. Seine Themen sind Politik, Wirtschaft und Philosophie. Zudem initiiert die Münsinger Pocci-Gesellschaft philosophische Lesungen und Kunstausstellungen. Derzeit läuft „Wandelbilder“ vom Künstlerpaar GH Goldstein aus Grünwald. Zu sehen sind Bilder mit Überraschungseffekt, die Künstler haben Fotografien auf eine spezielle Lamellentechnik als Bildgrund gedruckt. Bewegt man sich an ihnen vorbei, erscheinen bis zu drei Motive, die in politischer und gesellschaftskritischer Beziehung zueinanderstehen.

„Bewegung, Begegnung, Begeisterung“ – das Motto passt. Nun müsste nur noch Dr. Josef Hingerls Wunsch in Erfüllung gehen, einen anerkannten Kulturort zu schaffen. Dafür will er kämpfen.

Info

Die Kunstausstellung „Wandelbilder“ ist noch bis zum 30. April zu sehen.

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